Blackberry-Hersteller reif für Übernahme?

Über Jahre hinweg war der Blackberry das Maß aller Dinge in der Geschäftswelt: Das Smartphone war schick, benutzerfreundlich und internettauglich. Obwohl sich daran nichts geändert hat, mehren sich für den kanadischen Hersteller Research in Motion (RIM) die Probleme: Das iPhone ist die erwartet große Konkurrenz, die Finanzkrise trifft RIM mit seinen Geschäftskunden überproportional – die Aktie befindet sich im freien Fall.

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Vielleicht ist Lars Hinrichs so etwas wie der Seismograph unserer Zeit. Der omnipräsente Xing-Gründer, der über Twitter ein ums andere Mal die Vorzüge des Blackberry lobte, hat die Seiten gewechselt. „After 13 yrs of being vodafone customer i’ll switch to T-mobile to get an Iphone. The Iphone OS will become the superior standard of mphones“, twitterte der Xing-Vorstand vor rund einem Monat. Just davor hatte Hinrichs eine überraschende Entscheidung getroffen: „Went to local Vodafone shop and bought the blackberry BOLD and returned it 10 min later without any problems. It didnt feel good, strange.“

So geht es wohl derzeit einigen Kunden, die vor der Frage stehen, welches Smartphone sie erwerben wollen. Mehr als sechs Millionen Kunden griffen im vergangenen Quartal noch zum Blackberry – eine beeindruckende Quote, wenn man berücksichtigt, dass der kanadische Handyhersteller noch vor zwei Jahren gerade mal eine Million Geräte pro Quartal an den Mann bringen konnte.

Doch das iPhone holt auf – und das im ganz großen Stil. Mit Spannung blicken Anleger heute Abend bei Vorlage der Quartalszahlen des Kultunternehmens aus Cupertino auf die iPhone-Absätze. Bis zu 5 Millionen Stück des 3G-Modells könnten zwischen Juli und September bereits verkauft worden sein. Keine Frage: Apple sitzt dem Smartphone-Platzhirsch bereits dicht im Nacken

Skeptische Analysten: Rezessions-Umfeld wird eingepreist

Und der Ärger könnte tatsächlich erst beginnen. Relativ überraschend hat der kanadische Handyhersteller Ende September die Analystenschätzungen verfehlt – wenn lediglich um einen Cent. Doch der kam dem an der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq gelisteten Unternehmen teuer zu stehen: Seitdem hat sich die Aktie fast halbiert – seit Juni gingen gar zwei Drittel der Bewertung verloren.

Und die Analysten bleiben skeptisch: Erst gestern schickten kritische Äußerungen die Aktie auf ein neues 52-Wochentief, nachdem der Vermögensverwalter Morgan Keegan die Umsatzschätzungen für die nächsten beiden Geschäftsjahre zurückgenommen hatte. Statt eines Wachstums um 92 bzw. 70 Prozent in 2009 und 2010 erwartet Morgan nun „nur“ noch Zuwächse von 84 bzw. 56 Prozent. „Unsere Schätzungen sind ein Versuch, das Rezessions-Umfeld in RIMs Bilanz einzupreisen“, erklärten die Analysten in der Studie.

Angesichts des ermäßigten Kursniveaus sieht so aus, als hätte der Markt das bereits getan.  Bei gegenwärtig 54 Dollar wechselt die RIM-Aktie nur noch mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 den Besitzer – wohlgemerkt: Auf Basis des laufenden Geschäftsjahres, das Ende Februar endet. Das 2009er-KGV beträgt gar nur erstaunliche 11!

RIM plötzlich günstig zu haben: Bieten Microsoft, Apple oder Nokia?

Für den renommierten Technologieanalysten Henry Blodget ist das viel zu wenig: „Angesichts der erwachsenden Konkurrenz von Apples iPhone und Google G1 macht eine Multiple von 15 bis 20 weitaus mehr Sinn als ein KGV von mehr als 40, mit dem die Aktie lange Zeit gehandelt wurde“, erklärt Blodget auf seinem Portal Alley Insider. „RIMs Margen werden zwar in der Zukunft zusammenschmelzen, wenn sich das Unternehmen mehr auf den Massenmarkt zubewegt, allerdings sehe ich RIM nicht plötzlich in die roten Zahlen abstürzen oder komplett einbrechen“.

Diese Gedanken dürften sich wohl auch einige zahlungskräftige Rivalen machen, die derzeit an Planspielen für eine mögliche Übernahme sitzen könnten. „Tatsächlich glauben wir, dass RIM gekauft wird“, folgert Blodget. „Nokia, Apple, Microsoft, Google, HP, Dell oder Cisco sind die möglichen Käufer“. Weitaus besser zu finanzieren wäre ein solches Vorhaben inzwischen: Während es RIM auf dem Gipfel bei knapp 150 Dollar je Aktie noch auf eine Börsenbewertung von 85 Milliarden Dollar brachte, ist der Blackberry-Hersteller vier Monate später an der Börse nur noch knapp 30 Milliarden Dollar wert – ein Niveau, das selbst bei einem entsprechenden Übernahme-Premiumaufschlag von den Technologie-Schwergewichten relativ problemlos gezahlt werden könnte.

Doch ob RIM selbst so schnell zu einer Übernahme zu bewegen würde, erscheint eher unwahrscheinlich, glaubt etwa die „Businessweek“. „Die Übernahme wäre feindlich, und kanadischer Stolz stünde ihm auch im Wege“, folgert das renommierte Wirtschaftsmagazin mit Blick . „Warum sollten Aktionäre bei 50 Dollar je Anteilsschein verkaufen, wenn das Papier drei Monate zuvor noch bei 150 notiert hatte?“

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