„BILD wird im Internet zu BewegtBILD“

Seit über zehn Jahren wiederholt die Bild.de-Chefredaktion immer denselben Satz: „BildPrint ist Marktführer in Deutschland. Bild.de soll es bald auch sein.“ Am Ende des Tages hatte dann doch Spiegel Online die Nase vorn. Jetzt holt das Boulevard-Portal auf. Im MEEDIA-Interview verrät Online-Chefredakteur Manfred Hart nun das Erfolgsgeheimnis seiner Seite: Unterhaltung, News und Sport mit viel regionalem Flair. Überraschende Erkenntnis: Sex interessiert den Bild Online-Leser nicht.

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Gratulation zum Knacken der 800-Millionen-Marke bei den Klicks. Bei den PIs haben Sie Spiegel Online schon überholt. Bei den Besuchern führt der Rivale noch mit 89,1 zu 65,7 Millionen Visits. Wann folgt auch der Angriff bei den Besucher-Zahlen?
Danke für die Glückwünsche. Bei den PIs liegen wir weit vorne – aber natürlich ist es unser Ziel, auch bei den Visits und den Unique Usern Nummer Eins zu werden. BILD Print ist Marktführer in Deutschland. BILD.de soll es bald auch sein.

Wie wollen sie noch mehr Besucher auf ihre Seite locken?
Vor allem durch guten Journalismus: Exklusive Nachrichten-Stories aus allen Bereichen, exzellente Unterhaltung – und fürs Auge die besten Fotos. Zudem soll möglichst jede Story mit einem Video online gehen. Wir wollen damit die User, die kaum noch Zeitung lesen, an die Marke BILD binden.
Aber auch die Auffindbarkeit unserer Inhalte auf Suchmaschinen wollen wir erhöhen.

Was ist bislang das Erfolgsgeheimnis von Bild.de?
Wie bereits gesagt, guter Journalismus und eine perfekte Verzahnung der großen Print-Redaktion mit den Online-Kollegen.

Mit den neuen Regionalausgaben starteten sie die ersten Lokalportale. Was sind die Erfahrungen der ersten Monate?
Wir sind sehr zufrieden mit den Lokal-Auftritten – ob nun seit Dezember in Berlin, seit Februar in Hamburg oder seit ein paar Wochen in München: Überall ist es uns aus dem Stand gelungen, mit der Konkurrenz vor Ort mitzuhalten. Und die Besuchszahlen steigen.

Bauen sie mit den Regionalausgaben das Erfolgskonzept der Print-Mutter nach?
Die gedruckte Ausgabe von BILD hat mehr als 30 regionale Ausgaben, und das ist Stärke und Potenzial. Auch Online werden wir weiter regionalisieren, aber sicherlich nicht bis in die kleinste Stadt. Seit langem gibt es auf BILD.de Input aus den regionalen Printausgaben. Bestes Beispiel ist unsere Bundesliga-Berichterstattung. Sie bekommen nur mit BILD.de z. B. auch in München alle Infos über den HSV, Hertha, Werder etc. Und es gibt exklusive Bewegtbilder vom Training oder Interviews mit Spielern, die von BILD-Sport-Reportern vor Ort täglich erstellt werden. Kein anderes Portal verfügt über so viele Stoffe von den Bundesligisten mit dieser Kompetenz. Ähnlich machen wir es jetzt in der Unterhaltung. Die Klatsch-Berichterstattung der Regional-Ausgaben wird für das Online-Portal gebündelt. Das ist täglich der größte rote Teppich Deutschlands.

Was sind die großen Klickbringer bei Bild.de?
Sport, Unterhaltung und News sind die drei wichtigsten Säulen. Sie machen zusammen über 60 Prozent des Traffics aus. Aber auch die Service-Berichterstattung wird immer wichtiger. Um ein Vorurteil auszuräumen: Auf unserer Erotik-Bühne landen nicht mal fünf Prozent der Besucher.

Wie wichtig sind ihre Videoangebote?
Bewegtbild-Inhalte sind die Zukunft. BILD wird im Internet zwangsläufig BewegtBILD. Wir glauben, dass sich die Art, Geschichten journalistisch zu erzählen, dramatisch ändert: kurze, informative Texte, mit vielen Links zu Hintergründen und Archiven, beste (möglichst exklusive) Fotos und BILDgerechte eigens produzierte oder aufbereitete Bewegtbilder. Einfach nur Nachrichten-Feeds oder andere vorgefertigte Produkte zu versenden, ist nicht der Weg von BILD.de.

Auf wie viele Videoabrufe kommt Bild.de im Monat?
Wir haben im vergangenen Monat ungefähr 700 Videos online gestellt und in diesem Bereich weit mehr als 20 Millionen PIs generiert. Damit liegen wir mit unserem Angebot sehr weit vorne in Deutschland.

Trägt sich Bild.de selbst oder muss die Online-Tochter noch von der Print-Ausgabe subventioniert werden?
Wir haben in den letzten Jahren Geld verdient. Und das wollen wir auch in den kommenden Jahren.

Wie aktiv setzen sie auf Suchmaschinen-Optimierung?
BILD ist Orientierung und Massenmedium, unsere Nutzer sind treu und kommen oft mehrmals täglich. Zusätzlich müssen unsere Inhalte für Suchmaschinen als Themen auffindbar sein, das ist selbstverständlich. Manipulation, die in Richtung Spam geht, haben wir nicht nötig.

Wie hoch würden Sie den Besucher-Anteil beziffern, der nur über Google und durch Zufall auf Bild.de gelandet ist?
In Relation zu treuen Nutzern und zu Nutzern, die wegen der Marke kommen, ist dieser Anteil eher gering, denn in der Regel kommt man auf BILD.de nicht durch Zufall, sondern weil BILD draufsteht. Aber auch Besucher, die über Suchmaschinen bei uns landen, sind bei einer Seite mit 65 Millionen Visits, in absoluten Zahlen eine relevante Größenordnung. Denn wir bieten aktuelle und exklusive Themen und Inhalte, nach denen gesucht wird.

Sollten sich die Online-Nachrichten-Portale einem freiwilligen Ehrenkodex im Bereich des Suchmaschinen Marketings auferlegen?
Suchmaschinenmarketing ist der Kauf von Traffic gegen Bezahlung. Hiervon machen viele unserer Wettbewerber Gebrauch. Wir wachsen auch ohne dieses Instrument. Was Suchmaschinen Optimierung angeht: Ich glaube, wir brauchen keinen „Kodex“: Qualität wird sich von allein durchsetzen, mit Manipulation kann nur ein begrenzter Teilerfolg erzielt werden.

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