Datenklau-Vorwürfe gegen Bertelsmann

Es geht um eine CD mit illegal beschafften Kundendaten, dreiste Drücker-Methoden eines dubiosen Call-Centers und um eine Tochterfirma des Bertelsmann-Konzerns. Gegen dessen Firma BC Bonusclub erheben Verbraucherverbände Betrugsvorwürfe. Bertelsmann bestreitet eine Verstrickung in die Machenschaften und sieht sich selbst als Opfer. Von dem Skandal sind bis zu 17.000 Bundesbürger betroffen, die offenbar Lose der SKL-Lotterie per Bankeinzug bezahlt hatten.

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Bei den Verbraucherzentralen in Hamburg und Schleswig-Holstein gingen serienweise Beschwerden gegen das Bertelsmann-Unternehmen ein. Die Betroffenen haben nach Angaben der Verbraucherschützer Begrüßungsbriefe als neue Mitglieder im des Bonus-Clubs erhalten, obwohl sie einer solchen Mitgliedschaft nie zugestimmt hätten. Im Anschreiben war auch die illegal beschaffte Kontonummer der angeblichen Neumitglieder vermerkt, verbunden mit der Ankündigung, dass in wenigen Tagen 50 Euro von dem Konto abgebucht würden.

Absender der Briefe war die BC Bonusclub GmbH, eine Tochter der Bertelsmann Direct Group. Nach Angaben der Verbraucherzentralen hätten viele der Angeschriebenen nie Kontakt zu der Firma gehabt, weshalb die Daten nur illegal beschafft worden sein könnten. Zuvor war der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein eine CD mit 17.000 Kontodaten von Bundesbürgern zugespielt worden, die offenbar früher einmal Lose der Süddeutschen Klassenlotterie per Bankeinzug bezahlt hatten. Die CD soll im Zusammenhang mit einer Serie von Betrugsfällen genutzt worden sein. Dabei seien wiederholt ohne Einzugserlaubnis Gelder von Konten abgebucht worden, nachdem sogenannte Drückerfirmen Tausende Verbraucher angerufen hatten und sich dabei als Lottogesellschaften ausgegeben hätten.

Zumindest ein Lübecker Call Center, das im Auftrag von Bertelsmann arbeitet, soll dabei die illegalen Daten der CD genutzt haben. Dabei seien die Begrüßungsbriefe versandt worden, auch wenn Angerufene das Angebot abgelehnt hätten oder gar nicht erreicht wurden. Das mit Briefkopf von Bonusclub versehene Anschreiben („Herzlich willkommen bei der Vorteilsgesellschaft Bonusclub“) kündigt die Abbuchung von 50 Euro an. Diese werden in fehlerhaftem Deutsch als monatliches „Entgeld“ bezeichnet.

Ein Bertelsmann-Sprecher bestätigte, das der Bonusclub von dem Skandal betroffen sei, sieht das Unternehmen aber nicht in die Vorgänge verwickelt. Man sei selbst Geschädigter von Praktiken der Auftragsfirmen und werde dem Verdacht nachgehen. Die Süddeutsche Klassenlotterie bestreitet, Daten weitergegeben zu haben und hat Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Datenmissbrauchs gestellt.

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