Burdas Altherren-Vorstand: Time To Say Good Bye

Im Vorstand von Hubert Burda Media steht ein Generationswechsel an. Die Riege der um die 70-Jährigen soll Platz für jüngere Manager wie Christiane zu Salm und Philipp Welte machen. Doch während Jürgen Todenhöfer seinen Sessel zum November nach 21 Jahren bereitwillig räumt, will Burdas „Erster Journalist“ offenbar weitermachen. Dabei gilt gerade für „Focus“-Gründer Helmut Markwort: […]

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Im Vorstand von Hubert Burda Media steht ein Generationswechsel an. Die Riege der um die 70-Jährigen soll Platz für jüngere Manager wie Christiane zu Salm und Philipp Welte machen. Doch während Jürgen Todenhöfer seinen Sessel zum November nach 21 Jahren bereitwillig räumt, will Burdas „Erster Journalist“ offenbar weitermachen. Dabei gilt gerade für „Focus“-Gründer Helmut Markwort: Time to say Good Bye.

Als vergangene Woche schließlich Jürgen Todenhöfer den Wechsel im Vorstand öffentlich bestätigte und sein Ausscheiden für den 12. November ankündigte, waren sich alle einig, dass es höchste Zeit für die konsequente Verjüngung in der Burda-Führungsetage ist. Dabei war der Respekt, den Hubert Burda ihm dann zollte, keine leere Floskel. Todenhöfer war für das Haus viel wichtiger, als es von außen betrachtet den Anschein hatte. Er hat jahrelang knallhart das Tagesgeschäft geführt und auf die Wirtschaftlichkeit geachtet. Ihm verdankt Burda, dass der Verlag Gewinne einfuhr (wenn auch keiner weiß, wie viel). Todenhöfer war ein exzellenter Kostenmanager. Er hat den Verlag gelenkt und Hubert Burda Freiräume außerhalb des Tagesgeschäfts eröffnet.
Der adrette und nicht uneitle Todenhöfer hat sicher sehr darunter gelitten, dass er nie groß in Erscheinung treten durfte, obwohl er eigentlich lange Zeit der wohl wichtigste Kopf des Konzerns war. Zuletzt war sein Verhältnis zu Hubert Burda, mit dem ihn seit der Jugend eine Freundschaft verbindet, aber sehr gespannt. Das lag auch daran, daß Todenhöfer als erfolgreicher Buchautor und Talkshow-Gast mehr im Rampenlicht stand als es Hubert Burda lieb war. So etwas schätzt Burda nicht. So gesehen bietet die Aufgabe seines Vorstandspostens für Todenhöfer auch Chancen.

Von Helmut Markwort lässt sich das weniger behaupten. Viele sagen ihm nach, dass er an seinem Stuhl klebt. Unbestritten sind seine historischen Verdienste, unbestritten aber auch die immensen Probleme, die sein Nachfolger zu lösen hat. Markwort hat dem Hause Burda in den 90er Jahren eine journalistische Galaxis erschlossen, die dem in der Masse auf bodenständige Service-Magazine reduzierten Verlag bis dahin verschlossen war. Statt um Schnittmuster, Haus und Garten oder Kochrezepte ging es beim „Focus“ schnell um ein Duell auf Augenhöhe gegen Deutschlands beste Nachrichtenmagazine.
Für einen solchen Erfolg braucht es einen genialen und kompromisslosen Blattmacher, und den hatte Hubert Burda mit Markwort verpflichtet. Von der Success-Story ist eineinhalb Jahrzehnte später nicht allzu viel geblieben. Der „Focus“ schlingert, die Einzelverkäufe zeigen eine ungesund hohe Amplitude. Und im Vergleich zur Flughöhe im Einzelverkauf scheint die Gesamtauflage aufgeblasen. Gesund ist das kaum. Markwort ist ein Print-Mann alter Schule. Von ihm sagt man, dass er sich E-Mails von der Sekretärin ausdrucken lässt und seine getippte Antwort anschließend an den Absender zurückfaxt. Auch der Generationswechsel in der Chefredaktion wurde nur halbherzig vollzogen; an Markwort, bald 72 Jahre alt, kommt keiner vorbei. Daher überrascht es auch nicht, dass es anders als bei Todenhöfer von Markwort noch keine Erklärung zu seinem Ausscheiden gibt.
 
Externe Kandidaten für die „Focus“-Chefredaktion wurden immer wieder mal gehandelt. Die Liste reicht von „Bild“-Chef Kai Diekmann, über „Spiegel“-Politstratege Gabor Steingart bis zu Claus Strunz, der kürzlich bei der „Bild am Sonntag“ abgelöst wurde. Aktuell deutet nichts auf einen baldigen Wechsel hin, und dass liegt sicher nicht zuletzt an Markwort, der im Binnenverhältnis zur Redaktion als ausgesprochen harmonieorientiert gilt. Die beiden Stellvertretenden Chefredakteure, mit denen er schon bei der „Focus“-Gründung schon zusammenarbeitete, sind heute noch im Amt – einer von ihnen als neuer Chefredakteur. Es ist fraglich, ob dies das passende Konzept ist, um in der Schießklasse des „Focus“ auf Dauer den Anschluss nicht zu verlieren.

Dabei war gerade das Gespür für Veränderungen eine der Stärken, die den Verlag in der Vergangenheit ausgezeichnet haben. Hubert Burda erkannte früher als andere die Bedeutung des Internets und die bevorstehende digitale Revolution. Er investierte in Start-ups, veranstaltet im Vorfeld des Davoser Wirtschaftsgipfels den inzwischen weltweit beachteten Digital Life Design-Kongress. Durch klug dosierte Investitionen hat sich Burda einen Ruf als internet-affiner Konzern gesichert, dazu durch (zum Teil minimale) Investments in Silicon Valley-Firmen sich auch über die Grenzen hinaus im Web-Business einen Namen gemacht. Nicht alles wurde zu Gold, aber einige Akquisitionen (z.B. Holidaycheck.de) verdienen gutes Geld, internationale Beteiligungen wie Etsy.com bieten interessante Perspektiven. Das ist mehr als andere große Player wie etwa Gruner+Jahr oder in der Anfangsphase auch Springer vorweisen können. Um die Tomorrow Focus AG (Aufsichtsratschef: Paul-Bernhard Kallen) ist es ruhig geworden. Die Zeit der Verluste ist vorbei, aber große Gewinne sind auch nicht in Aussicht. Die Aktie dümpelt bei knapp drei Euro.

Auch für Burda selbst geht es darum, eine Nachfolgeregelung vorzubereiten. Die Chancen des smarten Todenhöfer-Vertrauten und früheren McKinsey-Manns Paul-Bernhard Kallen sind hier gleich null. Er ist der Einzige im bisherigen Vorstand, der eine jüngere Generation repräsentiert, allerdings fehlt ihm als reinem Investment-Banker das Gefühl für die Produkte des Medienunternehmens. Es heißt, er könne nicht mit Journalisten, sie seien ihm suspekt. Noch ein Stolperstein: Kallen gilt als introvertiert, er mag im Gegenteil zu Hubert Burda die große Bühne nicht, findet keinen Zugang zur „Bussi, Bussi“-Gesellschaft. In München für die ganz große Karriere ein Killer-Kriterium.

Hier zeichnet sich ein Zweikampf zwischen Christiane zu Salm und Philipp Welte ab. Fachlich müsste Welte eigentlich unangreifbar sein, zu groß sind seine Erfolge bei der Umpositionierung der „Bunten“ sowie bei der Image-Kur, mit der er die „Bambi“-Preisverleihung zum Oscar-reifen Event pushte. Christiane zu Salm, die im Mediengeschäft sehr spezielle Erfahrungen machte, wird allerdings eine besondere Nähe zu Burda nachgesagt, was sicher kein Nachteil ist. Sie ist extrovertiert, redet gern. Nicht wenige sehen die Gefahr, dass unter einer sehr einflussreichen Frau zu Salm Burda zum Versandhandel mutieren könnte. Man darf gespannt sein, wie die beiden Newcomer miteinander auskommen.

Hubert Burda wird’s mit Fassung tragen: In seinem Vorstand war die gepflegte Antipathie seit jeher normaler Umgang. Keiner war dem Anderen grün. Todenhöfer kann nicht mit Markwort und umgekehrt, Kallen nicht mit zu Salm, Markwort nicht mit Kallen. Überliefert sind Sprüche von Hubert Burda: „Nun streitet Euch doch nicht so.“ Davon ist bemerkenswerter Weise nie etwas draußen gedrungen. Das spricht für die perfekte PR-Arbeit der Münchener. Darin ist Burda unangefochten Deutscher Medien-Meister. Doch auch die beste PR kann die Probleme auf Dauer nicht kaschieren. Bei Burda ist es Zeit für die Verjüngung. Time to say Good Bye. Auch für Helmut Markwort.

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