Die Deutschen haben immer mehr ‚Landlust‘

Der Höhenflug der Zeitschrift "Landlust" geht unaufhörlich weiter. Laut der neuesten IVW-Auflagenzahlen verkaufte das Magazin im dritten Quartal 377.952 Stück - ein sagenhaftes Plus von 87,5% gegenüber dem Vorjahr. Weitere Gewinner sind u.a. "TV Digital", "Chica" und "Petra". Die größten Auflagenverlierer waren im dritten Quartal "TV Movie", "Computer Bild Spiele", "Joy" und "Bild der Frau", die allesamt mehr als 100.000 verkaufte Hefte einbüßten.

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Die starken „Landlust“-Zahlen sind umso erstaunlicher, wenn man beachtet, dass bei dem Titel nahezu gar nicht mit sonstigen Verkäufen und anderen Tricks operiert wird. 97% der verkauften Auflage stammt aus den harten Teilauflagen Einzelverkauf und Abonnements. Der Kioskverkauf legte dabei sogar um rund 120% oder 119.484 Exemplare auf 220.661 verkaufte Hefte zu. Bei den anderen Gewinnern der aktuellen IVW-Auswertung liegen diese Teilauflagen noch nicht vor – sie werden erst in der kommenden Woche veröffentlicht. Folgendes Ranking ist also mit gewisser Vorsicht zu genießen, da noch nicht erkennbar ist, welche Gewinne durch sonstige oder harte Verkäufe zustande gekommen sind:

Neben diesen am Kiosk erhältlichen Titeln gibt es auch eine Reihe von Supplements und kostenlosen Zeitschriften, die ordentlich zugelegt haben, u.a. „rtv“ (+1.543.022 / +19,9%), der „kulturSpiegel“ (+279.596 / +43,7%) und „Ratgeber/amphora/Meine Apotheke“ (+200.775 / +20,1%). „rtv“ gewann so stark hinzu da das TV-Supplement seit Anfang 2008 auch den Titeln der WAZ-Gruppe beilegt, beim „kulturSpiegel“ wurde ganz einfach die Auflage erhöht, um alle „Spiegel“-Leser in den Genuss der Beilage kommen zu lassen.

Nicht nur die Liste der größten Gewinner, auch die der größten IVW-Verlierer wird von einem Programmie angeführt:

Noch interessanter als die herben Verluste für „TV Movie“ ist die Tatsache, dass sich in dieser Flop-Ten gleich vier „Bild“-Titel befinden: „Computer Bild Spiele“, „Bild der Frau“, Bild am Sonntag“ und „Audio Video Foto Bild“. Gemeinsam mit den Verlusten von „Bild“, zu denen wir später kommen, gingen der Springer-Marke also viele Hunderttausend Käufer abhanden.

Immerhin 23 der im VDZ-Auflagendienst enthaltenen Titel waren im vergangenen Jahr noch nicht dabei, können also als Neuheiten gewertet werden. Auch dieses Ranking wird von einer Programmzeitschrift angeführt:

Zwischen die beiden ähnlichen Billigst-Programmies „TV 4Wochen“ und „tv!top“ hat sich „OK!“ geschoben. Das Peoplemagazin verkaufte bei seinem IVW-Debüt 178.291 Exemplare. Die in den vergangenen Jahren und Quartalen arg gebeutelte Marke „Bravo“ darf sich außerdem über immerhin 106.514 verkaufte Hefte des Ablegers „Yeah!“ freuen.

Für einen Platz in der Elite-Liste der meistverkauften Zeitschriften Deutschlands reicht es bei solchen Zahlen natürlich noch nicht. Dafür sind weiterhin mehr als eine Million verkaufte Exemplare nötig:

Vorn bleibt natürlich die „ADAC Motorwelt“, deren Auflage allerdings inzwischen nicht mehr unaufhörlich steigt. Sollte „rtv“ mittelfristig noch ein paar starke Tageszeitungskunden gewinnen, denen man das Supplement beilegen kann, ist dort auch die 10-Mio.-Hürde nicht ausgeschlossen.

Bereinigt um all die Kostenlostitel, Supplements und Mitgliedszeitschrfiten sieht die Top 20 wie folgt aus:

Bitterste Erkenntnis aus dieser Top 20: Insgesamt 16 der 20 Top-Titel haben im Vergleich zum Vorjahr verloren. Eine Tatsache, die die schwierige Situation der Zeitschriftenbranche sehr gut beschreibt. Die guten Zahlen von „TV Digital“, die den Titel immer näher an den Platz 1 heranführen werden für den Verlag durch einen anderen Fakt vermiest: Die „Bild der Frau“ hat nicht nur ihren Top-10-Platz verloren, sie ist auch erstmals in ihrer Geschichte unter die Millionen-Grenze gefallen. Autsch. Die Situation von „Spiegel“, „stern“ und „Focus“ schauen wir uns am besten mit Hilfe des folgenden Rankings an:

Der „Focus“ ist also der einzige vermeintliche Gewinner unter den aktuellen Zeitschriften, doch auch diesmal hat er das vor allem vielen Bordexemplaren und Billig-Abos zu verdanken. „Spiegel“ und „stern“ verloren fast im Gleichschritt 2,1% bzw. 2,0%. Beide büßten vor allem am Kiosk viele Käufer ein. Keine guten Nachrichten für die beiden Hamburger Magazine.

Zum Schluss noch der Blick auf die überregionalen Tageszeitungen:

Auch hier müssen die Zahlen der Gewinner noch mit Vorsicht genossen werden, bis die detaillierten Auflagen und damit die Anteile der Bordexemplare, etc. vorliegen. Fest steht aber schonmal, dass die „Bild“ ihre Abwärtstendenz mit einem heftigen Minus von 6,0% bestätigt und mit 3,335 Mio. verkauften Zeitungen einen neuen Minusrekord für die vergangenen zehn Jahre aufgestellt hat.

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