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Ally McBeal ist jetzt ein Mann

Mit „Eli Stone“ startet auf ProSieben eine neue US-Anwaltsserie, die dank der Skurrilität ihres Protagonisten hervorsticht: Eli Stone ist erfolgreicher Anwalt, angehender Prophet, verlorener Sohn und außerdem total verrückt. Oder etwa nicht? Drehbuchautor Greg Berlanti, der auch „Everwood“ schuf, folgt mit „Stone“ seinem Vorbild David E. Kelley, der Ally McBeal mit all ihren Schrullen ins TV-Leben rief. Für Ally sang Barry White seine Hits, für Eli trällert George Michael auf der Wohnzimmercouch.

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„Faith“ heißt die erste Folge der Serie, die heute Abend um  20:15 Uhr auf ProSieben anläuft,  genau wie einer der größten Hits von George Michael. Auch die nächsten Folgen werden nach Songs des englischen Popstars benannt sein – wenn man das Glück hat, die Serie im Original zu sehen. Im Deutschen wurden die Titel mehr schlecht als recht übersetzt, die erste Folge heißt hier „Ruf des Propheten“.  Nicht schön, wenn man bedenkt, dass ProSieben George Michael großzügig als Hauptdarsteller der neuen Serie deklariert. Das ist er mit Gastauftritten in vier Folgen sicher nicht. Aber seine Songs sind es. Denn für Eli verändert ein eingebildetes Privatkonzert von Michael das ganze Leben. Erstens, weil er erkennen muss, dass er nicht ganz richtig tickt. Zweitens, weil ihm die Songs Hinweise für seine aktuellen Fälle geben. „Glaube, Liebe, Hoffnung“ ist denn auch die zentrale Botschaft seines Schlussplädoyers in der ersten Folge. Eli gewinnt, natürlich.

Der Trainspotting-Star Jonny Lee Miller spielt diesen widerwillig Gläubigen mit Witz und Charmanz, auch die Nebenfiguren sind gut besetzt: Natasha Henstridge als Elis Verlobte und Tochter seines Chefs, „Alias“-Protagonist Victor Garber als eben jener und Loretta Devine, die Elis scharfzüngige Sekretärin gibt. Die kann sowieso nicht verstehen, wo Elis Problem liegt. So wie alle ihn für ein bißchen verrückt halten. Denn natürlich kann nur Eli selbst die musikalischen Botschaften des Popstars hören. Sein Akupunkteur, ein ausgebuffter Wunderheiler, hält Eli fortan für einen Propheten Gottes, Elis Bruder, der Arzt ist, diagnostiziert bei ihm ein Hirn-Aneurysma. Und wo liegt nun die Wahrheit?

Im britischen „Guardian“ hieß es zum UK-Start der Serie, „Eli Stone“ wirke, als sei die Serie vor zehn Jahren gedreht worden. Das stimmt: So viel Lilalaune gab es selten in den vergangenen Jahren im TV. Doch „Stone“ schafft es, dieses Gutmenschentum an den richtigen Stellen zu brechen. Noch in der Arztpraxis, in der Stone von seinem Hirn-Aneurysma erfährt, will seine Verlobte mit ihm Schluss machen: „I don´t know if I can handle this, Eli.“ Auch Eli weiß in diesem Augenblick nicht, ob er George Michael in seinem Wohnzimmer länger erträgt. Doch er hat keine andere Wahl: In seinem Fall hat der Berg den Propheten gefunden.

Ob ProSieben mit dem Einkauf von „Eli Stone“  prophetischen Spürsinn bewiesen hat? Die Serie widersetzt sich genüsslich dem aktuellen Trend, Realitätsnähe innerhalb von drei Werbeunterbrechungen zu beweisen – und wirkt so erfrischend anders. „Eli Stone“ ist schließlich übersinnlich. Die Serie spielt ja auch nicht in New York, Boston oder LA. Sie spielt in der Hippie- und New-Age-Hochburg San Francisco.  Da darf George Michael gerne mal mit seinem Hintern durchs Wohnzimmer wackeln.

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