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Ex-„Tagesschau“-Chef unter Stasi-Verdacht

Der ehemalige Chefredakteur von ARD-Aktuell, Bernhard Wabnitz ist unter den Verdacht geraten, bis 1987 für den DDR-Geheimdienst Stasi als verdeckter Mitarbeiter tätig gewesen zu sein. Laut der Birthler-Behörde gibt es Indizien, die darauf hindeuten, dass Wabnitz als IM "Junior" vor allem Berichte für die Stasi über die Katholische Kirche und die CSU anfertigte. Wabnitz , derzeit für die ARD als Korrespondent in Rom, bestreitet die Vorwürfe. Nicht der erste Stasi-Verdacht beim Sender.

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Bei dem MDR-Moderator Ingo Dubinski sorgte eine Zusammenarbeit mit der Stasi in jungen Jahren 2001 für einen Karriere-Knick. Der bisher prominenteste Fall war der des früheren ARD-Sportkoordinators und designierten Sportchefs Hagen Boßdorf. Im Falle von Boßdorf musste Ende 2006 und Anfang 2007 einiges zusammenkommen, bis die ARD Konsequenzen ergriff. Erst als bekannt wurde, dass Boßdorf aktiv eng mit der Stasi kooperiert hatte, wurde seine Beförderung zum Sportchef ausgesetzt, Sportkoordinator sollte er trotzdem bleiben. Als dann noch ein Schleichwerbeskandal (Becel-Margarine) dazukam, konnte aber selbst die geduldige ARD ihn nicht halten und verlängerte seinen Vertrag nicht.

Der neue Verdachtsfall gegen den Ex-ARD-Aktuell-Chef Wabnitz berührt die ARD tief, denn Wabnitz saß an der Schaltstelle aktueller politischer Berichterstattung. Wabnitz wehrt sich auch anwaltlich gegen die Vorwürfe wissentlich gegen für die Stasi gearbeitet zu haben. Er hat bereits eine entsprechende Eidesstattliche Erklärung abgegeben. Es gibt zwar zahlreiche Übereinstimmungen zwischen der Biografie des Stasi-Mitarbeiters IM „Junior“ und Wabnitz, Beweise sind diese Indizien aber nicht. So haben Wabnitz und „Junior“ den gleichen Geburtstag, waren beide als Journalisten beim Bayerischen Rundfunk, sprechen beide Italienisch. Hans Leyendecker weist in der „Süddeutschen Zeitung“ darauf hin, dass solche Indizien vor Gericht bislang stets nicht beweiskräftig waren. Auch gegen Hagen Boßdorf wurde wegen mangelnden Beweisen keine Anklage erhoben.

Zeitgleich mit dem neuen Stasi-Verdacht gegen den früheren „Tagesschau“-Chef Wabnitz präsentierte die ARD ihre Stasi-Studie „Operation Fernsehen“ als Buch in Berlin. Der Senderverbund hatte die Studie 2002 in Auftrag gegeben, um eventuelle Stasi-Aktivitäten in der ARD zu untersuchen. Als die Studien-Ergebnisse 2004 erstmals präsentiert wurden, sagte der ehemalige WDR-Intendant Fritz Pleitgen stolz und etwas voreilig, es sei „definitiv nicht gelungen, die ARD zu unterwandern.“ Auf den Verdacht gegen Wabnitz angesprochen, sagte Pleitgen: „Ich hoffe für den Kollegen, dass es sich um eine Abschöpfungsmaßnahme handelte.“ Bei einer so genannten „Abschöpfungsmaßnahme“ hat die Stasi Personen belauscht und deren Aussagen dokumentiert und sie als inoffizielle Mitarbeiter ohne deren Wissen mit Decknamen in Akten geführt. IM „Junior“ wird in der Studie und dem Buch nur einmal erwähnt. Seine Identität bleibt im Dunkeln.

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