Der Wert von Facecook: 15 Milliarden Dollar für ein Startup?

Boomende Internet-Startups waren schon immer unter Investoren begehrt. Unverzeihlich, wer das Next big Thing verpasst! Das muss sich auch Microsoft gedacht haben und überwies für einen Firmenanteil von lediglich 1,6 Prozent stolze 240 Millionen Dollar. Damit wird Facebook rein rechnerisch mit 15 Milliarden Dollar bewertet. Ist das realistisch?

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Die Beteuerungen sind bekannt. „Ich bin hier, um langfristig etwas aufzubauen. Auf einen Verkauf haben wir das Unternehmen nicht ausgerichtet.“ Sagt: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, der bis heute größte Anteilseigner des Unternehmens. Doch welcher Startup-Gründer würde sich nicht ähnlich äußern, um dann doch für den besten Preis zu verkaufen?

Zwei Jahre ist es her, als für den damals 22-Jährigen der ganz große Zahltag gekommen schien.
Doch Zuckerberg wollte den Scheck in zehnstelliger Höhe, den Yahoo-CEO Terry Semel auszustellen bereit war, nicht einlösen. Das Silicon Valley und die Blogosphäre brodelten. Leicht hätte Mark Zuckerberg in die Geschichtsbücher als der Mann eingehen können, der eine Milliarde Dollar leichtsinnig verschenkte. Stattdessen führt ihn das Fortune Magazines in diesen Tagen als jüngsten Multi-Milliardär unter 25. Stolzes Vermögen: Drei Milliarden Dollar.

So viel ist sein 20 Prozent-Anteil nämlich inzwischen wert. Im Umkehrschluss bedeutet das nichts anderes, als dass Facebook inzwischen selbst mit enormen 15 Milliarden Dollar bewertet wird. Damit wäre das gerade mal viereinhalb Jahre alte Startup nach Google, Amazon, eBay und Yahoo bereits das fünfhöchst bewertete Dot.com-Unternehmen der Welt.

Auffällige Parallelen zwischen Bill Gates und Mark Zuckerberg

Möglich gemacht hat diesen Aufstieg niemand anders als Microsoft, das bekanntlich selbst durch die wundersame Erfolgsgeschichte eines jungen Computergenies auffiel. Die Parallelen zwischen Microsoft-Mastermind Bill Gates und Facebook-CEO Mark Zuckerberg sind durchaus offenkundig: Beide gingen nach Harvard, beide brachen das Studium ab, um – gerade 19-jährig – ihre eigene Firma zu gründen, die ein Milliarden-Erfolg werden sollte.

Dafür sorgte Gates bei Facebook selbst, als er grünes Licht für das Microsoft-Invstment im vergangenen Herbst gab: Für lediglich 1,6 Prozent der Firmenanteile an Facebook blätterte das höchst bewertete Technologieunternehmen der Welt 240 Millionen Dollar hin. Ein stolzer Preis für ein Startup mit seinerzeit gerade einmal 500 Mitarbeitern. Ist er gerechtfertigt?

Astronomische Bewertung: Erwartetes KGV von 300 für 2009

Nach klassischen Bewertungskriterien an den Aktienmärkten auf den ersten Blick kaum. 150 Millionen Dollar setzte Facebook im vergangenen Jahr nach eigenen Schätzungen um, 350 Millionen sollen es dieses Jahr bereits werden. Unterm Strich soll dabei ein Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen (Ebitda) von immerhin 50 Millionen Dollar anfallen.

Gemessen daran würde Facebook an der Börse jedoch auf Basis einer Bewertung von 15 Milliarden Dollar mit einem extrem luftigen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 300 taxiert werden, das derzeit für kein Internetunternehmen der Welt bewilligt wird. Zum Vergleich: Selbst ein notorisch hoch bewerteter Wachstumswert wie Baidu.com wechselt derzeit für ein KGV von um die 70 den Besitzer. Für Amazon sind Aktionäre bereit, ein KGV von rund 50 zu bewilligen, für Yahoo 40.

Google, mit einer Börsenbewertung von knapp 150 Milliarden Dollar bei weitem das wertvollste Internetunternehmen der Welt, nähert sich mit einem KGV von aktuell lediglich 25 fast schon traditionellen Bewertungskriterien an. Das Durchschnitts-KGV im Dow Jones, dem traditionsreichsten Aktienindex der Welt, liegt bei 18, der langfristige Durchschnitt des Dax liegt bei 15. Entsprechend astronomisch erscheint Facebooks 15-Milliarden-Dollar-Bewertung auf Basis der erwarteten Gewinne des nächsten Jahres damit zunächst.

Facebook: Anzeigengeschäft lernt gerade erst laufen

Doch notorische Skeptiker, die sofort von einer absurden Überbewertung sprechen, sollten die Bilanz der erwarteten Geschäftsentwicklung, die noch keinesfalls Börsenstandards entspricht, richtig einzuordnen wissen. Allein 200 Millionen Dollar investiert Facebook nämlich im laufenden Jahr auch – für neue Mitarbeiter, für Technik oder für Marketing. Schraubt Facebook im Rahmen eines Börsengangs diese Kostenfaktoren herunter, kann der Gewinn entsprechend maximiert werden. Und andersherum: Wächst Facebook schneller als nach eigenen ¬– wohl eher konservativen – Schätzungen erwartet, verringert sich das KGV ebenfalls entsprechend. Bei einem operativen Gewinn von 150 Millionen Dollar käme Facebook entsprechend auf ein KGV von 100, bei Gewinnen von 300 Millionen Dollar auf 50, das der Markt gegenwärtig Amazon bewilligt.

So völlig abwegig erscheint die Bewertung von 15 Milliarden Dollar, die Microsoft mit seinem Investment zumindest rechnerisch zugrunde gelegt hat, damit an der Börse in naher bis mittelfristiger Zukunft nicht mehr. So bescheinigt dem Social Network auch der frühere Internet-Analyst Henry Blodget erhebliches Erlös-Potenzial: „MySpace dürfte in diesem Jahr die Umsatzgrenze von einer Milliarde Dollar knacken – nur ein oder zwei Jahre, nachdem es ernsthaft ins Anzeigengeschäft eingestiegen ist“, erklärte Blodget im Juli 2007.

„Facebooks Anzeigenverkäufe haben sich in fünf Monaten verdoppelt. Google erlöst bereits 16 Milliarden mit Anzeigen. Ist es also so unwahrscheinlich, dass Facebook innerhalb eines Jahres auch in die Nähe der Milliardengrenze kommt? Mit einem Wort – nein.“ Das schrieb der frühere Merrill Lynch-Analyst vor einem Jahr in seinem Blog Internet Outsider.

Veräußerung vom Mitarbeiteraktien: Kommt der Börsengang?

In der Gegenwart angekommen, will Facebook-CEO Mark Zuckerberg zwar weiter von den Planspielen eines möglichen Börsengangs nichts wissen. Doch Mitarbeitern wurde mittlerweile eingeräumt, 20 Prozent ihrer Aktienoptionen, die in Startups oft als Teil des Gehalts ausgegeben werden, im außerbörslichen Handel auf Basis einer Bewertung von 4 Milliarden Dollar zu veräußern. Henry Blodgets neues Technologie-Portal Silicon Alley Insider berichtete unterdessen von einem Investmentbanker, der im Frühjahr 0,10 Prozent der Facebook-Anteile an zwei Hedgefonds für geschätzte 6 Millionen Dollar verkauft habe – was Facebook mit 6 Milliarden Dollar bewerten würde.

Ist der Verkauf von Mitarbeiteraktienoptionen damit der Vorläufer zum Börsengang? „Mich wundert manchmal, womit sich die Leute den ganzen Tag beschäftigen“, gibt sich der junge Facebook-Vorstand zu einem möglichen IPO im Gespräch mit Vanity Fair defensiv. „Wir haben Facebook gegründet, weil wir fest daran glauben, dass unsere Kommunikationsplattform der Welt einen Dienst erweisen wird. Und das ist eine langfristige Aufgabe. Um diese ordentlich umzusetzen, hilft es sicher nicht, wenn man das Unternehmen bei erster Gelegenheit verkauft oder die Firma schnellstmöglich an die Börse bringt.“ Spätestens bis dahin bleibt Facebook das meist bewunderte Phänomen zumindest des Silicon Valleys.

>> Was diese Faszination in der Praxis ausmacht, untersucht MEEDIA-Redakteur Nils Jacobsen ab Oktober regelmäßig in seinem Blog International Affairs.

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