Pilotprojekt: „WAZ“ heute ohne DPA-News

Vor Wochen klangen die Spekulationen, dass die "WAZ" auf Material der Deutschen Presse Agentur verzichten wolle, noch wie eine Drohung. Deren Ziel: Den Preis bei den anstehenden DPA-Vertragsverhandlungen zu drücken. Doch jetzt macht Chefredakteur Ulrich Reitz ernst. Im Mantelteil bringt er seit Montag – bis auf eine Ausnahme – keine DPA-Meldung mehr. Ein Pilotprojekt, auf das die ganze Branche blickt. Jedoch, die "WAZ"-Site DerWesten.de nutzt weiter das Agentur-Material.

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Im Mantelteil „WAZ“-Ausgabe vom heutigen Mittwoch findet sich keine Meldung aus der Feder der Deutschen Presse Agentur. Am gestrigen Dienstag brachte die Redaktion  – nach Beobachtungen des Bloggers David Schraven – zumindest eine Geschichte über zwei erschossene irakische Politiker, unter der das „dpa“-Kürzel stand. „Fast alles hatte die „WAZ“-Redaktion in Eigenarbeit geschrieben. Ausnahme: Einige kleine Meldungen von Agenturen wie DDP oder AFP. Die Fotos waren auch alle entweder von kleineren Agenturen, von ddp oder eigenen Fotografen“, schreibt Schraven. Eine Beobachtung, die sich mit der heutigen Ausgabe deckt.

Die WAZ-Mediengruppe, wollte sich zum vermeintlichen Verzicht nicht äußern. Genauso, wie die Deutsche Nachrichten Agentur. Allerdings weist man in Hamburg daraufhin, dass derWesten.de, die Online-Tochter des Essener Zeitungskonzern, noch immer mit den Hamburgern zusammenarbeitet.

So entsteht eine skurrile Situation. Die Online-Redaktion bringt aktuelle Nachrichten aus dem DPA-Ticker, wohingegen die Print-Redaktion, dieselben News für die Ausgabe am nächsten Morgen selbst recherchieren und schreiben soll.

Was passiert allerdings, wenn die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ auch noch wie geplant anfängt, die einzelnen Nachrichten- und Online-Redaktionen in einem großen Newsdesk zusammenzuführen? Darf ein Politik-Redakteur für die Web-Version seiner Geschichte dann DPA-Material nutzen, für die Print-Ausgabe muss er allerdings die Informationen von einer anderen Quelle beschaffen. Aus dem Web – oder von der eigenen Seite – womöglich?

Auf die Gefahr von vertragswidriger Nutzung von DPA-Inhalten reagiert die Hamburger Agentur mit dem Einsatz eines intelligenten Online-Monitoring-Systems von Attributor Corporation. Mit Hilfe dieser speziellen Analyse- und Such-Maschine kann die DPA eine beliebige Anzahl von Web-Seiten beobachten und so nach Lizenzverstößen fahnden.

Zum Ende des Jahres, läuft der Vertrag zwischen der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ und der Deutschen Presse  Agentur aus. Auch zum Stand der Verhandlungen zwischen der WAZ-Mediengruppe und der DPA wollten sich beide Seiten nicht äußern.

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