Warum die Telekom mit „News4Me“ scheitern wird

Ei guck, ei glotz. Da will sich die gute alte Telekom an die Speerspitze der digitalen Revolution setzen und im Herbst zwischen 12 und 30 Testkunden in Berlin Zugang zu einer neuen elektronischen Telekom-Zeitung anbieten. „News4Me“, so der reichlich unsexy Name des Projekts, dem man schon vor Start einen baldigen Exitus vorhersagen kann. „News4Me“ basiert […]

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Ei guck, ei glotz. Da will sich die gute alte Telekom an die Speerspitze der digitalen Revolution setzen und im Herbst zwischen 12 und 30 Testkunden in Berlin Zugang zu einer neuen elektronischen Telekom-Zeitung anbieten. „News4Me“, so der reichlich unsexy Name des Projekts, dem man schon vor Start einen baldigen Exitus vorhersagen kann. „News4Me“ basiert auf der Idee, dass sich Nutzer aus einem reichhaltigen Angebot für sie interessante Inhalte herauspicken, die dann zu einer persönlichen, elektronischen Tageszeitung zusammengestellt werden.

Bisher mischen außer der Telekom der Bonner „General-Anzeiger“ und die dpa-Tochter Infocom mit. Der „General“ soll offenbar die Inhalte für die Testphase bereithalten und Infocom Grafiken beisteuern. Für den Test will die Telekom ausgerechnet iPhones an die Probeleser austeilen. Was für eine bescheuerte Idee! Das iPhone ist ein tolles Gerät. Aber doch nicht, um darauf eine elektronische Zeitung abzubilden. Selbst normale Websites sind auf dem iPhone schwerfällig zu konsumieren. Am besten arbeitet Apples Wunderkiste mit Websites zusammen, die für mobile Endgeräte optimiert sind.

Die Telekom will zwar später „News4Me“ auf einem Endgerät mit einem größeren Display präsentieren, aber warum wird der Dienst dann nicht gleich auf einem solchen Gerät getestet? Auf dem E-Book-Lesegerät Kindle von Amazon lassen sich auch schon elektronische Versionen von Tageszeitungen lesen, u.a. die „FAZ“. Die Telekom befindet den Kindle aus nicht ganz erfindlichen Gründen aber als ungeeignet, weil er sich „nicht dynamisch genug aktualisieren“ lasse. Warum das denn?

Die Telekom-Apparatschiks sind jedenfalls so ziemlich die letzten, denen ich zutrauen würde, eine vernünftige elektronische Zeitung zu etablieren. Dass der schnarchige BDZV am Rand steht und applaudiert, lässt den Erfolg des Projekts auch nicht wahrscheinlicher werden.

Warum wird es nicht funktionieren? Meiner Meinung nach:

Die Telekom wird die Technik nicht in den Griff bekommen.

Das iPhone als Testgerät ist ungeeignet.

Die angedachte Menge an Testkunden ist viel zu klein.

Inhalte von nur einem Anbieter sind auch für einen Test zu mickrig (das kann sich natürlich noch ändern…)

Eine Zeitung, die man sich selbst zusammenstellt braucht man im Prinzip nicht, da gibt es schon genügend gute Aggregatoren im Web. Von einer elektronischen „Zeitung“ erwarte ich dieselben Vorteile wie von einer gedruckten: Blick über den Tellerrand der eigenen Vorauswahl, professionelle Vorselektion durch Journalisten.

Der Name „News4Me“ ist 08/15mäßig belanglos und nichtssagend.

Manchmal sieht man von vorneherein, das etwas zum Scheitern verurteilt ist. Es gehört zu den unergründlichen Mysterien von Konzernen und Firmen, dass solche hirnrissigen Projekte für viel Geld trotzdem durchgezogen werden.

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