Abu Dhabis twofour54: Medienpalast am Golf

Diese Woche präsentierte das arabische Emirat Abu Dhabi der Weltöffentlichkeit seinen neuen Medien-Komplex twofour54. Das ehrgeizige Projekt soll die arabische Medien- und Kulturszene beleben und die Heimstätte für globale Investoren aus der Medienbranche im Mittleren Osten werden. CNN und BBC haben sich bereits ihren Platz am Persischen Golf gesichert. Die Film- und Sendezentren sollen auch den arabischen Mediennachwuchs schulen.

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Die Vereinigten Arabischen Emirate sind seit Jahrzehnten die Region der Superlative. Allein das Emirat Abu Dhabi verfügt über zehn Prozent der weltweiten Ölreserven. Das Pro-Kopf-Einkommen seiner Einwohner ist mit rund 63.000 US-Dollar das dritthöchste der Welt. Die abudhabische Medienszene hingegen ist allerdings keinen Superlativ wert. Das soll sich jetzt ändern. Twofour54 nennt sich das ambitionierte, milliardenschwere Projekt, dessen Name für die geographischen Daten von Abu Dhabi steht.

Seine Hoheit Mohammed Bin Zayed Al Nahyan, Kronprinz von Abu Dhabi, will mit dem neu geschaffenen Medienkomplex nicht mehr und nicht weniger als das wichtigste und fortschrittlichste Medienzentrum des Mittleren Ostens aufbauen. Damit wagen die Vereinigten Arabischen Emirate einen weiteren Schritt aus der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Tony Orsten, CEO von twofour54, bestätigt diese Vermutung: „Wir sehen Abu Dhabi im Jahr 2030 als regionales Zentrum für Kultur mit einer Welthauptstadt als Dreh- und Angelpunkt.“

Prominente Unterstützung

In dem am Sonntag eröffneten Abu Dhabi Media Park sollen zukünftig Medieninhalte jeglicher Art produziert und angehende Medienschaffende ausgebildet werden. Dazu gliedert sich twofour54 in vier Bereiche: Tadreeb, die Akademie, in der Einsteiger und Berufstätige sich in den Feldern Fernsehen, Rundfunk und Neue Medien ausbilden lassen können, Ibtikar, das sich um die Finanzierung von Start-Ups kümmert, Intaj, einem Komplex für Film- und Fernsehproduktionen sowie Tawasol, einem Rundum-Service für die zukünftigen Bewohner des Medienparks, der von Amtsgängen bis zur Hausreinigung alles übernimmt. In dieser fürstlichen Umgebung haben sich schon gleich mehrere Global Player niedergelassen.
CNN wird einen Teil des 200.000 Quadratmeter umfassenden Medienparks nutzen, um nach Atlanta, London und Hongkong im Mittleren Osten sein viertes globales Sendezentrum aufzubauen. Außerdem will die Verlagsgruppe Random House eine Dependance aufbauen, und die Rotana Studios, die dem saudischen Milliardär Prinz Al Waleed bin Talal gehören, bereiten eine zwölfteilige Filmreihe vor.

Ohne fremde Hilfe geht es nicht

Schon größentechnisch ist twofour54 mit 200.000 Quadratmetern Betriebsfläche eine Konkurrenz für andere Medieninstitutionen im Mittleren Osten, wie beispielsweise Dubai Studio City, IMPZ und Dubai Media City. In Abu Dhabi will man aber vor allem Nachrichten „von Arabern für Araber“ machen. Was sich jetzt wie eine Ausschlussklausel anhört, ist vielmehr der Versuch, einen globalen Markplatz für Medienprodukte aufzubauen. Ein Indiz dafür ist der Deal zwischen der Abu Dhabi Media Company und Participant Media über 250 Millionen Dollar. Die Produktionsfirma mit Sitz in Los Angeles zeichnet für kritische Filme wie „An Inconvenient Truth“ und „Syriana“ (der ironischerweise in den Vereinigten Arabischen Emiraten zensiert wurde) verantwortlich. Mit ihr sollen 15 Filme in einem Zeitraum von fünf Jahren produziert werden. Das zeigt aber, dass das „Araber-für-Araber“-Projekt zuerst einmal von Nicht-Arabern gepusht wird.

Wenn die Emiratis die Möglichkeiten nutzen wollen, die twofour54 ihnen bietet, müssen sie sich auch mit ihren medial globalisierten Kollegen messen können. Aus diesem Grund hat sich die freie Zone mit der Thomson Reuters Foundation zusammengeschlossen. Die gemeinnützige Organisation ist bekannt dafür, Journalisten auf internationale Standards ihrer Profession vorzubereiten. Außerdem errichtet die BBC ein Schulungszentrum, um ihrem öffentlich-rechtlichen Auftrag gerecht zu werden. Inwiefern twofour54 ein Erfolg wird, kann sich erst in den nächsten zehn Jahren zeigen. Bis dahin wird der Mittlere Osten auf seine Kollegen aus Übersee angewiesen sein. Denn zur Zeit fehlt es an Finanzen und inländischem Know-How, um dauerhaft eine kreative und global relevante Medienlandschaft aufzubauen.

Link: twofour54

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