Doch harte Einschnitte beim „Handelsblatt“?

Die Verlagsgruppe Handelsblatt plant möglicherweise drastischere Einschnitte als bisher bekannt. Der Betriebsrat fürchtet zahlreiche Stellenstreichungen. „Die Ziele des Kostenabbaus sollen deutlich über denen von 2006 liegen", heißt es in einer internen Mail, die MEEDIA vorliegt. Damals fielen 100 Jobs weg. Eine vom Betriebsrat prognostierte Zusammenlegung der Redaktionen von "Handelsblatt" und "WiWo" hält ein hochrangiger Insider jedoch für "abwegig".

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Auf der Belegschaftsversammlung am Dienstag in Frankfurt räumte VHB-Geschäftsführer Tobias Schulz-Isenbeck laut Teilnehmern auf Nachfrage ein, „dass es sehr wohl zu betriebsbedingten Kündigungen kommen könne“, heißt es in der Mail. Das Schreiben verschickte der Gesamtbetriebsrat der Verlagsgruppe Handelsblatt am heutigen Freitag. Unterzeichnet ist die Mail von Gesamtbetriebsrats-Vorsitzenden Hans Eschbach und seine Stellvertreterin Walli Wittfeld.

Die Hintergründe für die Sparmaßnahmen sind augenscheinlich die Folgen der Anzeigenflaute. Nach Informationen des Branchendienstes „Kress“ wird die VHB in diesem Jahr eine „Ergebnislücke“ von 20 Millionen Euro erwirtschaften. Aber: „Insgesamt wird die VHB trotz des schwierigen Marktes im zweiten Halbjahr einen Gewinn schreiben, der dem Vernehmen nach bei rund 4 bis 5 Mio. Euro liegen soll“, berichtet der Branchendienst.

Als Sofort-Maßnahmen greifen die Verlagsmanager angeblich zunächst auf die Spar-Klassiker zurück: Offene Stellen dürfen nicht mehr besetzt werden, die Heft- und Zeitungsumfänge sollen – zum Teil – reduziert werden und sogar das Ausgliedern ganzer Verlagsabteilugen soll geprüft werden. Darüber hinaus wolle die Geschäftsführung die Arbeitgeberzuschüsse zu Direktversicherungen und verbilligten Firmentickets weiter kürzen sowie die Tiefgaragenplätze verteuern.

Unklar ist, aufgrund welcher Informationen der Betriebsrat fürchtet, dass es zu einer Zusammenlegung der Redaktionen der beiden Wirtschaftsblätter kommen könnte. Teilnehmer der Belegschaftsversammlungen am Montag und Dienstag berichteten, dass Geschäftsführer Tobias Schulz-Isenbeck dies „zwischen den Zeilen, aber recht deutlich angedeutet“ habe. Hochrangige Insider halten dies allerdings für „völlig abwegig“. Auf MEEDIA-Anfrage wollte der Verlag das Betriebsratsschreiben nicht kommentieren.
Die Hintergründe für die Sparmaßnahmen liegen eindeutig in der aktuellen Anzeigenkrise. Denn bei den Auflagen sieht es bei beiden Titeln nicht schlecht aus. Das „Handelsblatt“ setzt im Gesamtverkauf aktuell 144.650 Exemplare um. Das ist ein Plus von einem Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch die Wirtschaftswoche verzeichnet ein Plus von einem Prozent im Jahresvergleich. Das Magazin kommt im Gesamtverkauf auf 187.717 Hefte.

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