Yahoo-Gründer Yang wirft das Handtuch

Aufregung an der Wall Street: Yahoo-Vorstand Jerry Yang kündigte an, als Vorstandsvorsitzender des Internet-Portals abzutreten, sobald ein Nachfolger gefunden ist. In den vergangenen 18 Monaten war der inzwischen 40-Jährige zum zweiten Mal CEO von Yahoo. Dabei war es Yang jedoch nicht gelungen, beim strauchelnden Online-Pionier den Turnaround einzuleiten. Zum Verhängnis wurde Yang die Mehrfache Ablehnung diverser Übernahmeofferte durch den Software-Giganten Microsoft.

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Lange, nachdem die Schlacht verloren war, hat Jerry Yang das getan, was ein ehrenwerter Feldherr zu tun pflegt: die Konsequenzen zu ziehen. Er tritt als Vorstandsvorsitzender des Internet-Portals Yahoo ab, sobald ein geeigneter Nachfolger gefunden ist. Yang selbst soll bei der Suche gemeinsam mit dem Verwaltungsrat eine aktive Rolle spielen.  

Dem introvertierten Standford-Studenten war es in den 90er-Jahren gelungen, das definitive Internet-Startup zu gründen: das Onlineportal Yahoo. Ironischerweise erlebte das Unternehmen seinen absoluten Gipfel wenige Tage vor dem Millenniumswechsel, als Yahoo in den marktbreiten S&P-500-Index aufgenommen wurde – als zweites Dot.com-Unternehmen überhaupt nach AOL. Mit weit über 100 Milliarden Dollar wurde Yahoo seinerzeit bewertet. So wertvoll wie Ende Dezember 1999 sollte das beliebte Online-Portal nie wieder sein.

Die verlorenen 2000er Jahre: Ein Jahrzehnt der  Niederlagen

Heute sind es keine 15 Milliarden Dollar mehr. Das laufende Jahrzehnt, soviel steht fest, sollte nicht die Dekade der sympathischen Yahooligans, wie sich die Mitarbeiter im kalifornischen Sunnyvale selbst nennen, werden. Der junge Konkurrent Google, in den Yahoo selbst Venture Capital investiert hatte, ließ Yahoo in beängstigender Manier hinter sich. Heute ist Google an der Wall Street fast das Achtfache von Yahoo wert.

Während Hollywood-Tycoon Terry Semel keinen besonders glücklichen Eindruck dabei machte, Yahoo zur erlösträchtigen Medienmarke umzubauen, wurde auch noch die nächste Welle der Internet-Revolution verschlafen. Hastig mussten Zukäufe wie die Fotocommunity Flickr und das Bookmark-Netzwerk del.icio.us das eigene Unvermögen übertünchen, selbst ein Social Network der Güteklasse von Facebook oder MySpace aufzubauen.

Glückloses Comeback: Yang kann das Ruder nicht herumreißen

Also kehrte Yahoo-Gründer Jerry Yang noch einmal zurück in den Ring. 18 Monate ist das Comeback jetzt her. Leider jedoch wird es als eine der größten Enttäuschungen in die jüngere Geschichte des Silicon Valley eingehen. Yang verpasste es nicht nur, das Ruder noch einmal herumzureißen – er wehrte sich auch noch mit Händen und Füßen gegen einen Exit, der zumindest ein respektables Ende bedeutet hätte.

Die Übernahme-Offerte von Microsoft war tatsächlich „generös“, wie Steve Ballmer sie bezeichnet hatte – erstaunlich generös für ein Dot.com-Unternehmen, das sich schon vor einem Jahr auf dem absteigenden Ast befand. Letzte Woche, bei gerade einmal noch 12 Dollar, bettelte Yang öffentlich förmlich um die Wiederaufnahme der Gespräche, die er noch vor einem halben Jahr in maßloser Überschätzung des wahren Wertes von Yahoo ausgeschlagen hatte.   

Sentimentaler Abschied: „Ich werde immer alles tun, was für dieses großartige Unternehmen richtig ist“

Dafür ist es nun zu spät – ebenso wie für die Fortsetzung der Geschäfte durch den inzwischen 40-jährigen Ex-Taiwanesen. „In diesem unsicheren Umfeld bin ich sicher die beste Person, die das Unternehmen führen kann“, hatte Yang noch vor wenigen Tagen gegenüber Analysten erklärt. Vielleicht stimmt das sogar.  Zu halten war der Yahoo-CEO nach dem größten strategischen Fehler in der Unternehmensgeschichte jedoch nicht mehr.

Retten dürfte diese Einsicht nämlich weder das Unternehmen noch die Aktionäre. Yahoo dürfte in einem Akt von Schadensbegrenzung nun an den meistbietenden Käufer gehen – und das kann mitten in der Finanzmarktkrise nur Microsoft mit seinem exorbitanten Cash-Polster sein.

Jerry Yang selbst bleibt nur noch, seinen Nachfolger auszusuchen, wie er im Offenen – und mitunter durchaus sentimentalen – Brief an die Mitarbeiter vor rund zwei Stunden erklärte: „Während dieser Schritt für uns alle eine Veränderung darstellt, weiß ich doch, dass er der richtige ist. Ich werde immer alles tun, was für dieses großartige Unternehmen richtig ist.“ Wäre Yang diese Erleuchtung doch ein halbes Jahr eher gekommen – in den Verhandlungen mit Microsoft…

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