Google-Pläne: „Verlage verschlafen Trend“

Der Internetriese will die lokalen Anzeigenmärkte erobern und kooperiert mit Telegate. Im Blick haben die Partner eine Million kleiner und mittlerer Unternehmen, die vor allem in Anzeigenblättern und den Gelben Seiten geworben haben. Grund für Verlagshäuser, nervös zu werden? Nein. Der neue Player werde beobachtet, eine „wilde Hysterie“ gebe es laut BDZV aber nicht. Reza Malek, Director Business Development der Online-Agentur Quisma, kontert: "Die Verlage nehmen das nicht so ernst, wie sie sollten."

Anzeige

Die Idee ist nicht ganz neu. Eine ähnliche Kooperation besteht bereits seit 2004 zwischen Yahoo und dem Telefonbuchanbieter „Das Örtliche“. Aber Yahoo ist nicht Google und der Markt stark umkämpft. Jährlich werden 1,2 Milliarden Euro in diesem Bereich umgesetzt, das meiste davon noch im Printbereich.

Beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) gibt man sich noch gelassen. „Google dringt zwar immer weiter in Bereiche vor, in denen Print aktiv ist“, sagt BDVZ-Sprecher Holger Kansky. Dennoch seien die Zeitungen gut aufgestellt. Vor Jahren schon haben sie eigene Portale gegründet, auf denen sie im Verbund mit anderen Blättern Kleinanzeigen vermarkten. Kalaydo.de, Markt.de, Nordklick.de und Rhein-Main-Klick.de sind einige Beispiele. Es ist ein Wachstumsmarkt, die Verlage hätten sich in der Vergangenheit einige Marktanteile zurückerobert, so Kansky.

„Dass Google mit Telegate kooperiert, zeigt, dass das Unternehmen keine eigene Anzeigenmannschaft aufbauen will, sondern auf Zulieferung angewiesen ist“, sagt der BDVZ-Sprecher weiter. „Zeitungen haben den Vorteil, dass sie lokale Verkaufsteams haben, die sehr nah am Kunden sind und auf seine Bedürfnisse eingehen können.“ Vor allem das crossmediale Angebot sei eine Stärke der Zeitungen: Anzeigen können im Print, online oder auf speziellen Kleinanzeigen-Portalen platziert werden, weitere Möglichkeiten werde es im Bereich Mobile und bei Bewegtbild-Werbung geben. „Das alles bieten die reinen Online-Anbieter nicht.“

Hat Google also überhaupt eine Chance, in diesem Feld Fuß zu fassen? Reza Malek von Quisma, der auch Arbeitskreisleiter SEM im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BDVD) ist, hat daran keinen Zweifel. „Google ist die unangefochtene Nummer eins unter den Suchmaschinen und kann sich mittel- bis langfristig sicher gut positionieren.“ Zum einen verfügt der Internet-Gigant über genügend finanzielle Mittel, um sich auf diesem Feld auszuprobieren und gute Preise zu bieten. Zum anderen ließen sich bereits vorhandene Tools wie GoogleMaps gut in die lokale Suche einbinden. „Da ist noch viel Potenzial“, meint Malek. Die Verlage werden Probleme bekommen, wenn Google aggressiv auf den Markt drängt, weil sie nicht ausreichend vorbereitet sind. „Im Moment sieht es so aus, als hätten die Verlagsgeschäftsführer die Ausmaße noch gar nicht richtig erkannt, geschweige denn, dass sie selbst entsprechende Produkte entwickelt haben, um dem etwas entgegenzusetzen.“ Die Printbranche könnte wieder einmal einen Trend verschlafen.
 
Dabei ist „Local Search“ ein Riesenmarkt und auch für Online-Agenturen ein immer wichtigeres Thema. Rund 40 Prozent aller Suchanfragen im Internet haben bereits einen lokalen Bezug, so das Ergebnis des ersten Teils einer GfK-Studienreihe aus diesem Jahr. Vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen, die regional ausgerichtet sind, ist dies interessant. „Da jeder Google kennt und nutzt, ist es für sie reizvoll, dort gelistet zu sein.“

Das ist die große Herausforderung, der sich Zeitungsverlage zurzeit stellen müssten, gibt auch Kansky zu. Lokale Informationen werden künftig auf mobile Endgeräte gebracht und mit Stadtplänen und Karten kombiniert präsentiert. Das sei der nächste Schritt. „Wer, wenn nicht die Zeitung, hat die besten Voraussetzungen, diesen rasch wachsenden und attraktiven Markt zu besetzen?“, fragt der BVDZ-Sprecher. Die Antwort könnte lauten: Google. Einfach, weil sie schneller sind. „Ich hoffe, dass dieser Vorstoß die Verlagswelt aufrüttelt“, sagt Malek, denn wenn Google auch hier Marktführer wird, wäre das schlecht für die Werbebranche. „Der Werbekunde braucht Vielfalt – je mehr, desto besser.“

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige