Welte stimmt Burda auf harte Zeiten ein

Philipp Welte, der verlorene Sohn, ist von Axel Springer zum Burda-Verlag zurückgekehrt. Seit 1. Dezember ist Welte dort als Vorstand im Amt und hat sich mit einer E-Mail bei den Mitarbeitern vorgestellt. Unter der Betreffzeile "Durch die Krise zu neuen Ufern" gibt er die Marschrichtung für das kommende Jahr vor. Tenor: Burda muss der Krise mit effizienten Strukturen trotzen. Auch der Münchner Verlag wird also ums Sparen nicht herum kommen.

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„Der Erfolg wird uns nicht geschenkt werden. Wir müssen ihn uns erarbeiten. Härter denn je“, schreibt Welte in seiner internen Mail an die Burda-Mitarbeiter. Die Finanzkrise habe sich zu einer Wirtschaftskrise ausgewachsen und damit zu einer Bedrohung für die Medien. Welte: „Diese gefährliche Entwicklung der Märkte geht auch an Hubert Burda Media nicht vorbei, deshalb müssen wir jetzt Wege finden, um der konjunkturellen Krise mit effizienten Strukturen zu trotzen.“ Gleichzeitig gelte es, Marken und Inhalte „in die digitale Welt zu transportieren“.

Welte macht damit klar, dass es bei Burda aus Spargründen keine Abkehr von Digitalprojekten geben wird. Sollten manche im Haus gemutmaßt haben, dass sich der Verlag sich in Zeiten der Krise auf sein Print-Kerngeschäft zurückzieht, so wird das offenbar nicht eintreten. Welte beschwört in seiner E-Mail Kreativität, Leidenschaft und den Team-Gedanken, mit dem man der Bedrohung durch die Wirtschaftskrise begegnen müsse. Konkrete Maßnahmen nennt er in seiner Antritts-Mail freilich nicht. Auf den Fluren in der Arabellastraße wird allerdings schon länger getuschelt, dass sich der Verlag von „Amica“ trennen könnte. Nach der Komplett-Übernahme der Verlagsgruppe Milchstrasse durch Burda wurde die Frauenzeitschrift „Amica“ von Hamburg nach München verlegt und komplett neu positioniert. „Amica“ versteht sich seither als Edel-Mode-Titel in Konkurrenz zur hauseigenen „Elle“ oder zur „Vogue“.

„Amica“ hat derzeit (IVW 3/2008) 15.468 Abonnenten und verkauft 84.057 Hefte am Kiosk. Für die recht geringe Auflage verursacht die Zeitschrift allerdings vergleichsweise hohe Kosten durch aufwändige Foto-Produktionen, ohne die ein Hochglanz-Modetitel nicht auskommt. Dem Vernehmen nach steht demnächst eine Lizenzverlängerung für die Nutzung des Namens „Amica“ beim italienischen Verlag RCS an. RCS war zusammen mit Burda lange Zeit an der Verlagsgruppe Milchstrasse beteiligt, bevor Burda die Anteile Ende 2004 komplett übernommen hat. Wie zu hören ist, ist die Verlängerung der „Amica“-Lizenz im Hause Burda umstritten. Eine endgültige Entscheidung ist aber wohl noch nicht gefallen.

Im Verlag wird jedenfalls davon ausgegangen, dass der neue Vorstand Welte schnell Duftmarken setzen wird. Seine Antritt-Mail beendet er mit den Worten: „Zusammen können wir ein solides Stück Zukunft schaffen.“ Die Betonung auf das Wörtchen „solide“ kann man sich ohne weiteres dazudenken.

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