Vom Angstgegner zum Hoffnungsträger

Als Rupert Murdoch 2002 nach der Insolvenz der Kirch-Gruppe den Versuch abbrach, seinen Herrschaftsbereich auf den deutschen Medienmarkt auszuweiten, ging auch ein Seufzer der Erleichterung durchs Land. Die globale Gefahr war abgezogen. Jetzt ist der Medienmogul wieder da, er hält mittlerweile ein Viertel der Premiere-Anteile. Heute, so die "Berliner Zeitung", löst sein Engagement hierzulande Hoffnungen aus – vor allem bei den Aktionären. Ein Zeichen, wie sehr die Branche sich verändert hat.

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Noch bevor das Wort von der Heuschrecke Deutschland Furcht einflößte, griff der australische Medien-Gigant nach dem deutschen Fernsehen und versetzte die Nation in Angst. Der Unternehmer, der Medien unter rein marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet und so die Kontrolle über den Zeitungs- und TV-Markt des halben Globus erlangt hat, würde bald auch bei uns den Niedergang der medialen Kultur einleiten.

Bereits dreimal setzte Murdoch zum Sprung auf den deutschen TV-Markt an. 1994 versuchte er bei Vox einzusteigen, konnte sich aber nicht gegen den Konkurrenten Bertelsmann durchsetzen. Vier Jahre später versorgte er wiederum erfolglos den kleinen Sender tm3 mit den Übertragungsrechten für die Champions League. 1999 stieg er bei Leo Kirchs Pay-TV-Sender Premiere ein; dieser bislang letzte Versuch endete mit einer spektakulären Insolvenz und einem Verlust von 1,7 Milliarden Euro für Murdoch.

Trotzdem ist ihm der Appetit auf den deutschen Markt nicht vergangen. Der 77-Jährige wagt 2008 einen erneuten Versuch. Im Internet ist seine NewsCorp erfolgreich mit dem deutschen Ableger von MySpace vertreten. Doch es geht um mehr. „Pay-TV gehört zu den Kernaktivitäten der News Corporation“, sagte Murdoch im Januar zur „Süddeutschen Zeitung“.

Damals gehörten ihm bereits wieder 15 Prozent von Premiere, für die er 287 Millionen Euro bezahlt hatte. Mittlerweile hat er auf über 25 Prozent aufgestockt. Um seine weiteren Erfolgschancen steht es günstig.

Denn die deutsche Medienlandschaft hat sich weitgehend verändert. Im Zuge der Globalisierung sind die sogenannten Heuschrecken über Zeitungen und Sender hergefallen, oft mit den befürchteten Folgen. Das Drama um die „Berliner Zeitung“ ist nur ein Beispiel unter vielen.

Wenn große Teile der Branche schon von eiskalten Finanzinvestoren berherrscht wird, so das Empfinden vieler Insider, kann man froh sein, mit Murdoch einen Akteur zu haben, der wenigstens etwas vom Mediengeschäft versteht. Man traut dem Fachmann zu, die Karre aus dem Dreck zu ziehen.

Denn Premiere schwächelt und kämpft gegen Kundenschwund und sinkende Einnahmen, seit der Sender 2007 vorübergehend die Übertragungsrechte für die Fußballbundesliga verloren hatte. Aktuell gibt es ein gravierendes Problem mit der Verschlüsselungstechnik.

Vor allem aber gelten auch in der deutschen Medienlandschaft zunehmend die Gesetze des Finanzmarkts. Die Aktionäre, die am heutigen Donnerstag auf der Hauptversammlung zusammenkommen, setzen deshalb ihre Hoffnungen auf Rupert Murdoch. Der hat die Erweiterung des Aufsichtsrates von drei auf sechs Mitglieder beantragt und seine Kandidaten bereits vorgestellt.

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