So rettete das Kartellamt Döpfners Bilanz

Auf den ersten Blick sehen die Zahlen top aus. Und tatsächlich kann Mathias Döpfner stolz darauf sein, den Umsatz in den ersten neun Monaten des Jahres um acht Prozent auf fast zwei Milliarden Euro gesteigert zu haben. Das ist im gegenwärtigen Marktumfeld beachtlich. Auch der Gewinn entwickelt sich scheinbar sehr postiv. Aber sehen wir genauer […]

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Auf den ersten Blick sehen die Zahlen top aus. Und tatsächlich kann Mathias Döpfner stolz darauf sein, den Umsatz in den ersten neun Monaten des Jahres um acht Prozent auf fast zwei Milliarden Euro gesteigert zu haben. Das ist im gegenwärtigen Marktumfeld beachtlich. Auch der Gewinn entwickelt sich scheinbar sehr postiv. Aber sehen wir genauer hin: Der Löwenanteil des ausgewiesenen Gewinns macht der Verkauf der ProSiebenSat.1-Beteiligung aus.
Bereinigt um diesen Anteil schrumpfte der Netto-Gewinn auf 133 Millionen Euro zusammen. Das sind rund 26 Prozent weniger als in den ersten neun Monaten 2007. Das zeigt: Auch ein insgesamt exzellent aufgestelltes und geführtes Medienhaus wie Springer bekommt die Auswirkungen der Krise deutlich zu spüren.
Mathias Döpfner wird sich im Stillen bei den Kartellwächtern bedanken, dass sie seinen Vorstoß zur Übernahme des München TV-Konglomerats ProSiebenSat.1 Media vor drei Jahren zunichte machten. Damals unterlag Springer trotz monatelanger Bemühungen im Ringen mit dem Kartellamt, das die Gefahr einer „nicht genehmigungsfähigen Marktmacht“ beschwor. Ein Publicity-Dämpfer, der die Verlags-Bilanz indes 2005 nicht trübte.
Hätte sich Döpfner damals durchgesetzt, würde Springer heute ganz anders dastehen. Die Aktie des krisengeschüttelten TV-Konzerns hat im laufenden Börsenjahr mehr als 90 Prozent an Wert verloren und notiert aktuell bei 1,70 Euro auf dem tiefsten Kurs aller Zeit. Aus heutiger Sicht wäre die Übernahme ein schwerer strategischer Fehler gewesen, dessen Folgen das Ausmaß des PIN-Desasters bei weitem übertroffen hätten.
Das gesamte Unternehmen ProSiebenSat.1 ist mit einem Börsenwert von 190 Millionen Euro fast nur noch ein Drittel dessen wert, was Springer jetzt für den Verkauf des 12 %-Anteils erlöste. Eben dieses Geld poliert jetzt die Jahresbilanz kräftig auf. Man lernt: Manchmal ist eine halbe Niederlage am Ende ein ganzer Sieg.

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