Holtzbrinck: Aus für StudiVZ-Chef Riecke

Kurz vor elf Uhr platzte die Bombe: „Marcus Riecke, CEO von studiVZ Ltd., verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch mit sofortiger Wirkung“. Soweit die offizielle Pressemitteilung. Ob Riecke nun gefeuert wurde oder selbst das Handtuch warf, ist aktuell noch unklar. Sein Nachfolger wird "kurzfristig" Vize Clemens Riedl. Der langjährige Holtzbrinck-Manager gilt als Vermarktungsexperte und wechselte erst im August vom Tagesspiegel zur VZ-Gruppe.

Anzeige

Mit der Wahl des Nachfolgers setzt die Verlagsgruppe Holtzbrinck ein klares Zeichen: Es wurde ein Mann ausgewählt, der sich im Unternehmen gut auskennt, bestens verdrahtet ist, vom Internet wenig Ahnung hat, dafür aber viel von Zahlen, Umsätzen und Vermarktung versteht. Schon seit längerer Zeit war man in der Stuttgarter Konzernzentrale schon unzufrieden mit der schleppenden Umsätzen seiner Berliner VZ-Tochter.

Bislang lieferte die Community zwar immer beeindruckende Steigerungsraten bei den Mitgliederzahlen, doch die Umsätze hinken massiv hinterher. In der sich anbahnenden Medienkrise reicht es dem Mutterkonzern wohl nicht mehr, nur die Reichweite zu erhöhen. In der Bilanz für 2008 wollen Stefan von Holtzbrinck und sein Vize Jochen Gutbrod wohl wenigstens eine schwarze Null sehen.

Vor rund zwei Jahren kaufte das Verlagshaus das damalige Start-up StudiVZ für geschätzte 85 Millionen Euro. Laut IVW erreichte StudiVZ im September 158 Millionen Visits, die über 4,4 Milliarden Klicks produzieren. Die Tochter-Portale SchuelerVZ und MeinVZ kam auf 5,7 Milliarden Page Impressions und 134 Millionen Besucher, bzw. 1,3 Milliarden PIs nd 45,5 Millionen Unique Visitors.

Seit seinem Amtsantritt im Sommer 2007 machte der ehemalige Ebay-Manager Riecke eine unglückliche Figur. Zuerst geriet er bereits im Herbst vergangenen Jahres wegen seiner schlechten Krisen-Kommunikation in die Kritik. Beim Versuch die AGBs von StudiVZ zu ändern, stellte er sich höchst ungeschickt an. Anfang 2008 ging die Pannenserie weiter: Facebook reichte in Kalifornien Klage gegen StudiVZ ein. Die letzten negativen Schlagzeilen gab es im August 2008, weil StudiVZ rund eine Milliarde Klicks verlor. Grund hierfür war zwar eine Umstellung der Plattformtechnik auf ein Ajax-System. Trotzdem wurde der Klick-Einbruch schnell mit dem Namen Riecke in Verbindung gebracht.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige