Pandoras Investoren werden ungeduldig

Seit es personalisierbare Webradios gibt, haben viele Hörer den traditionellen Sendern den Rücken gekehrt. Dienste wie Last.fm, Imeem oder Pandora finden heute ein Millionenpublikum. Das langfristige Geschäftsmodell dieser Dienste ist jedoch alles andere als gesichert. Vor allem die vergleichsweise überhöhten Urheberrechtsabgaben drohen den Webstreaming-Radios das Genick zu brechen. Pandora-Chef Tim Westergren spricht in der "Washington Post" vom "letzten Gefecht" des Webcasting.

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Pandora ist eines der populärsten Webradios in den USA und hat täglich mehr als eine Million Hörer. Der Grund: Die Nutzer müssen nicht ein vorgefertigtes Formatradio über sich ergehen lassen, sie können sich auf der Grundlage von Lieblings-Musikstücken ein Programm nach ihrem Geschmack zusammenstellen lassen.

Die Zuhörer sind dabei nicht einmal auf einen Computer angewiesen. Pandora ist auch eine der zehn beliebtesten iPhone-Anwendungen – jenem Apple-Handy, das in den USA eine weit höhrere Verbreitung hat als in Deutschland.

Hatten Webcaster 2006 noch eine Abgabe von 0,09 Cent pro Song und Hörer zu entrichten, entschied die Behörde Copyright Royalty Board 2007 eine stufenweise Anhebung auf 0,18 Cent für 2009 bis auf 0,19 Cent für 2010. Im Falle von Pandora summieren sich diese Abgaben 2007 auf insgesamt 17 Millionen Dollar, so der Chef und Gründer des Unternehmens Tim Westergren – das entspreche rund 70 Prozent der erwarteten Einnahmen in Höhe von 25 Millionen Dollar. Viele andere Betreiber von Webradios rechnen durch die Gebührenanhebung sogar mit Belastungen von insgesamt bis zu 300 Prozent.

Die Urheberrechtsabgaben für Webcaster liegen somit weit über denen, die andere Radios zu entrichten haben. Traditionelle US-Hörfunksender zahlen bislang gar keine Aufführungsabgaben, Satellitensender 6 oder 7 Prozent ihrer Einnahmen.

„Die Situation ähnelt einem letzten Gefecht des Webcasting“, sagt Westergren jetzt. „Wir nähern uns der Entscheidung, ob wir den Stecker ziehen müssen.“ Pandora ist durch Venture Capital finanziert. Und die Investoren scheinen ungeduldig zu werden. Westergren: „Sie werden nicht einem Unternehmen folgen, dessen Geschäftsmodell kaputt ist. Wenn es also nicht so wirkt, dass wir einer Lösung entgegensteuern, sind wir erledigt.“

Die Verwertungsgesellschaft SoundExchange, die Musikindustrie und Künstler repräsentiert, rechtfertigte die Gebührenerhöhung. „Unsere Künstler und Rechteinhaber verdienen, gerecht für das Blut und den Schweiß entlohnt zu werden, die das Kernprodukt dieser Unternehmen bilden.“

Gleichzeitig kritisierte SoundExchange, dass Internet-Radiostationen zu wenig unternommen hätten, das Abspielen von Musik zu monetarisieren. Tatsächlich platziert Pandora Werbung nur auf seiner Webseite und nicht im Webstream. Westergren kündigte deshalb jetzt dezente Audiowerbung an, die in das laufende Programm integriert werden soll.

Das ist ein bisschen wenig. Autor Paul Glazowski fragt im Tech-Blog Mashable zu Recht, ob das Problem nicht auch selbstgemacht ist: „Könnte es nicht zumindest teilweise daran liegen, dass die Konkurrenz die Integration Sozialer Dienste in Streaming und Empfehlung viel weiter vorangetrieben hat, und so Pandora zu einem Auslaufmodell wird?“ Last.fm und imeem hätten es viel besser verstanden, dem Wunsch der Kunden nach diesem interaktiven Mehrwert zu bedienen.

In dieser Woche will der kalifornische Kongressabgeordnete Howard L. Berman einen letzten Versuch unternehmen, um mit SoundExchange über Gebührensenkungen für Webradios zu verhandeln. Viel Hoffnungen hat der Politiker allerdings nicht. Die meisten Gebührenfragen seien ungelöst. „Wenn sich nicht schnell etwas Entscheidendes tut,“ so Berman, „werde ich mich aus dem Prozess zurückziehen.“

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