Apple: Der billigste Apfel der Welt?

Die Hälfte des Quartals ist herum. Es geht weiter die Angst um an der Wall Street. Wie hart wird der Aufprall der Rezession werden, die auch den Branchenprimus Apple treffen könnte? Nicht so hart, wie es die jüngsten ermäßigten Kursniveaus ausdrücken, glauben offenbar immer mehr Anleger und Analysten und sehen angesichts von starken iPhone- und iPod-Absätzen Kaufchancen. Die Apple-Aktie startet daraufhin zur Rallye durch. Ist es mehr als ein Strohfeuer?

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Es herrscht in diesen Tagen ein seltsames Treiben an den Aktienmärkten. Die Kurse fallen und fallen – und keinen scheint es mehr so recht zu interessieren. Ein seltsames Gefühl von Resignation hat sich unter Börsianern breitgemacht. Dreistellige Milliarden-Hilfen von staatlicher Seite: Wirkung verpufft. Konjunkturprogramme in zumindest zweistelliger Milliarden-Höhe: Wirkung erpufft.  Leitzins-Senkungen auf historische Tiefen: Wirkung verpufft.

Wie von einem Magneten angezogen sacken die Kurse immer wieder in die Tiefe, um sich kurz zu erholen – und dann wieder abzustürzen. Seit der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers vor zehn Wochen befindet sich der Markt im Crash-Zustand. Inzwischen ist die Horrorshow zum Alltag geworden – und täglich grüßt der Ausverkauf.

Oktober-Geschäfte entwickeln sich gut bei Apple

Mittendrin: Technologieaktien. Unter der Annahme, dass die konjunktursensiblen Unternehmen die Rezession besonders hart treffen wird, befinden sich die Papiere von Technologie-Unternehmen im freien Fall. Fast 50 Prozent hat der Nasdaq Composite seit Jahresbeginn in der Spitze verloren. Der Schwergewichte der Technologiebörse haben sich unterdessen mehr als halbiert: Research in Motion liegt 63 Prozent hinten, Google 61 Prozent  und auch Apple happige 53 Prozent.

Dabei ist von einem konjunkturbedingten Abschwung in der Bilanz des Kultunternehmens des Cupertino bislang keine Spur. Auch nach der Hälfte des laufenden Quartals gibt es – trotz des Intel-Schocks – immer noch keine Hinweise für Einbrüche im laufenden Geschäft. Im Gegenteil: Nach den jüngsten Erhebungen des Research-Unternehmens NPG Group haben sich die Geschäfte im Oktober nämlich sehr ordentlich entwickelt.

Analysten: Apple könnte im Dezember-Quartal die Schätzungen erneut übertreffen

Piper Jaffray Analyst Gene Munster geht so etwa im Dezember-Quartal von Mac-Verkäufen zwischen 2,5 und 2,7 Millionen Geräten aus.  Das läge im Rahmen der Wall Street-Erwartungen von 2,6 Millionen Einheiten und würde immer noch einem Umsatzwachstum von 16 Prozent entsprechen. 

Auch die iPod-Absätze könnten sich besser als erwartet entwickeln. Zwar rechnet die Wall Street erstmals seit der Einführung des Kult-MP3-Players im Jahr 2001 mit rückläufigen Verkäufen – doch die von Munster geschätzten 19 Millionen Geräte lägen oberhalb der Wall Street-Prognosen von 18,6 Millionen Einheiten.

Bliebe noch der Verkaufsschlager iPhone. Während an der Wall Street bisher Schätzungen von 6,5 Millionen Geräten kursieren, rechnen einige Analysten bereits mit 7 Millionen verkauften Apple-Smartphones.

Blogger-Prognose: „The mother of all earnings blowouts“

Nach Meinung des Blogger-Analysten Andy Zaky ist das noch immer viel zu wenig. Zaky, der das Blog „Bullish Cross“ betreibt, hatte in der Vergangenheit mit seinen Quartalsschätzungen oft besser gelegen als die Konsensschätzungen der Wall Street. Glaubt man dem Blogger, könnte Apple im Januar bei der Quartalsverkündung ein Ergebnis abliefern, das die jüngst verringerten Erwartungen so stark übertrifft wie noch nie.

The mother of all earnings blowouts„, sagt Zaky voraus: Nämlich ein Ergebnis pro Aktie von nicht weniger als 1,96 Dollar bei Umsätzen von 11,29 Milliarden Dollar versus der bislang geschätzten 1,44 Dollar je Anteilsschein bei 10,08 Milliarden Dollar. Dem dann erneuten Rekordquartal zugrunde legt Zaky Verkäufe von 22 Millionen iPods, 2,8 Millionen Macs und – sage und schreibe – 8 Millionen iPhones.

Die Aktie ist demnach „billig, billig, billig„, wie der ehemalige Internetaktienanalyst Henry Blodget auf seinem Technologieportal Silicon Valley kommentiert. An der Wall Street ist diese Erkenntnis bisher nur zum Teil durchgedrungen: Nach einer Rallye von fast 15 Prozent am gestrigen Handelstag fielen die Papiere heute zum Handelsstart an der Wall Street zunächst einmal wieder um vier Prozent auf unter 90 Dollar zurück.

Für Wall Street-Veteran James Cramer ist das jedoch kein Grund zur Beunruhigung: „Apple ist ein definitiver Weihnachtsgewinner“, so der ehemalige Hedgefondsmanger und heutige CNBC-Moderator. „Apple hat dem Abschwung bisher die Stirn geboten, und dann gibt es immer noch ein Weihnachten“. Für Apple-Aktionäre vielleicht sogar ein halbswegs versöhnliches.

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