Anzeige

Finanzlage bei ProSiebenSat.1 kritisch

Einen “perfect storm“ nennen die Seeleute eine Wetterlage auf hoher See, der man nur mit geringer Chance lebendig entrinnen kann. In solch einem heftigen Unwetter befindet sich seit geraumer Zeit auch die deutsche Sendergruppe ProSiebenSat1 AG. Doch jetzt kommt’s noch dicker. Die Deutsche Bank hat die Lage analysiert und rät, so die „Süddeutsche Zeitung“, den Anlegern zum Verkauf ihrer Sender-Aktien. Noch vor einem Jahr lag die Aktie bei knapp 30 Euro, aktuell bei rund 5 Euro.

Anzeige

Wenn die größte deutsche Bank sich so weit aus dem Fenster lehnt, muss die Lage mehr als dramatisch sein – auch wenn der TV-Konzern inoffiziell von Schwarzmalerei spricht und die Einschätzung der Analysten, so die „SZ“, als „völlig unrealistisch“ abtut. In der Tat bemühen sich beide Sender, ihre Programme, zu denen immerhin  auch erfolgreiche Protagonisten wie Heidi Klum und Stefan Raab gehören, „nicht unimposant“ („taz“) aufzupolstern. So sollen bei Sat 1 an die 30 TV-Movies an den Start gehen.

Doch ob damit die schwere Krise des Konzerns – die Worst-case-Szenarios gehen bis zu dessen Zerschlagung – abgewendet werden kann, ist zweifelhaft. Zu viele Negativ-Faktoren sind bereits zusammengekommen.

Da ist vor allem die drückende Schuldenlast von mehr als drei Milliarden Euro. Sie resultiert vor allem daraus, dass die Finanzinvestoren Permira und KKR, die ProSiebenSat1 Anfang 2007 übernommen haben, dem Senderverbund große Teile ihres Investments aufluden. Kein Wunder, dass Sparmaßnahmen angesagt sind, vom Abbau von 155 Stellen geht die Rede. Schon warnte der Betriebsrat in einem Offenen Brief vor der „falschen Strategie“ und einem „Erosionsprozess“.

Beim Spitzenpersonal hat dieser Vorgang längst eingesetzt. Kürzlich erst gab Konzernchef Guillaume de Posch seinen vorzeitigen Rückzug bekannt; andere Manager hatten bereits vorher das Handtuch geworfen. Ein Nachfolger für de Posch ist offenbar noch nicht in Sicht.

Laut „Süddeutsche“ sollen sie alle den Himmelfahrts-Job abgelehnt haben: Thomas Middelhoff (Arcandor), Fred Kogel (Constantin), Gerhard Zeiler (RTL) und natürlich auch Georg Kofler, früher Pro 7 und Premiere.

So wütet, wie im gleichnamigen Katastrophenfilm von Hollywood-Regisseur Wolfgang Petersen,  der „perfect storm“ weiter. Die 30-Seiten-Anlayse der Deutschen Bank kommt, laut „taz“, denn auch zu einer zweiten ungewöhnlichen Empfehlung: Man möge die Dividende senken. Das werden die Investoren nicht gerne hören, die sich erst kürzlich trotz der Schieflage des Konzerns ordentlich was aufs Konto geschrieben hatten.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige