Wie Facebook mein Leben veränderte

Facebook ist das weltweit am schnellsten wachsende Social Network. In Deutschland haben StudiVZ, Wer-kennt-wen und die Lokalisten zwar noch einen Riesenvorsprung. Doch die auf dem Campus von Harvard gegründete Community gewinnt auch bei uns immer mehr Fans. Aufregender als Xing, weltläufiger als die VZ-Netzwerke, eine Site, die süchtig macht, sagen fortgeschrittene Nutzer. Für MEEDIA beschreibt Kim Ranel, wie Facebook ihr Leben veränderte.

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Kim is writing a story about Facebook

Wen das interessiert? Vermutlich keinen, aber darum geht’s am Ende ja auch gar nicht. Ich weiss ja auch, dass Jan gerade lunchen, Lisa bei der Arbeit ist und mein Ex „is falling“ – was immer das heißt. Und so sitze ich hier und wünsche Jan einen guten Appetit, Lisa einen stressfreien Tag und frage mich, ob mein Ex einen Kater hat, Fallschirmspringen ist oder sich gerade frisch verliebt hat und alles nur weil er diesen einen Satz in das „Was machts Du gerade“ Fach bei FACEBOOK eingetragen hat. Vor 9 Stunden übrigens. Steht da nämlich auch. Wie gesagt, braucht eigentlich kein Mensch. Ich könnte ihn ja auch anrufen. Aber dazu hab ich gerade keine Zeit. Denn:

Kim is thinking about Facebook

Vor sechs Monaten sprach nur die Tochter meiner Cousine davon und die ist 17 und lebt in England. Natürlich kommunizieren die Teenies über alle möglichen Netz-Kanäle. Aber ich? Ich bin Premium-Mitglied bei XING (obwohl ich noch immer nicht weiss, wie man das richtig ausspricht). Das heisst, ich kann sehen, wer auf meine Seite geht. Ich sags nur nochmal.

Aber FACEBOOK? So hip bin ich nicht, dachte ich. Braucht eh kein Mensch, fand ich. Und dann war FACEBOOK der einzige Google-Link zu einem ganz alten Freund von mir, von dem keine alte Nummer mehr stimmte. Was sollte ich machen? Ich wurde Mitglied und wir haben heute wieder Kontakt. Ich weiß, wie sein Garten aussieht, wie der Blick aus seinem Schlafzimmerfenster ist und wie er selbst heute aussieht und wir haben uns noch immer nicht wiedergesehen – alles dank der Fotos und Videos, die er ins Netz gestellt hat.
Ich war also infiziert mit dem FACEBOOK-Virus.
Es ist erstaunlich, wieviel Zeit man in dieser Welt verbringen kann. Hier mal auf ein Foto geschaut, da mal in die Freundesliste geschielt. Guck mal, den kenn ich auch!
Ich glaube, ich habe bis heute nicht alle Funktionen verstanden. Neulich bekam ich erst eine Torte ins Gesicht (danke nochmal, Peter) und dann von Lisa ein Paar virtuelle Schuhe geschenkt. Wozu das nun wieder gut ist? Keine Ahnung, aber sie waren echt sexy!
Und dabei fällt mir ein:

Kim still needs a new dress for her best friends  wedding!

Warum ich das auf englisch schreibe? Machen alle so, meistens – und mal ehrlich, wie sollen Kerri in New York, Chris in Tampa oder Kurt in Seoul denn sonst wissen, was mich gerade beschäftigt? Denn das ist in der Tat, der wohl größte Reiz bei FACEBOOK, es verbindet die ganze Welt. Und so kann jeder jeden seiner Freunde überall auf der Welt über das informieren, was ihn oder sie gerade bewegt.
Das ist oft, wie schon gesagt, nicht sonderlich spektakulär – Christoph ist wieder in der Stadt, muss aber arbeiten, sehe ich gerade und Nicky sitzt in Wien und kann nicht mehr, schreibt er – aber irgendwie liest man es trotzdem und nimmt so zumindest ein wenig Anteil am Leben seiner Freunde. Egal, wo sich diese gerade befinden. 110 Millionen Menschen nutzen Facebook inzwischen. Das sind viele.
Und täglich werden es mehr.

Kim und Pia sind jetzt Freunde

Meine Schwester ist seit letztem Sonntag dabei. Dreimal hatte ich ihr eine Einladung geschickt und sie fands doofe Zeitverschwendung. Nun hat sie selbst einen Account und war kaum wegzubekommen von meinem Rechner. „Guck mal, der findet unsere alte Schule auf Anhieb und sortiert nach allen, die da auch waren. In meinem Jahrgang! Toll!“.
Wusste ich auch nicht, dass das geht.
Bevor sie an dem Abend ins Flugzeug nach Hause stieg, sagte sie: Ich habe Dich übrigens angestupst“ – und ich wusste, sie ist angekommen in der FACBOOK-Welt.
So, ich muss langsam mal fertig werden, denn:

Kim is going out on a date tonight

Immer ein Kracher, so eine Zeile – da bekomm ich ruckzuck meine virtuelle Pinnwand vollgeschrieben. Die gibt’s nämlich auch. Und da darf jeder, mit dem ich verbunden bin, draufschreiben, meine Fotos kommentieren (wenn ich schon welche online hätte) oder eben meinen derzeitigen Gefühlszustand-Zustand diskutieren. 8 Kommentare habe ich bekommen in den letzten 5 Minuten. Aber – das könnt ihr alle fein vergessen!

Kim is not telling anybody anything!

Aber trotzdem irgendwie schön, zu wissen, dass all die Menschen da draußen nun einen Moment lang an mich gedacht haben.
Was mich zurück zu meinem Ex bringt. Der ist tatsächlich verliebt. Hat er mir eben persönlich erzählt. Ich hab ihn nämlich angerufen. Und das Grinsen in seiner Stimme, das wird mir keine Internet-Community der Welt je zeigen können.
Reale Gespräche wird Facebook eben nie ersetzen können, aber es erinnert einen daran, diese zu führen.  Und deshalb komm ich immer wieder her. Vermutlich schon morgen. Oder vielleicht später – über den Blackberry vom Damenklo. Facebook gibt’s schließlich auch mobil, falls ich mal schnell erzählen muss, wie es so läuft mit meinem Date..
 
Kim is logging off – for now…

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