Thomson macht dem Oldie Beine

Seit einem halben Jahr gehört Rupert Murdoch das „Wall Street Journal“, seit Mai ist Robert Thomson neuer Chefredakteur – und schon ändert sich das Blatt. Meinungsseiten werden durchlässiger für liberale Ansichten, politische Themen wandern auf die erste Seite, Artikel werden kürzer und lesbarer. Der Australier Thomson, der ebenso wie Murdoch für diesen Wandel steht, plant laut "Süddeutscher Zeitung" noch mehr: Mit seiner Hilfe soll das "Journal" zur globalen News-Marke werden.

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Deshalb leitet der 47-jährige neben der Redaktion auch die Dow Jones-Nachrichtendienste. In dieser Personalunion will Thomson die News Corp als Nachrichtenagentur stärken und beides, Nachrichtendienste und „Journal“, „ zu einem weltweiten Angebot“ ausbauen („SZ“). Das „Wall Street Journal“ als Dachmarke eines Print- und Online-Imperiums, das nicht nur Reuters und Bloomberg Konkurrenz macht, sondern vor allen Dingen die „New York Times“ als weltweit wichtigste Tageszeitung angreift.

Schon einmal verfolgte Rupert Murdoch dieses Ziel: mit der Londoner „Times“. Und auch dort war Robert Thomson der Mann, dem Murdoch sein Vertrauen schenkte. Das britische Traditionsblatt war für diese Umwandlung nicht geschaffen – das gut hundert Jahre jüngere „Wall Street Journal“ könnte es eher sein.

Die erste Neuerung bei der Online-Ausgabe, WSJ.com, hat Thomson schon zuwege gebracht. Ab sofort gibt es unter der Rubrik „Journal Women“ ein Ressort, das Leserinnen ansprechen soll. Doch weder Beautytipps noch Erziehungsratschläge sind hier zu finden. Stattdessen: Genderfragen, Karriere-Themen, Portraits erfolgreicher Geschäftsfrauen. Da ist das „Journal“ dann doch wieder auf der Wall Street beheimatet.

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