GfK und Investor Herz wollen TNS kaufen

Bei ihrem Vorhaben, TNS zu kaufen, erhält das Marktforschungsunternehmen Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg Unterstützung durch den Investor Günter Herz. Der milliardenschwere Tchibo-Erbe, der 2006 den Schiffsdienstleister Germanischer Lloyd vor einer Übernahme rettete, zählt zu den reichsten Deutschen. Zuvor war nach langem Hin und Her die Fusion der GfK mit Taylor Nelson Sofres (TNS) an einem feindlichen Übernahmeangebot von WPP-Chef Martin Sorrell gescheitert.

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In einer Pressemitteilung hatte die GfK bekannt gegeben, dass sie sich mit TNS geeinigt habe, „den Vertrag über den beabsichtigten Zusammenschluss beider Unternehmen aufzuheben“. Damit zogen die Unternehmen einen Schlussstrich unter ihr Vorhaben, den „Zusammenschluss unter Gleichen“ doch noch zu bewerkstelligen. Die GfK traf diese Entscheidung in Absprache mit TNS, nachdem der britische Werbekonzern WPP ein feindliches Übernahmeangebot für TNS im Wert von 1,35 Milliarden Euro vorlegt hatte. Eine letzte Chance sah die GfK in einem eigenen Kaufvorstoß dennoch. Mit Günter Herz an der Seite könnte die Verbindung jetzt Wirklichkeit werden.

Die Fusion war bereits Ende April von GfK und TNS vereinbart worden, stieß aber in der Folge auf Kritik des Freistaats Bayern und der Stadt Nürnberg und der Mitarbeiter. Denn nach einer Zusammenlegung, so wurde befürchtet, könnte die Konzernzentrale nach London verlegt werden – mit möglichen Konsequenzen für die 1600 GfK-Beschäftigten in Nürnberg.

Insbesondere einflussreiche Mitglieder des GfK-Vereins, mit 57 Prozent Mehrheitseigentümer der GfK, zeigten sich skeptisch. Der Verwaltungsrat des Nürnberger Marktforschungsunternehmens hatte den Fusionsplänen mit dem britischen Wettbewerber TNS dagegen mit knapper Mehrheit zugestimmt. Wegen vieler offener Fragen und strittiger Punkte wurde die Abstimmung über den Zusammenschluss zuletzt auf den 24. Juli verschoben.

Unterdessen ließ der britische Marketingkonzern WPP nichts unversucht, die GfK-TNS-Fusion zu torpedieren. WPP unterbreitete seinerseits drei Übernahmeangebote für TNS, WPP-Chef Martin Sorrell hatte Gerüchte gestreut, dass die Zusammenlegung auch einen deutlichen Stellenabbau nach sich ziehen würde.

Die bisherigen WPP-Angebote hatte TNS als zu niedrig abgelehnt – ohne Zahlen zu nennen. Dem aktuellen Vorstoß können sich die Londoner nicht entziehen: WPP wendet sich mit seinem neuesten Angebot direkt an die Anteilseigner von TNS.

Das Kaufangebot für TNS, mit dem die GfK nun kontert, wird mit finanzkräftiger Unterstützung von Günter Herz erfolgen. Der 67-jährige Tchibo-Erbe war maßgeblich an der Tchibo GmbH und der Beiersdorf AG beteiligt und besitzt ein Viertel des Sportartikelunternehmens Puma. Seine Investmentgesellschaft Mayfair bewahrte den Germanischen Lloyd 2006 vor einer Übernahme. Auf der Liste der „reichsten Deutschen“ des „Manager Magazins“ rangierte Herz 2006 mit einem Vermögen von 5,1 Milliarden Euro auf Platz neun. Herz lebt zurückgezogen, seine Freizeit widmet er dem Segeln und Pferden.

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