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Verlage sitzen am längeren Hebel

Von Mitte Februar an will die finanziell angeschlagene ProSiebenSat.1 Media Group Verlagen und Anbietern von elektronischen Programmführern keine kostenlosen Programminfos mehr geben. Das hat der P7S1-Vorstand Marcus Englert den TV-Zeitschriftenverlegern schriftlich mitgeteilt. In der Branche wird der Schritt eher als Drohkulisse denn als ernsthaftes Ultimatum gewertet. Sollte ProSiebenSat.1 auf die Verbreitung von Programminfos verzichten, würde sich der TV-Konzern vor allem selbst schaden.

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Hintergrund ist ein Streit um die Nutzung von Programminfos, Texten und Bildern in den so genannten EPGs, Electronic Program Guides, und im Internet. EPGs kommen vor allem in Receivern und Settop-Boxen zum Einsatz und liefern on demand Programm-Infos und Inhaltsangaben zu Filmen und Sendungen. Erstellt werden die Infos von den Sendern selbst, die auch gerne an der Verbreitung dieser Inhalte verdienen würden. Gleiches gilt für die Aufbereitung von Programminfos auf den Websites der großen TV-Zeitschriften wie „TV Spielfilm“ oder „TV Digital“.

ProSiebenSat.1 und die konkurrierende RTL Group versuchen bereits seit rund einem Jahr über die gemeinsame Tochtergesellschaft VG Media Gebühren von EPG-Betreibern zu kassieren. Pro Seitenaufruf in einem EPG will VG Media 0,02 Cent haben. Während laut DWDL.de einige kleine, rein elektronische Anbieter von EPGs daraufhin das Verbreiten von ausführlichen PR-Inhalten und -Fotos der Sender stoppten, machten die Verlage weiter wie bisher. Ohne zu zahlen natürlich. Während man bei den Verlagen auf dem Standpunkt steht, dass es sich bei den Programminfos, Texten und Bildern um Werbung für das TV-Programm der beiden Sendergruppen handelt, sind die TV-Konzerne der Auffassung, dass Verlage mit ihren bisher gratis zur Verfügung gestellten Inhalten ein Geschäftsmodell aufziehen wollen. Kurz gesagt: Falls die Verlage in der Lage sind, mit dem PR-Material der Sender Geld zu verdienen, wollen die Sender auch was davon abhaben.

Dass ProSiebenSat.1-Vorstand Marcus Englert nun vorprescht und den Verlagen sogar schon Rechnungen für die Nutzung von Programminfos in Zeitschriften ins Haus schickt, markiert eine neue Qualität in dem Streit. „Wir sehen das als Maßnahme, Druck auf die Verlage auszuüben, den Tarifvertrag mit der VG Media doch abzuschließen“, sagte eine Sprecherin der Axel Springer AG zu MEEDIA. Sollte ProSiebenSat.1 bei dieser Haltung bleiben, sei man gezwungen, künftig nur noch die so genannten Basisdaten der Sender zu drucken. Bei Springer werden darum bereits rechtliche Schritte gegen das Vorgehen von ProSiebenSat.1 geprüft. Der Verband der Zeitschriftenverleger (VDZ) klagt bereits vor dem Landgericht Köln dagegen, dass die VG Media die Nutzung von Programminfos in EPGs kostenpflichtig machen will. Die VDZ zweifeln an, dass die VG Media generell das Recht habe, Texte und Bilder, die über die reine Programminfo hinausgehen, zu lizensieren. Letztlich sitzen die Verlage in dieser Auseinandersetzung aber am längeren Hebel. Zur Not würden Häuser wie Springer oder Burda einfach auf den Abdruck und die bevorzugte Platzierung von Programm-Highlights bei ProSieben oder Sat .1 verzichten. Die Folge wären absackende Quoten und sinkende Werbeeinnahmen. Und das kann der mit Schulden und Umsatzrückgängen kämpfende TV-Konzern ProSiebenSat.1 nun überhaupt nicht gebrauchen.

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