Olympia der Quotenrekorde?

Wenn am Freitag die Olympischen Sommerspiele in Peking eröffnet werden, wird die Welt für 17 Tage vollkommen anders ticken. Der Sport wird die hitzigen Diskussionen um Menschenrechte, Zensur und Politik verdrängen und das dominierende Tagesthema sein. Das Fernsehen berichtet rund um die Uhr und allein in Deutschland auf sieben Kanälen. Neben dem Ersten und dem […]

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Wenn am Freitag die Olympischen Sommerspiele in Peking eröffnet werden, wird die Welt für 17 Tage vollkommen anders ticken. Der Sport wird die hitzigen Diskussionen um Menschenrechte, Zensur und Politik verdrängen und das dominierende Tagesthema sein. Das Fernsehen berichtet rund um die Uhr und allein in Deutschland auf sieben Kanälen. Neben dem Ersten und dem ZDF werden die Wettkämpfe ausführlich auf Eins festival, Eins plus, dem ZDFdokukanal, dem ZDFinfokanal, Eurosport und Eurosport 2 gezeigt. Muss die private Konkurrent also Angst haben, wie zuletzt bei der Fußball-EM unterzugehen? Gibt es neue Einschaltquotenrekorde? Oder ist der Olympia-Hype übertrieben?

Für eine Antwort auf diese Fragen habe ich mir in aller Ausführlichkeit die Einschaltquoten der vergangenen fünf Sommerspiele angeschaut, also denen von 1988 (Seoul), 1992 (Barcelona), 1996 (Atlanta), 2000 (Sydney) und 2004 (Athen). Erste Erkenntnis: Nicht der Sport war in den vergangenen 20 Jahren der große Olympia-Quotenbringer, sondern die Eröffnungs- und Schlussfeiern. Die drei größten Zuschauerzahlen der fünf Spiele stammen von der Eröffnungsfeier 2004, die mitten in der deutschen Prime Time 12,92 Mio. sahen, von der Eröffnungsfeier 1992, die ebenfalls zu bester Sendezeit 10,46 Mio. einschalteten und von der Schlussfeier 2004, die 9,73 Mio. sahen. Auch sie lief um 20 Uhr deutscher Zeit. Live-Übertragungen der Wettkämpfe kletterten nur 2004 über die 9-Mio.-Hürde und auch dort nur äußerst selten.

Das Problem an den Spielen von Peking: die Zeitverschiebung. Die Eröffnungsfeier findet am Freitag um 13 Uhr statt, wer die Wettkämpfe sehen will, muss im Normalfall von 2 Uhr nachts bis 17 Uhr nachmittags fernsehen. Nicht gerade beste Voraussetzungen für Quotenrekorde. Der arbeitenden Bevölkerung bleiben nur die Zusammenfassungen, die an ZDF-Tagen um 20.15 Uhr zu sehen sind – an Tagen, an denen Das Erste überträgt nur vor 20 Uhr.

Was diese Sendezeiten für die Quoten bedeuten, zeigt ein Blick auf Sydney. Die Zeitverscheibung ist ähnlich der von Peking, die Wettkämpfe fanden im Jahr 2000 meist zwischen 0 Uhr und 15 Uhr statt. Folge damals: Olympia war im Fernsehen ein Programm für Minderheiten. 4 Mio. Zuschauer waren bei Wettkämpfen schon das Höchste der Gefühle und auch die Abendzusammenfassungen schafften nur selten diese Zahlen. Prime-Time-Marktanteile von 10-12% waren nicht gerade ein großer Erfolg. Kein Wunder also, dass Das Erste im Abendprogramm diesmal sogar komplett auf Olympia verzichtet.

Ein paar größere Quoten als 2000 könnte es in Peking aber doch geben – allerdings nur, wenn die deutschen Sportler mithelfen. Sollten die Handballer, die im vergangenen Jahr vor bis zu 17,92 Mio. TV-Zuschauern Weltmeister geworden sind, ins olympische Finale kommen, dürfte die Quoten-Fieberkurve deutlich ansteigen. Denn: Das Endspiel findet am 25. August, dem letzten Olympia-Tag statt, sonntags um 9.45 Uhr. Ohnehin werden vor allem die Sonntage für hohe Zuschauerzahlen sorgen – und dort, sollte sich die Beliebtheitsskala der vergangenen Spiele fortsetzen, vor allem die Wettkämpfe aus Leichtathletik, Handball, Hockey und Reiten. Fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit werden hingegen die Schwimm-Entscheidungen stattfinden: Da US-Network NBC die Wettkämpfe gern in der Prime Time haben wollte, laufen sie mitten in der Nacht deutscher Zeit.

Insgesamt müssen sich die Privatsender also keine großen Sorgen machen: Tagsüber werden ARD und ZDF zwar die Quotencharts dominieren, doch in der Prime Time bleibt auch während der 17 Tage von Peking weitgehend alles beim Alten. Gegen „Dr. House“ oder „In aller Freundschaft“ kommen die Sportler nicht an.

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