Streit um Selbstmord vor laufender Kamera

Es ist der Aufreger des Jahres auf der Insel: Der Oscar-prämierte Dokumentarfilmer John Zaritsky begleitete die letzten Tage des früheren Universitätsprofessors Craig Ewert, der an der unheilbaren Motor-Neurone-Erkrankung litt. Der britische Sender "Sky Real Lives" zeigt Ewerts selbst gewähltes Ende in der Zürcher Dignitas Klinik heute als Dokumentarfilm mit dem Titel "The Suicide Tourist" (deutsch: "Der Selbstmord Tourist") - und löst damit eine Kontroverse in Großbritannien aus.

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Craig Ewert hat eine Entscheidung getroffen. „Ich bin der Krankheit so müde, aber nicht des Lebens“, sagt der 59-jährige frühere Universitätsprofessor. „Ich mag das Leben genug, um es fortsetzen zu wollen, aber die Wahrheit ist, dass ich es nicht kann. Wenn ich mich für das Leben entschiede, hieße das, Folter zu wählen, statt die eine Reise zu beenden, um dann die nächste zu starten“, erklärt Ewert in stockenden Sätzen, unterbrochen von einem starken Schnaufen.

Ewert ist krank, sterbenskrank. Am 26. September 2006 wurde beim Amerikaner  die unheilbare Motor-Neurone-Erkrankung diagnostiziert, die die Nervenzellen des zentralen Nervensystems im Rückenmark angreift und Lähmungen an den Armen, Händen,  Beinen und schließlich dem ganzen Körper zur Folge hat. Zwei bis fünf Jahre zu leben haben die Ärzte Ewert ursprünglich noch gegeben – dann ging alles viel schneller.

„Der Selbstmord-Tourist“: Letzte Reise nach Zürich

Der amerikanische Universitätsprofessor, der über 37 Jahre verheiratet war und 2 Kinder hinterließ, entschloss sich zu einem würdigen, selbstbestimmten Ende. „Seien wir ehrlich: Wenn man komplett gelähmt ist und nicht mehr reden kann, wie will man dann jemanden mitteilen, dass man leidet. Dies kann die totale Hölle sein.“

Also trat Ewert seine letzte Reise an, die ihn nach Zürich in die Dignitas Klinik („Menschenwürdig leben – Menschenwürdig sterben“) führte, wo er im Dabeisein seiner Frau den Todescocktail einnahm und dann vom Beatmungsgerät getrennt wurde. 

„Ein starkes Stück Fernsehen“?

All das  – inklusive der Sterbesequenz – wurde vom Oscar-prämierten Dokumentarfilmer John Zaritsky („The Wild Horse Redemption“) filmisch festgehalten – mit voller Unterstützung seiner Frau. „Ich bereue es nicht, dass Craigs Tod auf diese Weise dokumentiert wurde“, erklärte sie der Online-Ausgabe  der britischen „Times“. „Wir wollten das beide. Craig war ein Lehrer, ein Professor. Und dieser Film ist sicher mit einem lehrenden Blickwinkel aufgenommen worden.“

Sky Real Lives, das Zaritskys Dokumentarfilm heute ausstrahlt, war unterdessen von dem Ergebnis selbst beeindruckt: „Das ist ein starkes Stück Fernsehen“, erklärte eine Sprecherin des zur BSkyB-Gruppe  (NewsCorp.) gehörenden Spartenkanals. John Meyer von der Organisation Mediawatch-UK geht unterdessen auf die Barrikaden: „Das Thema Sterbehilfe wird politisch derzeit ziemlich heiß diskutiert. Meine Befürchtung ist, dass es die öffentliche Debatte beeinflusst.“ Mehr Aufregung ist nach der Ausstrahlung heute um 21 Uhr garantiert.

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