Spar-Welle in deutschen WAZ-Redaktionen

Der frisch gebackene WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus wird seinem Ruf als Schmalhans gerecht. In der "Süddeutschen Zeitung" kündigt er an, dass vor allem die Redaktionen der WAZ-Gruppe im Ruhrgebiet sparen müssen. Nienhaus analysiert: "Wir haben im Ruhrgebiet ein Kosten- und Ergebnisproblem." Einige Titel schreiben sogar rote Zahlen. Auch betriebsbedingte Kündigungen schließt er nicht aus. Es gehe darum, Synergien in den Redaktionen zu heben. Ein gemeinsamer Newsroom ist nicht unwahrscheinlich.

Anzeige

Es sei nicht sinnvoll, dass zum Beispiel bei einem Fußballspiel von Borussia Dortmund vier Redakteure von vier WAZ-Zeitungen im Stadion sitzen und mehr oder weniger viermal den gleichen Artikel schreiben, so Nienhaus. Zeitungen zusammenlegen wolle er nicht, sagt Nienhaus auf Nachfrage der „SZ“. Von den Redaktionen sagt er aber nichts. Da kann man sich leicht ausrechnen, wohin die Reise geht. Als gutes Beispiel, wie Synergien genutzt werden können, nennt er die „Welt“/“Berliner Morgenpost“-Gruppe seines Ex-Arbeitgebers Axel Springer. Dort produziert eine Riesenredaktion die unterschiedlichen Tageszeitungen „Welt“, „Welt Kompakt“, „Berliner Morgenpost“ und sogar die Wochenzeitung „Welt am Sonntag“.

Eine Arbeitsgruppe der WAZ-Chefredakteure soll Nienhaus bis Ende September Spar-Vorschläge auf den Tisch legen. Man kann vermuten, dass Nienhaus selbst schon gewisse Vorstellungen hat und diese auch durchzusetzen gedenkt. Die Einführung gemeinsamer Produktionsräume und eines Newsrooms sind wohl nur noch eine Frage der Zeit.

Laut Nienhaus schreiben einige der WAZ-Titel im Ruhrgebiet rote Zahlen. Welche das sind, verrät er freilich nicht. Die WAZ verlegt in Deutschland die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“, die „Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung“, die „Westfälische Rundschau“ und die „Westfalen Post“. In Druckereien und Setzereien sei der Veränderungsprozess bereits abgeschlossen, so Nienhaus. Nun will er an die Redaktionen ran.

Auch das Marketing will Nienhaus auf Vordermann bringen. Immerhin hat er jahrelang die Geschäfte von Springers hoch profitabler „Bild“-Gruppe geführt und gelernt, wie man eine Zeitung in allen Belangen zur Geldmaschine ausbaut. „Bei Bild haben wir Dessous, Volksbibeln und Handytarife vermarktet. Diese Zeitung ist in Wahrheit eine Marketingmaschine. Da muss man schauen, was davon übernommen werden kann“, sagt Nienhaus in der „SZ“. Die WAZ-Zeitungen werden also in Kürze garantiert zu Gemischtwaren-Läden ausgebaut.

Arm ist die WAZ-Gruppe keineswegs. Das Unternehmen hat durch diverse Verkäufe und gute Geschäfte viel Geld auf der hohen Kante. So wurde die Beteiligung am mittlerweile Pleite gegangenen Postdienstleister Pin 2007 für einen dreistelligen Millionen-Betrag an Axel Springer verkauft. 2005 hat die WAZ zudem ihre Anteile an der RTL Group für über 500 Millionen Euro an Bertelsmann verkauft. Davon haben sich die WAZ-Gesellschafterfamilien aber viele Millionen in die eigene Tasche gesteckt, was zeitweise auch für heftigen Streit im Hause gesorgt hat.

Geld ist also da. Nienhaus geht es aber darum, das operative Kerngeschäft im Inland auf Rendite-Kurs zu trimmen. Dafür wurde er geholt. Das ist gewiss auch im Sinne seines Co-Geschäftsführer Bodo Hombach. Während daheim der Rotstift ausgepackt wird, will Nienhaus im Ausland auf Einkaufstour gehen. In Südosteuropa werde die WAZ-Gruppe sehr wahrscheinlich weiter zukaufen, kündigt er an. Das könnten sowohl Zeitungen als auch Internet-Firmen oder Fernsehsender sein. Jüngste Zukäufe der WAZ Gruppe waren Investitionen in NRW-TV in, den TV-Kanal Vizion+ in Albanien und die „Frau im Spiegel“, die die Gruppe von Gruner + Jahr übernommen hat. Auf die deutschen WAZ-Redaktionen kommen turbulente Zeiten zu.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige