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NYT: Bertelsmann will Sony-Anteile abstoßen

Die Beförderung von Markus Dohle zum Random House-Chef sehen Branchenbeobachter als Zeichen einer grundlegenden Veränderung bei Bertelsmann – nicht unbedingt einer positiven: Der Konzern plant, eine unprofitable Buchsparte in den USA zu verkaufen, und verhandelt in den nächsten Tagen über den Verkauf seiner Anteile an Sony BMG, berichtet die „New York Times“. Mit dieser Strategie stärkt Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski die Servicesparte und entfernt sich vom einstigen Kerngeschäft.

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Die amerikanischen Medien beobachten Bertelsmann mit Skepsis – erst recht seit der Berufung Dohles in die Chefetage von Random House. Ist er der richtige für den Job? Die „New York Times“ formuliert es so: „Es ist, als würde man dem Chef-Mechaniker die Leitung einer ganzen Fluggesellschaft übertragen.“ Viel deutlicher kann man es kaum sagen.

Bisher stand die Servicesparte von Bertelsmann, die unter anderem ein Call Center für Lufthansa betreibt und verschiedene Dienstleistungen für deutsche und britische Städte anbietet, im Hintergrund des Konzerns. Doch das ändert sich gerade: Während Bertelsmann mit schwachen Anzeigenerlösen, rückläufigen CD-Verkäufen und einem stagnierenden Buchklubgeschäft in den USA kämpfte, hatte Arvato keine Umsatzeinbrüche zu beklagen – im Gegenteil: Das Unternehmen erwirtschaftete rund ein Viertel des Jahresumsatzes von Bertelsmann, der bei 29 Milliarden Dollar lag.

„Das Servicegeschäft ist gut für unser Mediengeschäft“, sagt Hartmurt Ostrowski. „Es verteilt unsere Risiken und eröffnet uns Chance, die andere Unternehmen nicht haben.“ Er sagt nicht, welchen Anteil am Umsatz der Servicebereich in zehn Jahren haben wird. Beobachter erwarten aber, dass er wachsen wird, zumal sich Bertelsmann schon jetzt von bestimmten Sparten trennen wird. Mit Ausnahme der RTL Gruppe sanken die Umsätze fast aller Mediensparten.

Die erste Sparte, die abgestoßen werden soll, sind die North American book clubs. Nach Auskunft des Finanzdirektors Thomas Rabe werden Gebote bereits eingeholt. Der Konzern hofft, bis Ende des Sommers einen Käufer gefunden zu haben. Als zweites Bereich stehen die Anteile von Sony BMG zur Disposition. Die Gespräche hierzu beginnen in den kommenden Tagen.

Arvato etwa wagt einen Vorstoß in neue Gefilde – etwa in den Bereich der Gemeindeverwaltung. In Würzburg etwa betreibt Arvato mit dem Bürgerbüro bereits eine Internetseite, mit dem Bürger diverse Behördengänge von zu Hause aus erledigen können: An-, Um- und Abmeldung der Wohnung, Aufenthaltsgenehmigungen, Personalausweis oder die KfZ-Zulassung. Die Pläne stoßen auf Kritik, unter anderem aus Angst vor Datenmissbrauch. Ostrowski sieht in Diensten wie diesen jedoch einen großen Markt.

Ob das ausreicht, um die Krise der Buchbranche zu lösen, bleibt abzuwarten. Skeptiker bezweifeln es.

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