Kein Platz mehr im People-Regal

Kaum ein anderes Zeitschriften-Segment war in den vergangenen Jahren so in Bewegung wie das der People-Weeklies. Zu den Platzhirschen "Bunte" und "Gala" gesellten sich seit 2005 mit "InTouch", "In", "Vanity Fair" und zuletzt "Life & Style" und "OK!" gleich fünf neue Titel. Die IVW-Auflagen lassen oberflächlich betrachtet die Vermutung zu, dass noch viel Platz im Segment ist - ein genauerer Blick zeigt aber: Der Markt scheint gesättigt, ein Verdrängungswettbewerb läuft.

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Sieben der acht Genre-Vertreter, neben den sieben im Vorspann genannten darf natürlich auch die „Super Illu“ nicht vergessen werden, lassen ihre Auflagen von der IVW ausweisen, einzig Bauers „Life & Style“ scheut sich noch ein wenig vor der Veröffentlichung der Zahlen. Die sieben Magazine verkauften sich laut IVW im dritten Quartal insgesamt 2,56 Mio. mal – ein Plus von fast 7% gegenüber dem dritten Quartal 2007. Damals waren es noch 2,39 Mio. Hefte pro Woche. Zieht man nun die 178.291 verkauften Exemplare des IVW-Neizugangs „OK!“ ab, haben die anderen sechs Titel nahezu nichts verloren. Hat der Markt also doch noch Platz? Und findet mit jeder Neugründung eine Markterweiterung statt, die den existierenden Titeln nicht schadet?

Ein Blick auf die harte Auflage, also die bewusst am Kiosk oder per Abo gekauften Zeitschriften ohne Bordexemplare, Lesezirkel und sonstige Verkäufe, macht einen Strich durch diese Rechnung. Addiert man die Auflagen aus Einzelverkauf und Abonnements, so wurden im dritten Quartal 1,92 Mio. Exemplare pro Woche abgesetzt. Ein Jahr zuvor waren es ebenfalls 1,92 Mio. Trotz der hinzu gekommenen 130.089 „OK!“-Hefte ist der People-Markt also überhaupt nicht gewachsen, die „OK!“-Auflage ging den anderen sechs Blättern abhanden. Am deutlichsten büßte dabei „in“ ein – dort gingen 33.343 der im Vorjahr per Abo und Einzelverkauf abgesetzten 229.863 Hefte verloren. Insgesamt sieht der People-Markt nun so aus:

Offensichtlich haben die Deutschen also trotz neuer Titel keine Lust, mehr People-Blätter zu kaufen. Für jede „OK!“ haben sie im Durchschnitt einen Konkurrenten weniger gekauft. Jedem Verlag, der Pläne hat, weitere Magazine in das Segment zu drängen, sollte also bewusst sein, dass ein harter Verdrängungskampf im Gang ist und die Lust auf neuen Klatsch und Tratsch zumindest im Zeitschriftenmarkt endlich scheint. Gegen die relativ großen Verluste bei Kiosk- und Aboauflage haben die Verlage im Übrigen eine Erhöhung der Bordexemplare gesetzt. So sehen die Minuszeichen der gesamten IVW-Auflage dann nicht mehr ganz so schlimm aus und im Fall von „Vanity Fair“ wurde mit Hilfe des Auflagendopings aus einem kleinen Minus sogar ein fettes Plus.

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