Springer im Krieg gegen sich selbst

Die polnische Boulevardzeitung „Fakt“ ist mit einer Auflage von ca. 500.000 Exemplaren die größte Zeitung Polen. Die Zeitung hat den deutschen Star Michael Ballack in einer Fotomontage eine Pickelhaube aufgesetzt, darüber wurde der polnische Trainer Leo Beenhakker mit Schwert in der Hand montiert. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. „Polen gehen auf Ballack“ los, empörte sich „Bild“. Der Witz dabei: Die beteiligten Blätter „Fakt“ und „Bild“ gehören beide zu Springer.

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Während die Springer-Zeitungen munter Ressentiments schüren will die „Fakt“-Konkurrenz in Polen noch eins draufsetzen. „Super Express“ fotomontierte die abgeschlagenen Köpfe von Ballack und Jogi Löw. „Bild“ schäumt „Sie hetzen immer weiter“. Riesen-Rauschen im Blätterwald.

„Bild“-Chef Kai Diekmann war bei der Gründung von Fakt lange Zeit selbst als Berater in Polen und hat den Journalisten dort Boulevard-Handwerk nach „Bild“-Manier eingebleut. Offenbar mit Erfolg. Diekmann und der polnische „Fakt“-Chefredakteur Grzegorz Jankowski dürften den so genannten Presse-Krieg selbst nicht so ernst nehmen. Für die beiden Profis gehört so etwas zum üblichen Geplänkel vor einem wichtigen Fußball-Länderspiel. Emotionen und Auflage wollen angeheizt werden. Springer beherrscht in Polen 45 Prozent des Zeitungsmarktes. Da muss man sich schon Mal selbst anstacheln, damit man nicht zu bräsig wird.

Dabei ist die mediale Beziehung zwischen Polen und Deutschland eine besonders heikle  und gegenseitiges Niedermachen in der Berichterstattung hat eine traurige Tradition. Unvergessener Tiefpunkt auf polnischer Seite war das Cover der polnischen Zeitschrift „Wrpost“, das die Chefin des Verbands der Vertriebenen, Erika Steinbach, als SS-Domina auf dem Rücken des damaligen Kanzlers Gerhard Schröder zeigte. Umgekehrt sind auch deutsche Medien nicht immer mit Fingerspitzengefühl gesegnet. Die Satire der „taz“ über die polnischen Regierungszwillinge Kaczynski hieß „Schurken, die die Welt beherrschen wollen: Polens neue Kartoffeln“ und sorgte sogar für diplomatische Verwicklungen.

Verglichen damit sind die aktuellen Fußball-Schmähungen zwar geschmacklos aber harmlos. In Polen äußern sich Fans und seriöse Zeitungen wie „Rzeczpospolita“ und „Gazeta Wyborcza“ empört über die Boulevard-Schlammschlacht. Auch die Diplomatie ist nicht auf Linie der kämpferisch gestimmten Presse. Der polnische Botschafter in Deutschland, Marek Prawda sagte: „Das ist eine idiotische Geschmacklosigkeit.“ Als Springer mit „Fakt“ in Polen startete wurden Befürchtungen laut, die Zeitung könne deutsche Propaganda nach Polen importieren. Zumindest dieser Verdacht hat sich nach der aktuellen Presse-Schlammschlacht erledigt.

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