Warum die Börse Krisen-Cover liebt

Krise, Krise, Krise: Es gibt in diesen Tagen kein Nachrichtenmagazin, das sich nicht mit Börsenbeben beschäftigt. Die Töne werden immer schriller: "Der Börsen-Crash: Gefahr für uns alle", titelte etwa der "Focus" gestern. "Not! Halt!", schrie der "Spiegel" vor zwei Wochen. Keine Frage: Es sind schlimme Zeiten. Doch die Geschichte lehrt: Wenn die Hysterie in den Medien den Höhepunkt erreichte, war das Ende der Krise nicht fern. Das nämlich ist das Geheimnis des "Titelseiten-Indikators"...

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„Ist es auf dem Cover des ‚Time Magazines‘, ist es vorbei“, lautet eine alte Börsenweisheit, auf die seit Jahrzehnten als Kontraindikator Verlass ist. Etwa im Bärenmarkt der 70er-Jahre. „The Death of Equities“ titelte die „BusinessWeek“ nach einem Jahrzehnt der Verluste am 13. August 1979.  Das Gegenteil jedoch war der Fall. Es dauerte zwar noch ein paar Jahre, doch spätestens ab 1982 sollte der größte Bullenmarkt der Geschichte beginnen.

2000 dann die Kehrseite der Medaille: „Reich mit Aktien“ schlagzeilte die „Bild-Zeitung“ im Februar. Das war bekanntermaßen wenige Wochen vor dem Ende der Millenniumshausse, als mancher Kellner schon die neusten Kursnotierungen am Neuen Markt stündlich per Kreide aktualisierte.

Das Ende ist bekannt – aber auch dieses, drei Jahre später. „Kaufen, wenn Aktien teurer sind„, wollte die Online-Ausgabe des manager-magazins am 7. März 2003, also exakt drei Jahre nach dem vorläufigen Höhepunkt, auf keinen Fall zum Einstieg blasen:  „Der zäheste Bärenmarkt seit der Weltwirtschaftskrise hat viele Ursachen und lehrt Zurückhaltung: Tiefkurse reizen zum Einstieg, sind aber keine Kaufkurse.“ Dabei wären sie genau das gewesen: Kaufkurse – und zwar als historischer Tiefpunkt dieses Jahrzehnts an just jenem Tag. Stattdessen sollte der Dax in den folgenden vier Jahren eine wundersame Rallye von 2200 Punkten auf neue Allzeithochs bei 8156 Zählern hinlegen.

Was also sagt uns die Historie über den gegenwärtigen Zustand des Marktes? Die Titelbilder jedenfalls sprechen eine klare Sprache. „Not! Halt!„, titelte der „Spiegel“ vor zwei Wochen mitten im Börsencrash. Den Ball wollte der „Focus“ nicht an sich vorbeiziehen lassen. „Der Börsen-Crash: Gefahr für alle„, warnt das Münchner Nachrichtenmagazin heute. Und auch die „Wirtschaftswoche“ wollte dem in nichts nachstehen: Vom dramatischen „Notfallplan für die Wirtschaft“ war am Samstag die Rede.


Am Montag nun auch noch Veränderungen bei „Spiegel Online“: Über der eigentlichen Topstory – dezent zwar, aber doch unübersehbar – wurde ein neues Element platziert: das „Märkte Update“, das über die drei wichtigsten Notierungen informiert – über den Dax, den Dow und den Euro-Kurs. Links zu „allen News zur Finanzkrise“ und zum „Krisenticker“ gibt es auch noch. Passend dazu die Aufmacher-Story über die angedeutete Zinssenkung der EZB.

Mehr Krise geht nicht! Wenn der Titelseiten-Indikator etwas wert ist, dann erleben wir in diesen Tagen den Gipfel der Börsenkrise. Im Umkehrschluss bedeutet das auch, dass der Kontraindiktor „schlechte  Nachrichten“ seinen Höhepunkt erreicht haben könnte. Wie war das noch? Kaufen, wenn die Kanonen donnern…

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