Josef D.’s dubioses Rotlicht-Schnäppchen

Ein Grundstück in bester Lage, eine Immobilie mit Luxus-Apartments und unverbaubarem Blick auf den Hamburger Hafen: Josef Depenbrock, Chefredakteur und Geschäftsführer der "Berliner Zeitung", hat sich im Hamburger Szene-Stadtteil St. Pauli ein Traumobjekt gesichert. Der Haken: Der 47-Jährige kaufte das Rohbau-Objekt mit Partnern von einer stadtbekannten Rotlicht-Größe zum Schnäppchenpreis von angeblich sechs Millionen Euro.

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Als Geschäftsführer und wichtigster Gesellschafter der Grundstücksverwaltungs-Firma JIN fädelte Depenbrock 2006 einen Deal ein, der seit der Veröffentlichung durch das „Hamburger Abendblatt“ nicht nur in Hamburg Gesprächsthema ist. Verkäufer der Immobilie ist Burim Osmani, Angehöriger eines Familien-Clans, der es im Rotlichtbezirk zu Macht und Reichtum gebracht hat. Der Bundesnachrichtendienst rückte die vier Brüder der Familie in die Nähe von Prostitution, Drogenhandel und organisierter Kriminalität. Insider sprechen mit Blick auf St. Pauli auch vom „Osmanischen Reich“.
Zur Zeit des Verkaufs, der im Januar 2007 abgeschlossen wurde, saß Burim Osmani in Untersuchungshaft und brauchte offenbar Geld. Im Prozess, in dem er zu einer langen Haftstrafe verurteilt wurde, sprach der „Geschäftsmann“ davon, die im Bau befindliche Immobilie sei für die Hälfte ihres Wertes „verramscht“ worden. Osmani musste damals offenbar im Zuge des Gerichtsverfahrens 24 Millionen Euro aufbringen, weshalb er seinen Immobilien-Besitz veräußerte.

Zu der Käufergemeinschaft gehört auch der Herausgeber der „Hamburger Morgenpost“, Ernst Barlach. Depenbrock stuft den Vorgang als „Privatsache“ ein und versteht die Aufregung nicht: Es sei doch egal, welche Eigentümerstruktur beim Verkauf vorgelegen habe, teilte er dem „Hamburger Abendblatt“ und lud die Reporter zur Besichtigung ein: „Der Blick vom obersten Stockwerk ist atemberaubend.“
Die „Hamburger Morgenpost“, bei der Depenbrock als Herausgeber und Geschäftsführer wirkt, zitiert ihn heute so: „Zum Zeitpunkt des Erwerbs hatten sich viele Investoren um Immobilien von Burim Osmani bemüht. Wir wollten dieses einzigartige Grundstück am Hafen und haben es bekommen. Ich bin überrascht, dass sich nun Moralapostel zu Wort melden, wo es sich doch nur um ein Grundstück handelt. Aus meiner Sicht ist es eher gut, dass das Objekt jetzt verlässlich und solide fertiggestellt wird.“ Depenbrock will wie Barlach in die Berichterstattung der „Mopo“ über den Osmani-Clan nie eingegriffen haben.
Der Selfmade-Millionär gilt als ausgesprochen geschäftstüchtig. Durch den Verkauf der „Morgenpost“ an die Mecom-Gruppe Montgomerys wurde Depenbrock reich. Er ist am Magazin „Cash“ beteiligt und am Kreuzfahrt-Magazin „Azur“. Sollte der Bauherr zur Ortsbesichtigung in der Bernhard-Nocht-Straße 1 – 3 vorfahren, dürfte er durchaus ins gewohnte Straßenbild passen: Josef Depenbrock steuert privat eine Corvette Cabrio. Der 70.000 Euro teure US-Sportwagen ist auch bei einflussreichen Herrschaften im nahen Rotlichtbezirk ausgesprochen beliebt.

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