Barack Obama: Der Internet-Präsident hält Kurs

Publishing Der Schlagabtausch geht in die nächste Runde. Souverän konterte Barack Obama gestern Nacht im zweiten TV-Duell die zum Teil polemischen Attacken John McCains – und verströmte dabei ein ums andere Mal präsidiale Aura. Es sieht gut aus für den charismatischen demokratischen Präsidentschaftskandidaten. Der 47-Jährige konnte sich im verbalen Direktvergleich mit dem 25 Jahre älteren Routinier […]

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Der Schlagabtausch geht in die nächste Runde. Souverän konterte Barack Obama gestern Nacht im zweiten TV-Duell die zum Teil polemischen Attacken John McCains – und verströmte dabei ein ums andere Mal präsidiale Aura.
Es sieht gut aus für den charismatischen demokratischen Präsidentschaftskandidaten. Der 47-Jährige konnte sich im verbalen Direktvergleich mit dem 25 Jahre älteren Routinier John McCain gut behaupten und in einer ersten Einschätzung unentschiedener Wähler erneut einen Punktsieg verzeichnen. So erklärten in einer Blitzumfrage von CBC News 40 Prozent der Befragten Barack Obama zum Sieger der zweiten TV-Debatte, in der sich die Kandidaten dabei vor allem zur US-Finanzmarktkrise und Außenpolitik äußerten. Nur 26 Prozent fanden, McCain habe gewonnen, 34 Prozent sahen keinen Sieger.
Veteran McCain: Überraschende Fauxpas-Serie auf den letzten Metern
Für den Vietnam-Veteran John McCain ist das eindeutig zu wenig. Bei nur 42 Prozent lag der Senator aus Arizona in den letzten Umfragen zuletzt – und damit 8 Punkte hinter Barack Obama.  Entsprechend musste der „Maverick“ der republikanischen Partei um jeden Preis zum Angriff blasen.
Während der Ton im Endspurt des Wahlkampfs schärfer wurde, verpasste es McCain doch, klare Treffer zu setzen. Viel zu oft verhedderte sich der 72-Jährige erneut in der Selbstbeweihräucherung mit seiner Erfahrung und vorhersehbaren Phrasen, die Obama diskreditieren und als Steuererhöher, Oberlehrer und Washington-unerfahrenen Neuling brandmarken sollen.
McCains Fauxpas-Serie auf den letzten Metern des Wahlkampfs ist bemerkenswert. Erst die abstruse Nominierung der Politik-Novizin Sarah Palin, die sich – statt als republikanische Antwort auf Hillary Clinton – als größtes Eigentor des republikanischen Wahlkampfs entpuppte. Dann McCains eigenartige Koketterie, die erste TV-Debatte zugunsten von seiner Mitarbeit am Rettungsplan in Washington abzusagen. Und nun gestern Nacht McCains unerträgliche Arroganz, mit der er seinen Kontrahenten vor allem zwischen den Zeilen zu strafen sucht – mal mit Nichtachtung, mal mit der abschätzigen Referenz zu Obama als „that one“.
Barack Obama: Überzeugender Wahlkampf im Web
Doch „der da drüben“ ließ sich von McCains halbherzigen Tiefschlägen nicht aus der Ruhe bringen. Die gegenwärtige Finanzmarktkrise, die  „schwerste seit der Großen Depression“, wie Obama sie einordnete, sei „das endgültige Urteil über die gescheiterte Wirtschaftspolitik der vergangenen acht Jahre“.
Ob die Finanzmarktkrise und die gegenwärtige Kernschmelze an den US-Aktienmärkten tatsächlich der Bush-Regierung zuzuschreiben ist, sei dahingestellt und der populistischen Wahlkampfrhetorik geschuldet, der auch Barack Obama beizeiten verfällt. Fest steht jedoch: Dem charismatischen Demokraten gelingt es wie keinem Zweiten seit Bill Clinton, seine Botschaft unters Wahlvolk zu bringen.
Das liegt nicht nur an der fast pastoralen Metaphorik, mit der Obama seine Anhänger erreicht. Sondern auch daran, wie konsequent sich der demokratische Präsidentschaftskandidat der effizientesten Kommunikationswege – namentlich: dem Internet – bedient.
Obama.com: Bereits unter den Top 1000 weltweit
Bereits 46 Prozent der amerikanischen Internet-User nutzen die Websites der Kandidaten zu Informationszwecken. Der Löwenanteil davon surft Obama.com an. So verzeichnete die aufwendig gestaltete Präsenz laut comScore Obama allein im Juli 282 Millionen Zugriffe. Auf der Internetranking-Seite Alexa.com stieg die Website bereits unter  die Top 1000 weltweit auf – JohnMcCain.com rangiert damit zuletzt nicht mal unter den ersten 3500 Plätzen.
Auch sonst beherrscht Obama konsequent das Spiel auf der Web 2.0-Klaviatur: Mit täglich neuen Updates über Wahlkampf-Rallyes, Podiumsdiskussionen oder sonstige Veranstaltungen ist Obama uneingeschränkter Twitter-König. Kein anderer Nutzer auf dem Planet wird bei Twitter so oft „verfolgt“ wie Obama. Auch bei Facebook kann sich der Hawaiianer vor Fans kaum retten: Mehr als zwei Millionen „Freunde“ hat Obama bereits auf dem beliebten Social Network.
Wie viel Barack Obama davon in einer Präsidentschaft die Treue halten, die von unpopulären Maßnahmen und schmerzhaften Einschnitten zur Rettung der Konjunktur gekennzeichnet ist, ist wieder eine andere Frage. Zunächst muss Obama das gelingen, was Al Gore vor acht Jahren auf den letzten Metern verspielt hat – er könnte der erste Präsident werden, dessen Internetstrategie direkt ins Oval Office führt.

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