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Sat.1-Umzug nach München fast sicher

Der Umzug des Senders Sat.1 von Berlin nach Unterföhring bei München steht so gut wie fest. Das bestätigten die Sat.1-Geschäftsführer Matthias Alberti und Thorsten Rossmann bei einer Betriebsversammlung des Senders am Dienstag in Berlin. Auf der Versammlung entlud sich der Zorn der Mitarbeiter vor allem gegen den Vorstand der Sendergruppe, der durch Abwesenheit glänzte. Der Betriebsrat sieht durch die Maßnahme hunderte Arbeitsplätze in Berlin in Gefahr. Für Donnerstag sind weitere Proteste angekündigt.

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Welche das sein würden, wollte der Betriebsrat noch nicht bekanntgeben. Nur so viel: Das Sat.1-Programm werde nicht für Protestkundgebungen genutzt. Betriebsräte und Mitarbeiter waren am Dienstag vor allem sauer, dass sich niemand aus dem Vorstand von ProSiebenSat.1 bei der Betriebsversammlung zeigte, um die schlechten Nachrichten zu überbringen. Die endgültige Entscheidung wird in einigen Tagen der Aufsichtsrat fällen. Aber, dass der Umzug kommt, steht laut den Sender-Chefs schon so gut wie fest. Rund 160 Leute arbeiten direkt bei Sat.1 in Berlin. Von dem Umzugsplänen werden wahrscheinlich aber auch Mitarbeiter von Tochterfirmen wie SevenOne Media und SevenOne Intermedia betroffen sein. Insgesamt arbeiten rund 600 bis 700 Leute für ProSiebenSat.1 in Berlin.

Am vergangenen Freitag protestierten bereits rund 400 Mitarbeiter auf dem Gendarmenmarkt in Berlin gegen die Umzugspläne. Der Betriebsrat schrieb dem scheidenden Konzernchef Guillaume de Posch in seiner Verzweiflung am gleichen Tag einen Brief, in dem der Verlust von möglicherweise hunderten Jobs in Berlin angeprangert wurde. Außerdem, so die Arbeitnehmervertreter weiter, könnte die Programmqualität leiden, da viele erfahrene Sat.1-Mitarbeiter nicht von Berlin nach München ziehen wollen.

Aber genau das dürfte ja das Kalkül der Sendergruppe sein. ProSiebenSat.1 steht unter massiven Druck. Der Konzern bekam von seinen Eignern Permira und KKR 3,7 Milliarden an Schulden aufgebürdet und ächzt unter drastischen Sparprogrammen und einem missratenen neuen Verkaufsmodell für Werbezeiten. Nach erneut miserablen Quartalszahlen sollen im nächsten Jahr laut „Spiegel“ weitere 100 Millionen Euro gespart werden. Ein Nachfolger für den zum Jahresende ausscheidenden Vorstandschef de Posch hat ProSiebenSat.1 auch noch nicht gefunden.

Blitzableiter für den Zorn der Mitarbeiter durften am Dienstag in Berlin die beiden Sender-Geschäftsführer Alberti und Rossmann spielen. Ein Verkauf des Nachrichtensenders N24, über den zwischenzeitlich auch spekuliert wurde, wurde hart dementiert. Auch soll laut Rossmann die Sat.1-Zentralredaktion in Berlin bleiben und möglicherweise mit N24 zusammengelegt werden. Rossmann und Alberti machten betretene Mienen. Laut Betriebsrat haben auch sie erst aus Presseberichten von den Umzugsplänen ihres Vorstandes erfahren.

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