Mosley verklagt „Bild“ auf 1,5 Millionen Euro

Max Mosley, Chef des Automobilweltverbandes FIA, fordert nach seinem gewonnenen Prozess gegen das englische Boulevard-Blatt „News of the world“ auch vom Springer-Verlag eine hohe Zahlung. Das Boulevardblatt hatte wie britische Medien berichtet, dass Mosley an einer Sex-Orgie teilgenommen habe und dabei Nazi-Bezüge hergestellt. Die Berichte, die in "Bild" und auf bild.de erschienen, könnten nun teuer werden: Die Anwältin Mosleys hat bereits Strafantrag gestellt und fordert 1,5 Millionen Euro.

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Max Mosley hatte zuvor die „News of the world“ wegen Verletzung seiner Privatsphäre verklagt. Die „News of the world“ hatte auch ein Sexvideo veröffentlicht, das Mosley bei sexuellen Handlungen mit fünf Prostituierten zeigen soll. Der 68-jährige Mosley, hatte den Kontakt zu den Prostituierten zwar eingeräumt, Bezüge zur Nazi-Zeit aber zurückgewiesen: Er sei seit 45 Jahren an sadomasochistischen Praktiken interessiert, dabei spielten Nazi-Phantasien aber keine Rolle. Mosleys Vater Oswald war der bekannteste Faschistenführer Großbritanniens in den 30-er Jahren. Der hergestellte Nazi-Bezug kommt die Boulevardzeitung nun teuer zu stehen. Das Boulevardblatt muss nun eine Entschädigung von 76.000 Euro bezahlen. Außerdem muss die Zeitung die Anwaltskosten Mosleys übernehmen, die auf rund 570.000 Euro geschätzt werden.

Das Gericht urteilte, dass die Berichterstattung über die Sexaffäre die Privatsphäre Mosleys verletzt habe. Auch dessen unkonventionelle sexuellen Aktivitäten seien Privatsache. Allerdings verweigerte Richter David Eady das von Mosley eingeforderte Präzedenzurteil. Es wolle keinen Präzedenzfall schaffen, der investigativen Journalismus in Zukunft behindern könnte. Die Zeitung muss deshalb auch nicht die geforderten Strafzahlungen in Millionenhöhe leisten.

Mosley zeigte sich zufrieden mit dem Urteil. „Ich freue mich sehr über das Urteil, das für die ,News of the world’ niederschmetternd ist. Es hat ihre Nazi-Lüge als vollkommene Erfindung entlarvt“, sagte der Automobilsport-Funktionär, der wegen des Skandals wiederholt zum Rücktritt aufgefordert worden war. Außerdem hätten Medien kein Recht darauf, in einen privaten Raum einzudringen und Erwachsene bei Aktivitäten zu filmen, die nur sie etwas angingen. „Ich hoffe, mein Fall hilft dabei, Zeitungen in Großbritannien davon abzuschrecken, diese Art von Journalismus zu verfolgen“, sagte Mosley. Der Chefredakteur von „News o the week“, Colin Myler, kritisierte das Urteil als Gefahr für die Pressefreiheit: „Diese Geschichte war von öffentlichem Interesse und wurde daher zurecht veröffentlicht.“

Nach Informationen des „Manager Magazins“ hat Mosley nun unter anderem gegen den Vorstand der Axel Springer AG Strafanzeige gestellt, der an der Berichterstattung über seine sexuellen Vorlieben beteiligt war. Auch „Bild“ und „Bild.de“ hatten Fotos aus einem heimlich hergestellten Video veröffentlicht, die Max Mosley bei sadomasochistischen Praktiken zeigten, und darin Nazi-Rollenspiele zu erkennen geglaubt. Angeblich verlangt Mosley Schadensersatz von einer Million von „Bild“, beziehungsweise 500.000 Euro von „Bild.de“. Die Axel Springer AG weist alle Vorwürfe zurück.

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