Facebook-Gründer: das Wunderkind 2.0

Er ist jung, er ist cool – und er ist bereits steinreich. Keine Frage: Mark Zuckerberg ist die schillernde Figur der Internetbranche. Doch wer ist der neue Superstar, den manche bereits mit Steve Jobs oder Bill Gates vergleichen, eigentlich? Teil eins der MEEDIA-Serie über das Phänomen Facebook beschreibt den Weg des heute 24-Jährigen vom Havard-Abbrecher zum "It-Boy des Internets" ("New York Times") und jüngsten Selfmade-Milliardär.

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Wenn die Verzweiflung am stärksten ist, ist die Kreativität oft am größten. Diese Erfahrung machte zumindest ein 19-jähriger Harvard-Student im Oktober 2003. Es war einer dieser einsamen Abende in der Anonymität des Studentenwohnheims der sagenumwobenen Elite-Universität, die vor Ambitionen und Testosteron nur so wimmelt. Gequält von Liebeskummer bloggte der Sophomore-Student ein bisschen vor sich hin.

„Jessica A. ist eine Schlampe. Ich brauche etwas, um sie aus dem Kopf zu kriegen“.  Schrieb’s und half mit ein bisschen Alkohol nach. Er blätterte in den Jahrbüchern herum und fand die Gesichter offenbar mit jedem Schluck ein bisschen komischer. Eineinhalb Stunden später kam dem Teenager schließlich die Erleuchtung: „Eigentlich möchte ich einigen dieser Gesichter Tiere aus dem Bauernhof gegenüberstellen und Leute abstimmen lassen, wer attraktiver ist“, vertraute der gefrustete Student seinem Blog an.

Dieser Student war niemand anders als Mark Zuckerberg, dem wenig späteren Facebook-Gründer – nur wusste er das damals noch nicht. Eine Stunde später wusste Zuckerberg indes eines ziemlich genau – nämlich, dass ihm die Tiere inzwischen egal geworden waren: „Ich mag die Idee, Leute miteinander zu vergleichen. Leute zu bewerten, geht viel weiter als Punkte bei HotorNot-Spielchen zu vergeben. Dafür brauche ich viele Bilder. Leider bietet Harvard aber kein zentrales Jahrbuch an. Ich muss sie mir also wohl von den einzelnen Häusern besorgen.“ 

Facebook-Vorläufer Facemash: Das Werk eines liebenskranken Programmierers

Was Zuckerberg mit „besorgen“ meinte, wurde knappe zwei Stunden später klar: „Das Hacken kann losgehen“, schrieb er fröhlich in sein Blog um ein Uhr nachts – und ging die einzelnen Studentenwohnheime in Harvard nach ihrer Schwierigkeitsstufe durch. Das Haus Kirkland, in dem Zuckerberg wohnte, war demnach „Kinderkram“.  

Der Rest ist inzwischen Legende – vor allem Teil von Zuckerbergs eigener. Hier kam ein neuer Rebell, der sich um keine Vorschrift scherte und einen lupenreinen Campus-Scoop in bester James Dean-Manier gelandet hatte. Als Facemash.com ging sein Harvard-Hack live: 450 Studenten meldeten sich noch in der ersten Nacht an, bis der Verwaltungsrat der Uni den Stecker zog und Zuckerberg abmahnte.

Dabei sollte es jedoch nicht bleiben. Keine drei Monate später legte Zuckerberg den nächsten Stunt hin. Er spielte die Kommilitonen Winklevoss aus, die mit einem Konzept zur Programmierung eines Social Networks, das später ConnectU heißen sollte, an ihn herangetreten waren. Stattdessen launchte er mit Freunden selbst thefacebook.com. Es folgten weitere raubeinige Einsätze gegen ehemalige Weggefährten, mit denen er sich zerstritt oder die von ihm abserviert wurden. Einer von ihnen war Aaron Greenspan, der unlängst einen Antrag auf Löschung des Facebook-Patents stellte, weil er behauptete, ein ähnliches Netzwerk Monate zuvor erfunden zu haben: „Mark war einfach nur naiv und bekam keinen vernünftigen Satz heraus.“        

Der jüngste Milliardär der Gegenwart

Davon kann inzwischen keine Rede mehr sein. Heute ist Zuckerberg ein heiß begehrter Gast in jeder Talksshow, der immer für einen guten Spruch zu haben ist. Sein Selbstbewusstsein scheint proportional zum Erfolg von Facebook gestiegen zu sein: Mal zierten Zuckerbergs Visitenkarten markige Berufsbezeichnungen wie „I’m CEO… Bitch!“, mal kam er in Adiletten zu Verhandlungen über die nächste Finanzierungsrunde. Keine Frage: Die Pose des selbstgefälligen All American Boys steht dem technikverliebten Programmierer, den die New York Times den „It-Boy des Internets“ nennt, ziemlich gut.

Das gilt erst recht, nachdem Microsoft für einen Firmenanteil von 1,6 Prozent 240 Millionen Dollar hinblätterte und Zuckerberg damit – zumindest rein rechnerisch – zum jüngsten Milliardär unter 25 Jahren machte. Auf der Forbes-Liste der Milliardäre wird Zuckerberg dann auch schon auf Platz 785 geführt. Dennoch gibt sich der erst 24-jährige Studienabbrecher („Theoretisch könnte ich auch wieder zurück an die Ostküste und mein Studium beenden“) größte Mühe in der Kunst des Understatements. Er besitzt nur eine Einzimmerwohnung in San Francisco und schläft angeblich noch immer mit seiner Matratze auf dem Boden. Nach einer Legende hat Zuckerberg auch bis heute keinen Wecker, sondern lässt sich mit Anrufen auf seinem Blackberry wecken. 

Mark Zuckerberg, der nächste Steve Jobs?

Mythos oder tatsächlich Startup-Realität: Angefangen haben so fast alle Silicon Valley-Größen – von Bill Gates bis zu Steve Jobs, mit denen er bereits verglichen wird. Doch kann Zuckerberg diesen Erwartungen  tatsächlich schon gerecht werden? Zumindest sucht er den Vergleich zum legendären Apple-CEO immer wieder: „Um so etwas wie wir zu tun, muss man seine Arbeit schon wirklich, wirklich lieben, ansonsten macht der Einsatz keinen Sinn“, zitierte Zuckerberg sein Vorbild, dem er optisch mit dem Standard-Outfit in Pulli, Jeans und Turnschuhen nacheifert, unlängst in Time.

Diesen Eindruck macht sein Arbeitsethos dann bis heute auch zweifellos. „Ich wache morgens auf, gehe rüber zur Arbeit, die nur vier Blocks entfernt ist, ich arbeite, treffe Leute, diskutiere die nächsten Schritte und gehe dann nach Hause“, schildert der Sohn eines Zahnarztes und einer Psychiaterin seinen Arbeitsalltag. Klingt langweilig und unglamourös? Es gibt Nutzer, die machen den ganzen Tag nichts anderes – auf Facebook.

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