Bertelsmann verkauft Anteile an Sony BMG

Der lange erwartete Ausstieg von Bertelsmann aus dem Musikgeschäft ist beschlossen: Sony übernimmt den 50-prozentigen Anteil des Konzerns an Sony BMG. Künftig firmiert das Unternehmen unter dem Namen Sony Music Entertainment Inc. (SMEI) und wird eine 100-prozentige Tochter der Sony Corporation of America sein. Bertelsmann hingegen konzentriert sein Geschäft auf ein anderes Feld und übernimmt von Sony BMG im Zuge der Transaktion europäische Kataloge von Musikrechten.

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Eine Überraschung war die Transaktion längst nicht mehr. Über den Verkauf wurde schon seit geraumer Zeit spekuliert – das Musikgeschäft gilt nach wie vor als schwierig. Der offizielle Begründung für die Trennung der Musik-Sparte war laut Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski die Wachstumsstrategie des Unternehmen: Diese Entscheidung ermögliche es, sich künftig „auf definierte Wachstumsfelder“ zu konzentrieren.

Bertelsmann plant mit der Übernahme der Kataloge, eine Lizensierungs- und Verwaltungsplattform für die Vermarktung von Musikrechten unter der Marke BMG aufzubauen. Derzeit umfassen die Kataloge Werke von etwa 200 Künstlerinnen und Künstlern, rund 10.000 Songs. Um den Vertrieb wird sich weiterhin Sony Music Kataloge kümmern.

„Die Vielzahl neuer Verbreitungswege lässt die Nachfrage nach Musiknutzungsrechten steigen“, sagt Bertelsmann-Finanzvorstand Thomas Rabe, der die Musiksparte im Vorstand verantwortet. Die Gütersloher wittern hier ein lukratives Geschäft: Während der CD-Markt schrumpft, wächst der Markt für Downloads im Internet oder für Mobile Geräte, etwa der Markt der Klingeltöne. An den Recording-Rechten, also den Rechten am aufgenommenen Musikstück, werde daher gut verdient. „Mit der starken und gut eingeführten Marke BMG und dem im Markt hoch angesehenen Management wollen wir hier unsere Chancen nutzen und uns positionieren“, so Rabe weiter. Die Leitung wird Hartwig Masuch übernehmen, ein nach Angaben des Unternehmens erfahrener Manager in der Musikindustrie. Ebenfalls in die Geschäftsführung berufen wurde Maximilian Dressendörfer, Mitglied der Bereichsleitung BMG.

Noch ist die Transaktion nicht vollzogen – die Kartellämter verschiedener Länder müssen den Deal genehmigen. Auch über den Kaufpreis gibt es derzeit keine Angaben. Beide Seiten hätten Stillschweigen vereinbart. Laut Insiderinformationen soll Bertelsmann für seine Hälfte an Sony BMG 900 Millionen Dollar erhalten haben, davon 600 Millionen in bar und 300 Millionen aus der Sony-BMG-Bilanz, zitiert die „FAZ“ die Nachrichtenagentur dpa-AFX. Die Transaktion bringe den Güterslohern aber deutliche Steuervorteile und beinhalte längerfristige Fertigungs- und Wartungsverträge mit Sony, heißt es dort weiter. Daher bewerte Bertelsmann den Deal höher – mit 1,5 Milliarden Dollar.
Was wird Bertelsmann mit dem neu gefüllten Geldbeutel anfangen? Die in Mediendingen gut informierte Online-Plattform des „Guardian“ wartet dazu mit einer interessanten Spekulation auf. Danach könnte Bertelsmann bzw. RTL, die TV-Unit des Konzerns, den Anteil (oder einen Teil davon) übernehmen, den Rupert Murdochs Pay-TV-Sender BSkyB an ITV hält. Murdoch ist bereits von der britischen Medienaufsicht aufgefordert worden, seinen ITV-Anteil in Höhe von 17,9 Prozent auf unter 75 Prozent zu reduzieren.

Besonders lange hatte die geschäftliche Beziehung zwischen Sony und Bertelsmann: Erst 2004 fusionierten sie zur Sony BMG Music Entertainment. Und noch im März hatte alles ganz anders ausgesehen. In einem Interview mit der „FAZ“ gab sich CEO Rolf Schmidt-Holtz optimistisch. Auf die Frage, wie es weitergehen solle mit Plattenkonzernen wie Sony BMG antwortete er: „Erstaunlich gut.“ Das Jahr habe gut begonnen, obwohl der Markt insgesamt schrumpfe. Aber man habe viele Ideen. Umsetzen wird er die wohl nicht mehr können. Sein Vertrag läuft bis März 2009, und wie es danach mit ihm weitergehen wird, ist unklar. Für eine Stellungnahme war er nicht zu erreichen. Und Bertelsmann gibt dazu keine Auskunft.

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