PR-Spagat zwischen Bambi und Web2.0

Burdas Medienpreis Bambi wird am Donnerstag zum 60. Mal verliehen. Diesmal in Offenburg, der Keimzelle des Burda-Reiches. Damit ist das Rehkitz genauso alt wie die Republik und längst zu einem Stück Medien-Deutschland geworden. Viel wird gelästert über die Inszenierung und das immer gleiche Personal. Aber Burda hat mit dem Bambi eine Marke geschaffen. Und wem die zu muffig ist, für den hat der Verleger den DLD (Digital Life Design Event) als Stelldichein 2.0 etabliert.

Anzeige

Hubert Burda ist damit in Deutschland wohl der einzige Medienverleger, der es schafft, ohne Probleme die alte Generation von Uschi Glas und Co. und die modernen Online-Hipster an sich zu binden, ohne sich zu verbiegen. Das Personal, das auf dem DLD Künstler wie Jonathan Meese beklatscht und sich über die Bedeutung von Social Communities im 21. Jahrhundert austauscht, würde vermutlich lieber das eigene iPhone zertrümmern, als sich freiwillig eine Bambi-Verleihung anzutun. Man würde höchsten hämisch darüber bloggen, ohne zu merken, dass beide Welten, das tantig anmutende Bambi-Universum und der obercoole DLD-Event zum gleichen Medienhaus gehören.

Im aktuellen „Spiegel“ wünscht sich Thomas Tuma in einer Polemik, dass der Herr doch wenigstens ein bisschen Eklat über Offenburg regnen lassen möge, damit der Jubiläums-Bambi nicht gar so langweilig wird. Herr Tuma muss sich keine Sorgen machen. Hat nicht im vergangenen Jahr der Scientologe Tom Cruise mit seiner nicht enden wollenden, seltsamen Dankesrede für den ebenso seltsamen „Courage“-Bambi für reichlich Gesprächsstoff gesorgt? Oder unvergessen das Buhei, als sich einmal Michael Jackson zum Bambi nach Berlin einfliegen ließ. Oder der bizarre Moment, als die kranke Maria Schell auf der Bühne sitzend für ihr Lebenswerk geehrt wurde. Für Gesprächsstoff hat das goldene Rehkitz eigentlich immer gesorgt.

Und dann gibt es ja noch den offenbar unsterblichen Johannes „Jopi“ Heesters. Wie „Bunte“-Chefin und „Bambi“-Patriarchin Patrcicia Riekel auf der Bambi-Pressekonferenz in Offenburg verkündete, wird auch diesmal „Jopi“ irgendwie mit von der Partie sein. Wenn auch nicht live vor Ort. Der „Jopi“ spielt nämlich Theater in Hamburg und ist dort, leider, leider, unabkömmlich. Vielleicht macht man ja eine Schalte. Die ARD überträgt, wie jedes Jahr, brav die Burda-Bambi-PR-Maschine und der Verlag brüstet sich schon im Vorfeld mit 3,5 Milliarden „Kontakten“, die das Bambi zur Freude seiner Sponsoren aus der Wirtschaft erzeugt. Zu den „Kontakten“ zählen dann natürlich auch die Leser der „Spiegel“-Polemik. So deutet Burda selbst seine Kritiker einfach zu „Kontakten“ um und nutzt sie zu Marketingzwecken. Man muss schon den Hut ziehen vor soviel badisch-sympathischer Chuzpe.

Die Bambi-Verleihung selbst sorgt seit Jahren für einen gleichbleibenden Mix aus Glamour, Herzschmerz und einem Hauch von Peinlichkeit, der aber einfach dazugehört. Man hat halt sein Personal. Ein paar US-Stars, die nicht ganz in der Blüte ihrer Karriere stehen, sorgen für den Hauch Hollywood (Keanu Reeves und Meg Ryan), es menschelt beim Charity-Bambi für ein Kinder-Hospiz und mit Leona Lewis, Britney Spears und Pink haben die Organisatoren sogar 1a-Musik-Acts nach Offenburg gekarrt. Und vielleicht sorgt TV-Schandmaul Stefan Raab ja für ein bisschen Eklat. Der bekommt diesmal nämlich auch einen Bambi. Nein. um den Bambi-Zirkus muss man sich auch im 60. Jahr seines Bestehens keine Sorgen machen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige