Ein Jahr iPhone: Der digitale Alleskönner

Ehre, wem Ehre gebührt: Ein Jahr ist das iPhone nun schon auf dem deutschen Markt zu haben. Anfangs als Ladenhüter belächelt, hat Apples Alleskönner auch in der Bundesrepublik längst seinen Siegeszug angetreten. Fast 200.000 iPhones der zweiten Generation konnte das Kultunternehmen aus Cupertino seit Juli über Vertriebspartner T-Mobile absetzen – weltweit waren es im dritten Quartal fast 7 Millionen. Damit avancierte es zum meistverkauften Handy in den USA. Eine Laudatio von MEEDIA-Redakteur Nils Jacobsen.

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Es war eine einfache Frage. „8 oder 16?“ fragte das Mädchen hinter der Kasse beim Asia-Restaurant, das ich noch nie zuvor gesehen hatte.
20, vielleicht 22 Jahre alt war sie, neu hier.
Ich war verwirrt. Zwei Gerichte hatte ich bestellt, zum Abholen.
„14“, entgegnete ich also schließlich. „Machen wir 14 – Euro.“
Sie lachte und blickte auf das weiße Etwas in der Plastikhartschale, das ich auf den Tresen gelegt hatte, als ich nach dem Portemonnaie griff.   
„Nein: 8 oder 16 GIGABYTE? Welches iPhone hast Du?“, fragte sie und grinste mich an.

Solche Dinge passieren tatsächlich in Deutschland. Genauer gesagt: Seit einem Jahr passieren sie. Überall – an Bushaltestellen, in U-Bahnen und immer wieder auf diversen Partys der Republik. Der Veröffentlichungstag hätte dann auch nicht historischer gewählt sein können: Am 09.11. 2007 erlebte das iPhone in der Bundesrepublik seine Geburtsstunde – auf den Tag genau 18 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer.

Der Launch indes – er war einer Revolution kaum würdig. Gerade mal 200 Kunden verloren sich zu Mitternacht im vergangenen Jahr vor dem Kölner Flagship-Store von T-Mobile, um sich das aluminiumfarbene Debütmodell zu sichern. „Das iPhone wird eher etwas für den luxusorientierten Privatnutzer sein“, schlug etwa Unicredit-Analyst Thomas Friedrich skeptische Töne an.

Großer Erfolg nach verhaltenem Start: Durchbruch mit dem iPhone der zweiten Generation

Die Zurückhaltung war berechtigt – zunächst. Gerade einmal 10.000 Geräte konnten die Bonner am Startwochenende absetzen. Weniger als 100.000 waren es wohl bis zum Jahresende 2007 – kein Vergleich zum furiosen Start in den USA, als Apple in den ersten 54 Stunden 1,2 Millionen Einheiten verkauft hatte.

Doch wie bei der Einführung des iPods war die Zeit auf der Seite des Kultunternehmens aus Cupertino. Mit dem Start der zweiten iPhone-Generation entwickelte sich Apples Smartphone zum veritablen Kassenschlager. Mehr als 15.000 Geräte des iPhone 3G konnte der deutsche Vertriebspartner T-Mobile am ersten Verkaufswochenende am 11. Juli absetzen – eine Steigerung von mehr als 50 Prozent gegenüber der ersten Version also.

Inzwischen gingen fast 200.000 iPhones 3G über die Ladentische – alleine in Deutschland. Das ist jedoch nur ein Bruchteil der weltweit fast 7 Millionen Geräte, die Apple alleine im Startquartal verkaufen konnte. Die Dimensionen, in die der Computerpionier damit vorgestoßen ist, sind gigantisch: Nach nur fünf Quartalen verkauft Apple bereits mehr Smartphones als der bisherige Platzhirsch Research in Motion (Blackberry). Mehr noch: Der Debütant Apple ist binnen eines Jahres in die Top 3 der Handyhersteller aufgestiegen – mit nur einem Gerät.   

Eingelöstes Versprechen: Mit dem iPhone kam das Internet endlich in die Westentasche

Der Coup ist bemerkenswert. Denn tatsächlich ist die UMTS-Version keinesfalls der große Quantensprung. Keine Frage, die Modelle sind flacher, liegen besser in der Hand – und verfügen eben über den mobilen Netzwerkstandard 3G sowie über das GPS-Modul. Die eingebaute Kamera kommt jedoch wie im Vorgängermodell mit vergleichsweise mageren zwei Megapixeln daher, die Akkulaufzeit ist gar schwächer.   

Tatsächlich war bereits die erste iPhone-Version so intuitiv, so ausgereift, so bahnbrechend neu, dass das Upgrade auf die Software-Version 2.0 den Kunden ein komplett neues, um unzählige Applikationen reicheres iPhone bescherte.

Was war mit dem iPhone der ersten Stunde nicht schon alles möglich! Es war, als würde mit dem Debüt von Apples mobilem Alleskönner ein jahreslanges Versprechen eingelöst, das seit der Geburtsstunde des Handys mitschwang, aber über 10 Jahre brachlag. Das iPhone bietet seinem Benutzer völlig neue Kommunikations-, Interaktions- und Informationsmöglichkeiten – es ist tatsächlich zum ersten Mal das Internet in der Westentasche, wie von Steve Jobs auf der Keynote versprochen.

Wie toll ist das eigentlich? Die New York Times, Facebook oder YouTube am Strand, in Bus und Bahn oder im langweiligen Wartezimmer beim Arzt. E-Mails lassen sich kinderleicht schreiben und funktionieren anywhere, any time. Aktienabfrage genauso. Frisch geschossene Bilder lassen sich sofort per Mail versenden – keine 49 Cent pro pixeliger MMS werden mehr fällig. Geht man mal auf einer längeren Fahrradtour verloren, bietet Google Maps verlässlich Erste Hilfe. Und den besten iPod aller Zeiten gibt es obendrein auch noch!

Synchronisation mit dem ersten iPhone noch mit Kinderkrankheiten

All das ist so fantastisch, dass ich die Erstversion aus nostalgischen und aus praktischen Gründen sogar lange Zeit dem 3G-Modell vorgezogen habe. Warum? Wer einmal das neue Modell in Betrieb genommen hat, dann aber – z.B. für eine Reise – wieder auf das erste iPhone zurückgreift, bekommt Probleme bei der Synchronisierung. SMS und Fotos werden zwischen den Versionen nicht abgeglichen, Kontakte können sich doppeln. Doch das sind Kinderkrankheiten.

Ein Jahr nach der Einführung hat das Original-iPhone nun bei mir zu Hause seinen Ehrenplatz – und seine neue Funktion als besserer iPod touch gefunden. Zum einjährigen Geburtstag habe ich nun auf 3G umgeswitcht – endgültig. Das ist zwar ein bisschen traurig, weil das erste iPhone nun zum Zweitphone wird, doch das ist der Lauf jeder technischen Innovation.

Keine 30 Minuten nach dem Upgrade starre ich noch immer gedankenverloren auf die neuen Widgets, die ich gerade heruntergeladen habe, während ich beim Asia-Restaurant das Abendessen abholen will.
„Gib mal her“, reißt mir die Bedienung das frisch geladene Kultobjekt aus der Hand, ehe ich Einwände vorbringen kann.
„16 Gigabyte also. Coole Sache!“ freut sie sich – „hab ich auch, in schwarz.“ Und ergänzt grinsend: „Hast Du auch den XL-Tarif?“

So geht’s zu an einem verregneten Sonntagabend um 20 Uhr, irgendwo in einem Hamburger Restaurant, ein Jahr nach der Produkteinführung. Das iPhone ist längst im Massenmarkt angekommen – und doch Gesprächsstoff geblieben. Steve Jobs hatte wieder einmal recht: Das iPhone verändert alles. Wirklich alles.

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