Barth und Funke waren die Quotenbringer

MEEDIA hat sich die Quotenverläufe der Jahresrückblicks-Shows von Günther Jauch und Johannes B. Kerner angeschaut und zeigt detailliert, welche Gäste Quote gebracht haben - und bei welchen lieber umgeschaltet wurde. Kaum ein TV-Ereignis hat in der jüngeren Vergangenheit so für Spannung gesorgt. Zwar hat Jauch mit seiner RTL-Show "2008! Menschen, Bilder, Emotionen" am Ende knapp gewonnen, doch im Verlauf der Sendungen gab es ein ständiges Hin und Her.

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MEEDIA hat sich die Quotenverläufe der Jahresrückblicks-Shows von Günther Jauch und Johannes B. Kerner angeschaut und zeigt detailliert, welche Gäste Quote gebracht haben – und bei welchen lieber umgeschaltet wurde. Kaum ein TV-Ereignis hat in der jüngeren Vergangenheit so für Spannung gesorgt. Zwar hat Jauch mit seiner RTL-Show „2008! Menschen, Bilder, Emotionen“ am Ende knapp gewonnen, doch im Verlauf der Sendungen gab es ein ständiges Hin und Her.

Für diese MEEDIA-exklusive Detail-Analyse schaue ich mir den Verlauf der Zuschauerzahlen in 5-Minuten-Schritten an. Mit Hilfe von zwei Fernsehern habe ich am Sonntagabend ein genaues Protokoll geführt, wann in welcher Show welcher Programmpunkt begann – dieses Protokoll verknüpfe ich nun mit den Einschaltquoten.

Bereits um 20.13 Uhr legte das ZDF einen Frühstart hin, zeigte nach Ende von „Faszination Erde“ keine Trailer, sondern begann sofort mit „Menschen 2008“. RTL folgte jedoch ebenfalls noch vor 20.14 Uhr mit dem wesentlich kürzeren Vorspann, sodass die beiden Moderatoren parallel ihr Publikum begrüßten. Schon beim Startschuss dieses Zweikampfes lag RTL mit Günther Jauch klar vorn. Während 5,63 Mio. Leute in der Zeit von 20.15 Uhr bis 20.20 Uhr RTL schauten, waren es beim ZDF nur 4,03 Mio.

Bei den jeweils ersten großen Programmpunkten hatte das ZDF das Publikumsinteresse völlig falsch eingeschätzt, während RTL mit dem Star-Turner Fabian Hambüchen allmählich Fahrt aufnahm. Als Hambüchen mit dem 96-jährigen Rentner Jan Krawczyk turnte, schauten bereits 6,50 Mio. zu – beim ZDF stagnierte die Zuschauerzahl parallel dazu beim viel zu langen Gespräch über das Hamburger Fast-Unglück des Lufthansa-Fliegers bei nur 3,92 Mio. Zuschauern.

Im direkten Anschluss katapultierte Publikumsliebling Mario Barth die RTL-Quoten weiter nach oben. In den 5 Minuten von 20.30 Uhr bis 20.35 Uhr wollten ihn 7,18 Mio. bei RTL sehen, Marcel Reich-Ranicki holte im ZDF zur gleichen Zeit nur 3,92 Mio. In den folgenden Minuten bis 20.40 Uhr gab es sogar den Höchstand für RTL und Barth: 8,01 Mio. erreichte die Show in keinem weiteren 5-Minuten-Abschnitt mehr. Im ZDF gab es unterdessen die verschiedenfarbigen Zwillinge, die mit 3,99 Mio. Sehern nur knapp über Reich-Ranicki lagen.

Die anschließende Werbeunterbrechung in der RTL-Show brachte dann endlich das ZDF-Pendant ins Spiel. Massen an Zuschauern schalteten während der Reklame zu Kerner, der mit drei Olympiasiegern punktete. Nur 3,43 Mio. Seher blieben RTL, 5,89 Mio. waren es beim ZDF in den 5 Minuten von 20.45 Uhr bis 20.50 Uhr. Doch die Werbepause dauerte nicht ewig und so lag zwischen 20.55 Uhr und 21 Uhr schon wieder RTL vorn. Michael Ballack holte 6,28 Mio. Zuschauer, Olympia kam im ZDF auf nur noch 4,43 Mio.

Der nächste Führungswechsel folgte aber schon um 21.05 Uhr, als RTL wieder zur Werbung schaltete. Das ZDF nutzte die Gelegenheit und lockte mit Comedian Dr. Eckart von Hirschhausen zwischen 21.10 Uhr und 21.15 Uhr 6,15 Mio. an – bei RTL waren es parallel dazu nur 3,57 Mio. Obwohl dann Sarah Connor bei RTL sang, blieb das ZDF in Führung. Erst als die Sängerin über ihre Trennung sprach, bzw. nicht sprach, holte sich RTL wieder Platz 1 zurück: 6,14 Mio. sahen Connor zwischen 21.20 Uhr und 21.25 Uhr zu – nur 4,49 Mio. hatte das ZDF mit seinem Schwerpunkt zur Finanzkrise. Dieses lobenswerte Thema, dass RTL in seiner viel zu trashigen Show komplett auslies, verhinderte einen weiteren Führungswechsel – selbst Kurt Beck holte bei RTL mehr Zuschauer als die Finanzkrise im ZDF.

Die nächste Werbepause machte das Rennen dann aber wieder richtig spannend. Grund: Cornelia Funke. Die Bestseller-Autorin nutzte im ZDF den Reklame-Break von RTL und lockte Massen an Zuschauern zu den Mainzern – auch nach der Werbung. 6,87 Mio. sahen zwischen 21.45 Uhr und 21.50 Uhr das Gespräch zwischen Funke und Kerner – der beste ZDF-Wert bis dahin. Auch RTL-Fußballer Philipp Lahm konnte daran nichts ändern. Das anschließende rührende Interview mit der 10-jährigen Nujood, die im Jemen zwangsverheiratet wurde, hielt die ZDF-Zahlen auf hohem Niveau.

Die Rettung für RTL hieß dann leider Paul Potts. Der vollkommen überbewertete Sänger holte die Marktführung zu RTL zurück, kletterte um 22.05 Uhr auf 7,06 Mio. Zuschauer. Auch das Feuer-Unglück von Ludwigshafen interessierte viele Leute – die RTL-Zuschauerzahl blieb nahe der 7-Mio.-Hürde. Im ZDF gab es nach dem Crime-Block mit Brückenmord und U-Bahn-Schlägerei um 22.15 Uhr das nächste Quoten-Highlight. Die erneute RTL-Werbepause nutzte der Sender mit Gesprächen zur Fußball-EM. Vor allem die fünf Minuten mit dem Bildausfall und dem ZDF-Techniker Thomas Schmidt, der seinerzeit die Situation rettete, indem er das Signal des Schweizer Fernsehens anzapfte, kamen gut an. Mit 7,34 Mio. kletterte das ZDF in diesen 5 Minuten ab 22.20 Uhr auf seinen besten Wert des Abends.

Formel-1-Fahrer Sebastian Vettel holte die Führung zwar kurzzeitig zurück zu RTL, doch beim nächsten musikalischen Beitrag, dem von Leona Lewis, wechselte sie wieder zum ZDF. Dort waren es ab 22.40 Uhr dann vor allem die schlechtesten Fußballer Deutschlands, die die Quote glühen ließen: 6,62 Mio. im Abschnitt von 22.45 Uhr bis 22.50 Uhr. Der Mann, der ein Baby ausgetragen hat, hatte danach ebenfalls das Nachsehen und unterlag der bayerischen Provinzposse aus Bergtheim, wo der Bürgermeister per Losverfahren bestimmt wurde. Altmeister Udo Lindenberg verscheuchte das Publikum ab 23 Uhr aber wieder – RTL punktete mit Britta Steffen und einem klaren Ergebnis von 5,32 Mio. zu 3,63 Mio. im Abschnitt von 23.05 Uhr bis 23.10 Uhr.

Oliver Pocher hielt den RTL-Vorsprung relativ stabil, erst beim nächsten Werbebreak holte sich das ZDF mit Karl Merk, dem zwei neue Arme transplantiert wurden, die Führung zurück. Die Liste der 2008 Verstorbenen interessierte anschließend ebenfalls mehr Leute als RTLs „Supertalent“ Michael Hirte und erst um 23.35 Uhr, als Jauch noch ein paar Worte mit Hirte wechselte, gab es nochmal einen kurzen Führungswechsel. RTLs Show war dann zu Ende und das ZDF katapultierte sich mit Charlotte Roche und 4,70 Mio. Zuschauern nochmal auf einen Traum-Marktanteil von 31,4%. Am Gesamtergebnis von 5,74 Mio. zu 5,10 Mio. Sehern für RTL konnte aber auch sie nichts mehr ändern.

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