Murdoch: Geistig auf dem Stand von 1908?

Ein Mann auf Beutezug, ein „Pirat des Journalismus“ – für den amerikanischen Journalisten Mark Bowden ist Rupert Murdoch gleichsam Kapitalist wie Außenseiter. In einem Artikel der US-Zeitschrift „Atlantic Monthly“ charakterisiert er den Medientycoon als einen antiquiert denkenden, „vermögenden, aggressiven Sammler“, dem es mehr um Sensationsmeldungen als um Qualität gehe. Laut Sean Cohan, Chef des History Channel, wird Murdoch demnächst seine Premiere-Anteile aufstocken.

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Murdochs geistige Gegenwart befände sich auf dem Stand von 1908, der Zeit von William Randolph Hearst und Joseph Pulitzer, zitiert die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ Mark Bowden. Damals seien Reporter “weniger Autoren als Bauernfänger und Hochstapler“ gewesen. „Berichterstattung drehte sich darum, der Konkurrenz die nächste Sensationsmeldung vor der Nase wegzuschnappen.“

So würden schon jetzt die bisherigen Markenzeichen des „Wall Street Journal“ – „eigensinnige und umfangreiche Hintergrundstücke“ – zugunsten von „Nachrichtenscoops“ in den Hintergrund gerückt. Die Journalisten müssten sich im direkten Nachrichtenvergleich mit den Kollegen der „Financial Times“ messen lassen.

Murdoch werde für seinen „unternehmerischen Scharfsinn“ gelobt, so Bowden, doch sei er weniger Pionier und Visionär. Allerdings: Murdoch als „schiere Krämerseele“ abzutun, greift laut „FAZ“ zu kurz. Immerhin habe er zum Beispiel bereits 1996 mit seinem Fox News-Channel „eine neue Form des Journalismus“ etabliert. Heute sei es soweit, dass Fox – im Gegensatz  zu CNN – den „politischen Diskurs“ in den USA „bestimmt“.

Die heutige Technologie verschiebe die Macht von den Medienmachern und Verlegern, dem Establishment und der Elite zum Volk, zitiert die „FAZ“ Murdoch. Der hat erkannt: „Um etwas Vergleichbares zu finden, muss man fünfhundert Jahre zurückblicken, zur Druckerpresse, zu der Geburt der Massenmedien, die übrigens die alte Welt der Könige und Aristokraten zerstören sollte.“

Murdoch, dieser weltweit agierende Medientycoon, sei – so schreibt die „FAZ“ weiter – „von einer Faszination am Wandel durch Modernisierung beseelt“. Ein Pragmatiker sei er, der sich nicht wie andere US-Unternehmer mit Millionenspenden für wohltätige Zwecke oder Stiftungen schmücke. Als Gegner einer in Rücksichtnahme zu erstarren drohenden „Political-correctness-Kultur“ sei er kein „allzu eleganter Zocker“. Er entwickle seine Visionen womöglich „im Vorübergehen“ – wie beim Social Network MySpace, dessen Erwerb er im „Wired“-Interview lapidar kommentierte: „Weiß der Himmel, was wir mit MySpace machen. Wir entdecken ja noch, wozu dieses Ding fähig ist.“

Sean Cohan, Chef des internationalen History Channel, schätzt Murdochs Einfluss: „Wir arbeiten sehr positiv mit von Murdoch dominierten Gesellschaften zusammen“, sagte er in einem „FAZ“-Interview. Murdoch habe viel Ahnung davon, wie man eine Pay-TV-Plattform manage.

Dies könnte sich schon bald beim Bezahlsender Premiere bemerkbar machen. „Das Premiere-Exklusivmodell wird vielleicht schon in der nahen Zukunft keinen Bestand mehr haben“, so Cohan. Ein Verdrängungswettbewerb werde letztlich entscheiden, ob Kabel Deutschland oder Premiere gewinnt. Wann das passiere, sei unklar, doch wenn man die Pay-TV-Ressourcen in Deutschland erschließen wolle, müsse das Premiere-Modell geändert werden. „Ich denke, die Besitzverhältnisse von Premiere werden sich ändern“, prophezeit Cohan. Rupert Murdoch werde seine Anteile demnächst aufstocken.

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