G+J: Buchholz rechtfertigt Radikal-Kur

G+J Zeitschriften-Vorstand Bernd Buchholz versucht nach dem Paukenschlag, die Wogen zu glätten, indem er die Schuld von sich weist. In einem Interview in der "Süddeutschen Zeitung" rechtfertigt er die Zusammenlegung von "Capital", "Impulse" und "Börse Online" mit der "Financial Times Deutschland". Das Modell sei von "FTD"-Chef Steffen Klusmann entwickelt worden. Es handle sich "um eine Lösung von Journalisten". Bei der Kölner Wirtschaftspresse herrschen Fassungslosigkeit und Wut.

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Die Ankündigung von Buchholz und der Verlagsgeschäftsführerin der Wirtschaftspresse, Ingrid Haas, sei für die Mitarbeiter ein „Schlag ins Gesicht“ gewesen, sagt einer, der bei der Mitarbeiterversammlung in Köln dabei war. Als Buchholz den Leuten nach Verkündigung der Hiobsbotschaft auch noch gedankt habe, sei Hohngelächter ausgebrochen. Offen will sich kaum jemand äußern, aber hinter vorgehaltener Hand hört man blankes Entsetzen über den Plan, eine zentrale Wirtschaftsredaktion in Hamburg einzurichten. Auch in der Redaktion der „FTD“ gibt es zahlreiche kritische Stimmen. Redakteure zweifeln, wie das Vorhaben bis zum März kommenden Jahres umgesetzt werden soll. „Es gibt hier keinen Plan, wie das passieren soll, jedenfalls kennen wir keinen“, so ein „FTD“-Redaktionsmitglied.

In Köln fühlen sich die Mitarbeiter gedemütigt und über alle Maßen enttäuscht. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich einer von uns bei der Gemeinschaftsredaktion bewirbt, dann lieber Hartz IV“, sagt einer. Es herrscht das Gefühl vor, dass stabile Magazine geopfert werden, um den defizitären Großtanker „FTD“ mit allen Mitteln zu halten. Nach Informationen von MEEDIA waren „Capital“ und „Börse Online“ 2007 nur leicht in den roten Zahlen. „Capital“ hatte dabei allerdings auch noch den umfangreichen Relaunch und die Umstellung von 14-täglicher auf monatliche Erscheinungsweise zu verdauen. „Impulse“ soll sogar bescheidene Gewinne schreiben. Die „FTD“ dagegen soll 2007 mindestens acht Millionen Euro Miese gemacht haben. Für 2007 gehen Verlags-Insider sogar von noch größeren Verlusten aus, die eher bei zehn bis zwölf Millionen Euro liegen. Vom Verlag liegen hierzu keine Angaben vor. Mit der Zentralredaktion will Gruner + Jahr laut Buchholz einen „signifikanten siebenstelligen Betrag“ sparen. Dass die Einsparmöglichkeiten aber die Verluste der „FTD“ auffangen oder gar überkompensieren können, erscheint indes mehr als fragwürdig. Schon jetzt hat die „Financial Times Deutschland“ mit rund 200 Stellen deutlich weniger Manpower als das konkurrierende „Handelsblatt“. Künftig sollen dann diese Redaktion plus 50 Neue auch noch drei hochwertige Magazine miterledigen. Vorstand Buchholz gibt die Parole aus: „Die Identität der Magazine soll und wird bleiben.“

In Köln fühlt man sich vor allem auch von den markigen Sprüchen des Zeitschriftenvorstands gedemütigt. Auf dem Kongress der Zeitschriftenverleger in Berlin vor wenigen Tagen redete Buchholz noch davon, dass man in der Krise den Leuten „auf dem Sonnendeck Drinks und Liegestühle wegnehmen“ müsse. Zwei Tage später fliegt er nach Köln und München und kündigt die Belegschaft von drei Magazinen.

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