Time Warner: Probleme bei Print

Die Scheidung einer Verbindung steht bevor, die lange Zeit als die mediale Traumehe schlechthin gegolten hat: Time Warner will sich bis Ende des Jahres von der ehemaligen Internet-Ikone AOL trennen. Aber auch das Printgeschäft bereitet dem weltgrößten Medienkonzern große Probleme: Der operative Gewinn brach um satte 15 Prozent ein, insgesamt sind das Zeitschriften- und Onlinegeschäft für einen Gewinnrückgang um 26 Prozent verantwortlich und dafür, dass der Haussegen bei Time Warner schief hängt.

Anzeige

Der dramatische Gewinneinbruch um 792 Millionen US-Dollar im zweiten Quartal löst gravierende Umbauarbeiten im Hause Time Warner aus: Der Medienkonzern will bis spätestens Anfang 2009 einen Käufer für seinen Internetdienst AOL gefunden haben. AOL, einst leuchtender Stern am Himmel der New Economy, hat mit vielen Problemen zu kämpfen: Die drastischen Verluste im Internetzugangsgeschäft konnten im zweiten Quartal nur geringfügig verringert werden. AOL hat in den vergangenen drei Monaten über 600.000 Kunden und rund ein Drittel des Umsatzes aus dem Internetgeschäft eingebüßt. Auch der Umsatz aus der Internetwerbung ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um lediglich zwei Prozent gestiegen – eine enttäuschende Bilanz, gerade im Vergleich mit den Konkurrenten Yahoo und Google.

Nun arbeitet Time Warner intensiv daran, AOL in zwei eigenständige Sparten aufzugliedern: Eine soll sich um das Internetzugangsgeschäft kümmern, eine um das Portal- und Werbegeschäft. Der Umbau soll bis spätestens Anfang 2009 abgeschlossen sein. Maßnahmen, die AOL aber keine Zukunft im Konzern sichern sollen, sondern die krisenhafte Tochter vor einem Verkauf attraktiver machen sollen: Als Interessenten gelten Yahoo, Microsoft und Rupert Murdochs News Corp., auch der AOL-Konkurrent Earth Link soll sein Interesse bekundet haben am Internetdienst, dessen Wert auf zwei bis drei Milliarden US-Dollar geschätzt wird.

Aber auch das Printgeschäft gefährdet zunehmend den Hausfrieden bei Time Warner: Der operative Gewinn brach um 15 Prozent ein, auch die Werbeeinnahmen sanken um zehn Prozent, vor allem weil Magazine wie „Time“ und „Sports Illustrated“ kriseln. Der aus der Online-Werbung gewonnene Gewinn reicht nicht aus, um die Verluste im Printbereich auszugleichen.

Lediglich die Filmsparte konnte die Erwartungen der Analysten übertreffen. Vor allem der Kinofilm „Sex and the City“ und die Werbeeinnahmen im Kabelgeschäft wirkten sich positiv auf die Unternehmens-Bilanz aus und konnten die Ergebnisrückgänge der Segmente AOL und Print wettmachen – eine Kompensation, die künftig nicht mehr geleistet werden soll.
 

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige