Führungskrise beim „Spiegel“

Der Machtkampf zwischen den Gesellschaftern Mitarbeieter KG (50,5 Prozent) und Gruner + Jahr (25,5 Prozent) beim "Spiegel" spitzt sich zu. Aus dem Hause Gruner heißt es, man wolle auf alle Fälle hart bleiben und an Mario Frank als Geschäftsführer festhalten. Keine Kompromisse! Die Mitarbeiter KG hat Frank das Vertrauen entzogen. Der "Spiegel" befindet sich mitten in einer Führungskrise. Eine Lösung ist nicht in Sicht.

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Die Lage ist völlig verfahren. Laut „Spiegel“-Gesellschaftervertrag ist eine Mehrheit von 76 Prozent notwendig, um wichtige Entscheidungen, wie die Abberufung eines Geschäftsführers, zu treffen. Obwohl G+J mit 25,5 Proznt deutlich weniger Anteile am Verlag hält wie die Mitarbeiter KG, kann sich keiner ohne den anderen bewegen. Bei der Mitarbeiter KG setzte man offenbar darauf, dass G+J die Entscheidung des Mehrheitsgesellschafters akzeptieren würde. Pustekuchen! Auf dem Großverlag G+J wird klar signalisiert, dass es in der Frage des Geschäftsführers kein Entgegenkommen gibt. Das Ganze wirkt ein bisschen wie eine Retourkutsche. Gruner-Boss Bernd Kundrun ist immer noch stinksauer, dass die Mitarbeiter KG ihm eingebrockt hat, dass G+J selbst die komplette „Financial Times Deutschland“ kaufen musste.
G+J hielt 50 Prozent an der Wirtschaftszeitung, der englische Verlag Pearson die anderen 50 Prozent. Als Pearson zum Verkauf stellte, wollte Mario Frank sich die Hälfte der „FTD“ für den Spiegel Verlag sichern. Für Gruner + Jahr wäre das eine bequeme Lösung gewesen. Die „FTD“ wäre beim „Spiegel“ unter Kontrolle gewesen, ohne dass man das volle wirtschaftliche Risiko tragen muss. Hier machte die Mitarbeiter KG den Gruners einen Strich durch die Rechnung. Der Kauf wurde abgelehnt, Frank damit öffentlich brüskiert und G+J musste den Kauf alleine schultern. Dieser Stachel sitzt tief.
Was also wird geschehen? Zunächst einmal werden sich die beiden zerstrittenen Gesellschafter weiter belauern und warten, dass einer nachgibt. Weil das unwahrscheinlich ist, muss irgendwann ein Kompromiss her. Der kann nur so aussehen, dass weder Frank bleibt, noch der Kandidat der Mitarbeiter KG, Franks Stellvertreter Matthias Schmolz, befördert wird. KG und G+J müssten sich auf einen neuen, externen Kandidaten als Geschäftsführer einigen, der weder im Ruf steht, Handlanger der Gruners noch der KG zu sein. Einen qualifizierten Verlagsmanager zu finden, der sich frewillig zwischen die verhärteten Gesellschafter-Fronten beim „Spiegel“ begibt, dürfte indes nicht leicht sein. Das „Spiegel“-Theater hat wieder geöffnet.
 

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