Szenen einer Zwangs-Ehe

Mit Freundschaft wird das nichts mehr zwischen der „Bild“-Gruppe und Jürgen Klinsmann. Seit Jahren sind die Kontrahenten in inniger Feindschaft entzweit. Man kann nicht miteinander, aber irgendwie muss man ja auskommen. Der Fußball braucht die Medienmacht, die Medien brauchen die sportlichen Protagonisten. Dumm nur, dass Klinsmann das anders sieht. Der verweigert „Bild“ traditionell jeden Exklusivzugang […]

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Mit Freundschaft wird das nichts mehr zwischen der „Bild“-Gruppe und Jürgen Klinsmann. Seit Jahren sind die Kontrahenten in inniger Feindschaft entzweit. Man kann nicht miteinander, aber irgendwie muss man ja auskommen. Der Fußball braucht die Medienmacht, die Medien brauchen die sportlichen Protagonisten. Dumm nur, dass Klinsmann das anders sieht. Der verweigert „Bild“ traditionell jeden Exklusivzugang und schirmt jetzt auch die Profis immer mehr gegen die Medien ab. Für die Enthüller und Wühler an der Nachrichtenfront ist das ungefähr so wie wenn man einem Tiefseetaucher die Sauerstoffflasche wegnimmt. Zuletzt sperrte Klinsmann sogar „Sportbild“-Reporter Raimund Hinko von seinen Pressegesprächen aus. 
Damit ahndete Klinsmann den Dauer-Beschuss des Springer-Blatts, unter dem er seit Wochen steht. „Ruck, zuck ist er weg“ wurde schon getitelt, als er beim FC Bayern noch gar nicht angetreten war. Auch Headlines wie „Klinsmann teuerster Lehrling der Welt“ oder „Bayern in der Klinsi-Falle“ erwecken nicht den Anschein übergroßer Objektivität. Klar, dass man nach der Aussperrung des eigenen Reporters nachlegt. Klinsi, so heißt es in der neuen Ausgabe, habe im Punkte-Durchschnitt prozentual mehr verloren als die CSU bei der Landtagswahl. Gibt es ein sichereres Zeichen, dass der Abstieg naht? 
Auch Reporter Hinko, bei „Sportbild“ Mitglied der Chefredaktion, darf weiter machen. „Samstag geht’s nicht nur um Klinsmanns Zukunft“ ist sein Bericht übertitelt. „Es herrscht Frost“ an der der Säbener Straße, heißt darin, und Klinsmann reiße „täglich ein Stück mehr Macht an sich.“ Alles natürlich knallhart recherchiert von Raimund Hinko, der sich in den Jahrzehnten seiner Zeit als Bayern-Reporter den Ruf einhandelte, beim FC Hollywood mehr als nur eine Beobachterrolle inne zu haben. 
Was Hinko nicht schreibt: Gegen die Veröffentlichung des Millionen-Vertrages von Profi Bastian Schweinsteiger in der letzten „Sport-Bild“-Ausgabe hat der Klub eine strafbewehrte Unterlassungserklärung erwirkt. Fünf Artikel zu diesem Thema sind auch bei Sportbild.de nicht mehr zu finden, sogar die Titelseite der Ausgabe wurde nachträglich geändert. Dafür findet sich aktuell wieder eine News zum Trainer: „Klinsmann: Schon in Top 3 bei Rauswurf-Quoten“ … 
Übrigens: Offenbar sind Fans und Leser etwas schwer von Begriff. Bei dem von „Sport-Bild“ abgedruckten Ergebnis einer repräsentativen Umfrage zum Thema „Halten Sie die Kritik am Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann für berechtigt?“ stimmten nur 37,5 Prozent zu. 52,7 Prozent antworteten: „Nein“.

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