Reich-Ranicki rudert bei Werbung zurück

Der Skandal um Marcel Reich-Ranicki und seine Ablehnung des Deutschen Fernsehpreises war gerade am abklingen, da nutzt der große alte Mann der deutschen Literaturkritik die Gelegenheit und macht Kasse mit Werbung. MRR hat sich für eine Anzeige zur Verfügung gestellt, mit der die Telekom für ihr IPTV-Angebot Entertain wirbt. Zeile: "Bei uns findet jeder ein Fernsehprogramm, das ihm gefällt." Inzwischen bezeichnet Reich-Ranicki die Anzeige als Missverständnis.

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Im Gespräch mit dem Radiosender Bayern 3 sagte der Literturkritiker: „Ich habe gar nicht gewusst, um was es geht, die haben es ein bisschen undeutlich gesagt. Das war eine einmalige Sache als Ergebnis eines Missverständnisses!“ Außerdem habe er bei seiner Wut-Rede nicht das komplette Fernsehprogramm kritisieren wollen, sondern lediglich die Preisverleihung.

Nicht nur die Telekom ist auf die Idee gekommen, mit Reich-Ranickis Wut-Ausbruch zu werben. Die Billigflieger texteten zu dem Reich-Ranicki-Bild: „Diesen Preis nehme ich an.“ Gemeint war freilich der billige Flugpreis der Ryan Air. Diese Werbung hatte MRR himself als „großen Quatsch“ abgekanzelt. Ryan Air hat das Foto offenbar ohne Einwilligung verwendet. Die Telekom zahlte dagegen für die Nutzung seines Fotos und schloss einen Vertrag, wie Telekom und Reich-Ranickis Künstler-Agentur Special Key bestätigten. Über die Höhe des Entgelts schweigt man sich aus. Die Telekom-Werbung mit dem Groß-Kritiker wurde erstmals in der „Bild am Sonntag“ geschaltet. Die Kampagne läuft aber noch weiter in überregionalen Tageszeitungen. Auf die Idee dazu kam die Telekom-AgenturTribal DDB.

Auslöser war, dass Marcel-Reich-Ranicki bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises die Auszeichnung für sein Lebenswerk ablehnte. Er begründete dies damit, dass er sich bei der Preisverleihung stundenlang unterträglichen „Blödsinn“ habe anschauen müssen und die ausgezeichneten Beiträge eine „erbärmliche“ Qualität aufwiesen. Am vergangenen Freitag strahlte das ZDF eine Sondersendung mit Reich-Ranicki und Thomas Gottschalk aus, in der die beiden über die Qualität des Fernsehens parlierten – wie erwartet ohne konkretes Ergebnis.

Der Fernsehpreis-Eklat verursachte auch Kollateralschäden. Weil Reich-Ranicki-Freundin Elke Heidenreich in der „FAZ“ seiner Pauschal-Kritik allzu eifrig beipflichtete und nebenbei noch ihren Arbeitgeber ZDF und Thomas Gottschalk beleidigte, ist sie nun wohl ihre Büchersendung „Lesen!“ im ZDF los. Derzeit ist unklar, ob Heidenreich überhaupt noch die zwei ausstehenden „Lesen!“-Sendungen in diesem Jahr präsentieren wird. Sie sagte in ihrem Artikel, sie schäme sich für das ZDF und bezeichnete Gottschalk als unscharmant, unwitzig und unintelligent.

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