Hoffnung der Musikindustrie: SlotMusic statt CD

Aber für die Scheibe wird es keinen Nachfolger geben. Der amerikanische Hardware-Hersteller SanDisk und die großen vier Musiklabels dieser Welt – Universal, EMI, Sony BMG und Warner – sagen: ja. Und sie verkünden „SlotMusic“, einen winzigen Chip namens MicroSD. Er ist kleiner als ein Fingernagel, fasst mehr Daten als eine CD und soll mit Musik […]

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Aber für die Scheibe wird es keinen Nachfolger geben.

Der amerikanische Hardware-Hersteller SanDisk und die großen vier Musiklabels dieser Welt – Universal, EMI, Sony BMG und Warner – sagen: ja. Und sie verkünden „SlotMusic“, einen winzigen Chip namens MicroSD. Er ist kleiner als ein Fingernagel, fasst mehr Daten als eine CD und soll mit Musik ohne Kopierschutz ausgeliefert werden. Viele werden sich fragen, wie das Cover aussehen wird.

Die untergehenden Plattenfirmen wünschen sich in der Ära flüchtiger, immaterieller Datenströme und einer gewissenlosen Konsum-Mentalität nichts sehnlicher als einen Tonträger, wie er früher einmal war: begehrt, unkopierbar, teuer. Dass der kleine Wunderchip diesem Wunschbild nahekommt, ist eine Vorstellung, die die Protagonisten der traditionellen Musikindustrie wahrscheinlich wirklich hegen: Zu schmerzhaft waren die Verluste und die Ratlosigkeit der vergangenen Jahre, zu verführerisch ist das Versprechen von „SlotMusic“.

Auch aus der Sicht des Speicherkartenherstellers spricht nichts gegen den Einsatz der MicroSD als Musikkonserve. Die Karten gibt es seit 2004, damals hießen sie allerdings „T-Flash“ und fassten 32 Megabyte. Sie werden seither als Zusatzspeicher für Mobiltelefone und alle möglichen anderen kleinen Apparate benutzt. Die neuesten MicroSDs speichern 16 Gigabyte und man kann davon ausgehen, dass schon heute Milliarden von Musikstücken auf den kleinen Dingern gespeichert sind.

Doch weder Zweckoptimismus noch Indolenz sind wirklich gute Gründe für den Erfolg eines weiteren physischen Musikträgers. Natürlich, der Chip ist wirklich unglaublich klein. Solche Dinger zeigte der Science-Fiction-Film „Blade Runner“ als Zukunftsvision. Cool. Heute könnte man fast eine ganze Plattensammlung darauf unterbringen.

Es gibt natürlich einen echten Haken: Papier, Vinyl, Zelluloid sind Materialien, die eine vollkommene Ehe mit Texten, Klängen, Bildern eingingen. Eine Buchseite, eine LP oder ein 16-Millimeter-Film besitzen die analoge Identität von Trägermedium und Information, ja, eine Sinnlichkeit, die digital nicht zu haben ist.

Die Zeit, als Musik einen Ort hatte – nicht den der Aufführung, sondern den auf einem physischen Trägermedium – ist abgelaufen. Die Ära, die mit der Wachswalze begann und mit der CD endete, ist vorbei.

Aus der MicroSD lassen sich die Information jederzeit herauslösen, sie lässt sich auch neu befüllen. Ich kann meine Lieblings-Kakteenfotos draufladen, wenn ich will, ich kann auch Stücke von Andrew Lloyd Webber oder den Geschäftsbericht meiner Klodeckelfirma darauf abspeichern.

Der Versuch, einen Nachfolger für die CD zu finden, ist bestenfalls sentimental oder nostalgisch, wahrscheinlich einfach ignorant. „SlotMusic“ wird nicht nur wegen des dämlichen Namens scheitern. Es wird nicht funktionieren, weil kein digitales Medium sinnlich sein kann.

Aber urteilen Sie selbst. Wir haben die erste Vorabveröffentlichung eines Beatles-Albums im SlotMusic-Format erhalten und können sie hier präsentieren:

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