Deutscher EM-Auftakt bricht alle Rekorde

Unglaubliche Zahlen von der Fußball-EM: Das erste Spiel der deutschen Mannschaft gegen Polen sahen am Sonntagabend 23,66 Mio. im ZDF. Nie zuvor schalteten so viele Menschen das erste deutsche Spiel bei einer EM ein - und nur vier Matches hatten seit 1988 überhaupt mehr Zuschauer, darunter zwei Finals. Bereits am Samstag hatten die beiden Spiele ohne deutsche Beteiligung mit jeweils mehr als 10 Mio. Zuschauern für die höchsten Eröffnungsspiel-Zahlen seit 20 Jahren gesorgt.

Anzeige

10,16 Mio. hatten die Niederlage der Schweiz gegen Tschechien gesehen, 10,52 Mio. später den Sieg Portugals gegen die Türkei. Der Sonntag begann dann mit 10,48 Mio. beim Spiel Österreich gegen Kroatien und endete schließlich mit den unfassbaren 23,66 Mio. des deutschen Spiels gegen Polen. Selbst bei der WM vor zwei Jahren hatte das deutsche Auftaktspiel nicht so viele Zuschauer. Auch im jungen Publikum sorgte die EM gleich für Bestleistungen. So fieberten am Sonntag 10,67 Mio. 14- bis 49-Jährige beim deutschen Sieg mit. Das ist natürlich auch in beiden wichtigen Publikumsgruppen die höchste gemessene Zuschauerzahl im Jahr 2008. Bei den 14- bis 49-Jährigen hielt den bisher der ProSieben-Film „Das Vermächtnis der Tempelritter“, den im Januar 5,49 Mio. einschalteten, insgesamt hielt den Rekord des Jahres bis Sonntag eine „Wetten, dass..?“-Ausgabe aus dem März mit 11,96 Mio. Sehern.
Andere Sender hatten angesichts der EM-Übermacht nicht den Hauch einer Chance. Am Sonntag zog sich einzig das Formel-1-Rennen bei RTL noch recht gut aus der Affäre. Pünktlich vor dem deutschen Match zu Ende gegangen, schauten es immerhin 4,77 Mio. Fans, darunter 2,11 Mio. Werberelevante. Das sind zwar extrem geringe Zahlen für einen Kanada-Grand-Prix, aber angesichts der Konkurrenz kann RTL mit dem erzielten Marktanteil von 19,2% absolut zufrieden sein. Der ProSieben-Film „So was wie Liebe“ kam als zweitbeste Privat-TV-Sendung des Sonntags nur auf 1,00 Mio. Werberelevante und einen Marktanteil von 7,1%. Kein Sender außer dem ZDF schaffte bei den 14- bis 49-Jährigen am Sonntag einen zweistelligen Marktanteil: Hinter den Mainzern (32,9%) folgen abgeschlagen RTL (9,4%) und ProSieben (8,3%).
Am Samstag lief es im jungen Publikum für ProSieben und kabel eins am wenigsten schlecht. Mit einem Tagesmarktanteil von 9,3% lag ProSieben zwar unter den Normalwerten der vergangenen Monate (11,8%), aber nicht so deutlich wie RTL, das bei nur 10,6% strandete oder Sat.1, das nur 7,6% erreichte. Auch ProSiebens US-Serie „Die Tudors“ startete angesichts der übermächtigen Fußball-Konkurrenz mit ordentlichen Zahlen: 910.000 Werberelevante sorgten immerhin für 9,2%. kabel eins erreichte mit seinem „Star Trek“-Marathon während des Fußballs fast Normalniveau – später am Abend kletterte man sogar auf über 10%. Marktführer bei den Sendern war natürlich in beiden wichtigen Zuschauergruppen das ZDF: im Gesamtpublikum mit 27,1%, bei den 14- bis 49-Jährigen mit 25,6%. Die Wochenend-Quoten in der Detail-Analyse:
RTL: Am Samstag schaffte bei RTL nach 12 Uhr mittags keine einzige Sendung den Senderdurchschnitt der vergangenen Monate. Am annehmbarsten lief es noch für den Prime-Time-Film „Honey“, der auf 13,8% kam, das Formel-1-Qualifying schaffte zuvor nur 9,3%. Das Rennen erzielte am Sonntag wie erwähnt weitaus bessere Quoten: 19,2% trotz Fußball-Konkurrenz. Während des Deutschland-Spiels gab es für RTL – wie für fast alle anderen Sender auch – die schlechtesten Prime-Time-Quoten des Jahres: „CSI: Miami“ fiel auf 4,5%, für „Spiegel TV“ blieben 4,6%. In den beiden Tageswertungen erreichte RTL 10,6% (Samstag) und 9,4% (Sonntag).

ProSieben: Bei ProSieben begann der Quotenabsturz am Samstag pünktlich um 16 Uhr. Zuvor hatte „Scrubs“ noch 14,6% geholt, danach gab es bis 3 Uhr nachts nur noch einen zweistelligen Marktanteil: 10,1% für „Wes Craven präsentiert Dracula II – The Ascension“. Die US-Serie „Die Tudors“ erlebte aber mit 9,2% gegen den Fußball einen durchaus annehmbaren Start. Am Sonntag lief es ähnlich: Die 14,1% des Films „Autobahnraser“ waren um 14.20 Uhr der letzte normale Marktanteil des Tages, danach gab es erst kurz vor Mitternacht mit 10,1% für „Der Feind in meinem Mann“ wieder einen zweistelligen Wert. Um 20.15 Uhr schlug „So was wie Liebe“ mit 7,1% immerhin die private Konkurrenz. In der Senderwertung kam ProSieben mit 9,3% (Samstag) und 8,3% (Sonntag) ins Ziel.

Sat.1: Auch Sat.1 fiel mit dem Startschuss der EM-Übertragungen im ZDF auf miserable Marktanteile. Am Samstag gab es u.a. desaströse 3,7% für „Clever“, um 20.15 Uhr 6,0% für den Film „Hardball“ und erst um 22.50 Uhr mit den 10,1% für „Genial daneben“ einen zweistelligen Marktanteil. Am Sonntag schafften „Pastewka“ und „Navy CIS“ wenigstens noch 6,2% und 6,3%, ab 21.15 Uhr ging es dann aber richtig in den Keller: 3,3% für „Numb3rs“ und 3,2% für das „Sechserpack“. Zweistellige Marktanteile gab es nach 14.30 Uhr überhaupt nicht. In der Senderwertung erzielte Sat.1 damit 7,3% (Samstag) und 7,6%( Sonntag).

Vox: 4,5% am Samstag und 5,3% am Sonntag sind auch für Vox ein typisches fußballgeschädigtes Ergebnis. Am Samstag blieben alle Formate von 18 Uhr bis 23.50 Uhr bei Marktanteilen zwischen 4,7% („Hundkatzemaus“) und 5,8% („Marabunta“) stecken, am Sonntag schaffte immerhin das Boulevardmagazin „Prominent!“ direkt nach dem Deutschlandspiel gute 8,2%. Zuvor war die Wiederholung des „Perfekten Promi Dinners“ bei 2,9% hängen geblieben.

Das Erste: Im Ersten gab es vor dem eigenen EM-Startschuss, der am Montag stattfindet, keinen einzigen zweistelligen Marktanteil im jungen Publikum. Mit 3,7% am Samstag und 4,5% am Sonntag blieb der Sender wie die Konkurrenz weit unter seinen Normalwerten. Schaffte die 20-Uhr-„Tagesschau“ am Samstag noch sehr gute 9,6% brachen die Zahlen direkt danach ins ich zusammen: 2,3% für den „Musikanten-Dampfer“, 1,9% für die „Tagesthemen“ und 2,7% für „Fletch, der Troublemaker“. Am Sonntag konnte sich auch der „Tatort“ kaum gegen die übermächtige Fußballkonkurrenz sträuben: Nach den wiederum guten 8,6% für die „Tagesschau“ erzielte er im jungen Publikum 5,8%. Ganz bitter sah es für „Anne Will“ aus, die nur 150.000 junge Zuschauer (Marktanteil: 1,0%) einschalteten.

ZDF: 25,6% und 32,9% sind Tagesmarktanteile, die das ZDF im jungen Publikum ohne Fußball zuletzt in den 80er Jahren erreicht hat. Mit Fußball lockt man aber eben auch die jungen Zuschauer, die dem Sender sonst fernbleiben. Um 16.15 Uhr stieg der ZDF-Marktanteil schnell von den 8,2% für „Lafer!Lichter!Lecker!“ auf 22,3% an, das Spiel Schweiz-Tschechien kletterte auf 55,2%. Alle Moderationen und Analysen blieben bei über 30%, Portugal-Türkei erzielte schließlich 44,4%. Profitieren konnte auch die grottige Witzesendung „Nachgetreten!“, die immerhin noch 18,6% holte. Ähnlich der Start am Sonntag: 21,0% für das „EM-Studio“, 46,0% für Österreich-Kroatien. Das Rekordspiel der Deutschen gegen Polen erkämpfte sich schließlich grandiose 71,9%, die Analysen noch bis zu 44,5% und „Nachgetreten!“ 28,0%. Schade für das ZDF: Nach der EM flüchten all diese jungen Zuschauer wieder.

RTL II: Mit 4,6% und 4,7% reihte sich auch RTL II in das Feld der Verlierer ein. Am Samstag lief bis 17 Uhr alles noch im Rahmen, danach gab es nur noch 4,7% für „Big Brother“, 2,4% für „Corellis Mandoline“ und 2,9% für „Sprengkommando Atlantik“. Ähnliches Bild am Sonntag: um 15 Uhr noch sehr gute 9,9% für „In Teufels Küche mit Gordon Ramsay“, danach nur noch Werte wie 3,4% für „Welt der Wunder“, 2,0% für „Kollisionskurs: Panik im Tower“ und 2,8% für „Law & Order: New York“. Dauerbrenner „Autopsie – Mysteriöse Todesfälle“ erzielte nach 23 Uhr immerhin 7,0%.

kabel eins: Dank „Star Trek“ konnte kabel eins dem Fußball am Samstagabend trotzen. Der Marathon mit zehn vom Publikum gewählten „Das nächste Jahrhundert“-Episoden startete mit ordentlichen 5,1% und legte nach dem Fußball in der Nacht auf bis zu 13,3% zu. Am Sonntag gab es solche Zahlen natürlich nicht noch einmal: 1,6% für „Mein neues Leben – XXL“ und 1,3% für „Mein neuer Job“ sind auch bei kabel eins das üblich schlimem Bild. In den Tageswertungen zog sich der Sender mit 5,1% (Samstag) und 4,1% (Sonntag) aus der Affäre.

Die kleineren Sender: Natürlich haben auch die Kleinen unter den hohen Fußball-Quoten gelitten. Große Quoten waren daher vor allem in den Abendstunden Mangelware. Im Nachmittagsprogramm holte sich Eurosport am Samstag vor dem Start der EM bis zu 4,5% mit dem Qualifying der Motorrad-WM, am Sonntag sogar bis zu 5,7% mit den dazugehörenden Rennen. Das DSF erreichte mit seinem „EM Doppelpass“ am Sonntagmorgen 5,1%, der KI.KA in der Mittagszeit gewohnt sensationelle 6,8% mit dem Märchen „König Drosselbart“. Bei den 14- bis 49-Jährigen wohlgemerkt. 320.000 14- bis 49-Jährige standen dort 140.000 Kindern gegenüber. Einzig erwähnenswerte Abendquoten: „Stahlnetz“ schaffte am Sonntagabend im NDR Fernsehen gute 2,2%, „Die Rosenkönigin“anschließend 2,3%.

Das Gesamtpublikum: Die Fußball-EM dominiert die Quotencharts nach Belieben. Auf den ersten zehn Plätzen finden sich an beiden Wochenend-Tagen auch im Gesamtpublikum fast nur EM-Sendungen des ZDF. Neben den bereits ausführlicvh gewürdigten EM-Zahlen erging es im Gesamtpublikum dem Ersten noch am besten. Am Samstag sahen die 20-Uhr-„Tagesschau“ 5,19 Mio. (23,4%), den „Muiskanten-Dampfer“ 4,26 Mio. (16,7%) – zwei trotz Fußball sehr gute Werte. Am Sonntag lief die „Tagesschau“ bei 5,11 Mio. Zuschauern (18,7%), der „Tatort“ trotz Deutschland-Spiel immerhin noch bei 3,51 Mio. (10,7%). Der Formel-1-Grand-Prix zug zuvor 4,77 Mio. Fans (17,6%) zu RTL.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige