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Klick-Erfolge machen Mediatheken teuer

Die Öffentlich-Rechtlichen schmieden große Pläne für ihre Web-Expansion; wer jedoch die Kosten dafür tragen soll, wird bislang nicht verraten. Selbst aus den eigenen Reihen melden sich jetzt erste Zweifler. Die Frage ist, ob alles, was ARD und ZDF online künftig erlaubt sein soll, überhaupt sinnvoll und finanzierbar ist. Besonders die Mediatheken könnten laut Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ zur Kostenfalle für die Sender werden – zumal, wenn diese erfolgreich sind.

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Seit Monaten streiten ARD und ZDF erbittert mit privaten Verlegern, Sendern und mit Politikern über ihre Pläne für die Online-Expansion. Bislang ist jedoch unklar, wie die Neuerungen überhaupt finanziert werden sollen. Besonders hohe Kosten könnten dabei für den Datentransport anfallen, wie die „Süddeutsche Zeitung“ jetzt berichtet. Die Rechnung ist einfach: Je erfolgreicher die öffentlich-rechtlichen Mediatheken werden, desto tiefer müssen ARD und ZDF in die Tasche greifen, da sich die Kosten für das Streaming an der Zahl der Abrufe orientieren.

Wie der Privatsenderverband (VPRT) ermittelt hat, schlagen allein die Mediathek-Abrufe der ZDF-Telenovela „Wege zum Glück“ mit 213.000 Euro pro Jahr zu Buche. Mit den neuen Online-Angeboten der Öffentlich-Rechtlichen würde „die Politik gleichsam die nächste Gebührenerhöhung mitbeschließen“, warnt deswegen der VPRT. ZDF-Sprecher Alexander Stock kontert: „Keiner muss Angst haben, dass wegen der Streamingkosten die Rundfunkgebühr steigt.“ Doch auch wenn die GEZ-Gebühren nicht anziehen– auf irgendeine Weise müssen die Expansionspläne finanziert werden.

In der laufenden Gebührenperiode 2005 – 2008 haben die Sender 45,4 (ARD) bzw. 9,8 (ZDF) Millionen Euro für das Streaming ausgegeben, wie die Gebührenkommission KEF ermittelt hat. Für den Zeitraum 2009 – 2012 könnten die Kosten auf 81,3 (ARD) bzw. 11,6 Millionen Euro steigen. Die unabhängige Kommission kritisiert, dass die Sender wegen der hohen Streamingkosten ihre Selbstbindung überzogen hätten. Die Öffentlich-Rechtlichen hatten sich bis 2008 verpflichtet, nicht mehr als 0,75 Prozent ihres Etats für den Online-Bereich auszugeben. Der Datentransport ist für ARD und ZDF jedoch nicht  Bestandteil der Selbstverpflichtung.

Laut „SZ“ ist das ein heikler Punkt: Die Öffentlich-Rechtlichen legitimieren ihre Mediatheken mit der Begründung, der Zuschauer habe für den Inhalt schon gezahlt. An die hohen Kosten für das Streaming wurde dabei offensichtlich nicht gedacht.

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